Zuschauer biegen sich vor Lachen

Zuschauer biegen sich vor Lachen

Rastatt (nora ) - Mit dem Mundarttheaterstück "Die Gedächtnislücke" hat die Theatergruppe des Kirchenchors Ottersdorf die Herzen des Publikums erobert. Bei der Premiere am Samstag im katholischen Gemeindehaus zeigte die zehnköpfige Laienspielgruppe unter der Leitung von Regisseur Andreas Groß eine tolle Gemeinschaftsleistung, bei der jeder einzelne Akteur vor Spielfreude geradezu sprühte. Der Funke sprang in den ersten Szenen auf die Zuschauer über.



In der Hauptrolle glänzte Benjamin Fink alias Franz Kübele. Seit dieser vom Postboten zum Ortsvorsteher aufgestiegen ist, hat er sich stark verändert. Sein Amt nimmt er so ernst, dass er darüber seine Frau Helene (Petra Landhäußer) vernachlässigt. Er will es allen Bürgern Recht machen, auch dem erst vor kurzem aufs Land gezogenen Ehepaar von Silberstein, das sich über Lärmbelästigungen durch läutende Kirchenglocken, einen krähenden Hahn und die probende Blaskapelle beschwert. In den Rollen der resoluten Ludwiga von Silberstein und ihres duckmäuserischen Gatten überzeugen Agnes Neumeier und Andreas Groß, der für erste Begeisterungsstürme im Publikum sorgt, als er nach einem Tritt in den Allerwertesten fast von der Bühne fällt.

Franz ist geneigt, allen Lärm abzustellen, doch er stößt auf Widerstand. Helene, die Pfarrgemeinderatsvorsitzende ist, beharrt auf dem Glockengeläut. Sein Freund Anton (urkomisch gespielt von Reinhard Fritz), stolzer Gockelbesitzer und Musikvereinsvorsitzender, denkt ebenfalls nicht daran, dem Wunsch der Städter nach mehr Ruhe nachzukommen, und kündigt Franz die Freundschaft. Der Ortsvorsteher bleibt jedoch hart und schreitet selbst zur Tat. Beim Versuch, die Kirchenglocken abzuhängen, stößt er sich derart den Kopf, dass alle Erinnerungen an die vergangenen fünf Jahre ausgelöscht werden.

In dieser Situation läuft Stefan Groß in der Rolle des gewitzten Amtsdieners Sepp zu Bestform auf. Er zieht geschickt die Strippen, während Franz eine beachtliche Veränderung durchläuft: Für seine Frau ist er wieder der liebevolle Ehemann, für seine Freunde der alte Kumpel. Den von Silbersteins macht er klar, dass zum Landleben auch Tiere, Glocken und Blasmusikanten gehören.

Bevor Franz durch einen erneuten Sturz wieder der Alte wird, hat Sepp die von Silbersteins mit einem Trick dazu gebracht, die ländliche Geräuschkulisse zu akzeptieren.

Bis es so weit ist, sorgen auch viele Nebenstränge in der Handlung für reichlich Action auf der Bühne. Da ist zum Beispiel Sekretärin Hannelore (Anna-Lena Ort), die ihrem Kollegen Sepp zu einer Frau verhelfen will und auf die Heiratsannonce von Rosalinde (Claudia Adamietz) antwortet, dabei aber ein Bild von Franz verwendet. Letztlich findet Rosalinde ihr Glück beim liebestollen Psychiater Gottlieb (Michael Ernst). Hinreißend sind auch die Szenen mit Tratschtante Emma (Monique Hübner), deren Sensationslust Sepp immer wieder geschickt ausnutzt, um an ein Schnäpschen zu kommen.

Die Zuschauer bogen sich bei der Premiere zeitweise vor Lachen, wozu auch die Rieder Mundart beitrug, und spendeten zum Schluss tosenden Applaus.

Wer noch Karten für die Aufführungen am kommenden Wochenende ergattert hat, darf sich glücklich schätzen. Die Vorstellungen sind alle ausverkauft. Einen Teilerlös spendet die Theatergruppe wie immer für soziale Zwecke. In diesem Jahr wird die Renovierung des Kirchendachs unterstützt.

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