Mehr Schutz vor sexueller Gewalt gefordert

Mehr Schutz vor sexueller Gewalt gefordert

Rastatt (red) - Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt wäre weitaus mehr machbar, als derzeit umgesetzt wird: Diese Feststellung trifft der Rastatter "Arbeitskreis Kinder haben Rechte" mit Blick auf Erkenntnisse des Unabhängigen Bundesbeauftragten gegen sexuellen Kindesmissbrauch, Johannes-Wilhelm Rörig. Bei einem Fachtag am 5. Dezember im Landratsamt sollen Schutzkonzepte vorgestellt und Impulse für deren Umsetzung im Alltag gegeben werden.



"Wir können mit dem Schutz unserer Kinder vor sexueller Gewalt noch nicht zufrieden sein", heißt es in der Mitteilung. Kinder und Jugendliche seien leider an Orten, an denen sie eigentlich Schutz und Förderung erleben sollten, von sexueller oder anderen Formen von Gewalt bedroht: In der Familie, in der Partnerschaft, Schule, Vereinen, im nahen Umfeld können Mädchen und Jungen schwer traumatisierenden Formen von Gewalt ausgesetzt sein. "Die Täter gehen dabei oft sehr heimtückisch und strategisch vor. Sie lügen, betrügen und manipulieren. Gleichzeitig zeigen sie nach außen ein scheinbar nettes Gesicht", stellt der Arbeitskreis fest.

Sexuelle Gewalt verletze in hohem Maße das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Schutz ihrer Würde, ihrer Persönlichkeitsrechte und ihrer Intimsphäre. Die traumatische Erfahrung sexueller Gewalt könne das Aufwachsen erheblich belasten und sich ein ganzes Leben lang stark beeinträchtigend auf die seelische und körperliche Gesundheit, auf den beruflichen Erfolg und auf das Leben in Partnerschaften und Beziehungen auswirken.

Wie können nun Räume ohne sexuelle Gewalt geschaffen werden? In den vergangenen Jahren habe sich aus den Erfahrungsberichten Betroffener und aus wissenschaftlichen Forschungsergebnissen herauskristallisiert, dass jede Schule, jeder Verein, jede Einrichtung mit Kindern und Jugendlichen ein Schutzkonzept brauche, so der Arbeitskreis in seiner Mitteilung. "Kinder müssen ihre Rechte auf körperliche Selbstbestimmung und Unversehrtheit kennen. Kinder und Jugendliche brauchen eine Stimme, damit sie sich an der Ausgestaltung ihrer Lebensräume beteiligen und sich wirkungsvoll über Missstände beschweren können. Kinder brauchen Wahlmöglichkeiten und Auswege aus gefährlichen Situationen und nicht zuletzt vertrauenswürdige Erwachsene, die wissen, wie sie den Kindern helfen können."

Mit diesen Themen beschäftigt sich der Fachtag, für den Landrat Toni Huber die Schirmherrschaft übernommen hat, und der sich an Fachkräfte von Kindertages- und Jugendeinrichtungen, Schulen, der sozialen Arbeit und an Ehrenamtliche aus Vereinen richtet (5. Dezember, 9 bis 17 Uhr im Landratsamt Rastatt).

Die Veranstalter haben dafür Experten aus Forschung und Praxis eingeladen. Chris Ott von der Badischen Sportjugend Freiburg stellt "Präventions- und Schutzkonzepte im organisierten Sport" vor. Prof. Mechthild Wolff, Leiterin der Forschungsgruppe "Kinderschutz in Institutionen" der Hochschule Landshut, präsentiert in einem Impulsvortrag "Schutzkonzepte als machtsensible und partizipative Lernprozesse". Workshops widmen sich "Gefährdungsanalysen als Start für ein Schutzkonzept - Beispiele und Methoden für die Praxis", stellen das Kinderschutzkonzept der Kitas der Stadt Rastatt und die Präventionsprojekte "Starke Kinder Kiste" der Stiftung Hänsel und Gretel, das Stück "Irmi und das Nein" und das Projekt "Herzklopfen" vor. Anmeldung: info@feuervogel- rastatt.de und im Netz.

www.feuervogel-rastatt.de

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