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Enfant terrible wird erneut Adler-Coach
06.12.2017 - 00:00 Uhr
"Kill Bill" ist zurück. Zum Start sollte Bill Stewart, alter und neuer Coach der Adler Mannheim, besser nicht die große Tageszeitung der Stadt lesen. Fast schon genüsslich listete der Mannheimer Morgen auf, was sich der Italo-Kanadier in der Vergangenheit alles geleistet hat. Die Spitznamen "Kill Bill" und "Psycho Bill" trägt der neue Chef an der Bande des siebenmaligen Eishockey-Meisters, der dort schon von 2000 bis 2004 stand, nicht umsonst.

So lieferte sich Stewart mit Pavel Gross, dem Trainer der Grizzlys Wolfsburg, vor 16 Jahren in den Play-offs eine Prügelei, bei der beide Gesichtsverletzungen davontrugen. Kurz darauf gaukelte Stewart im entscheidenden Spiel um die Meisterschaft eine Ohnmacht vor, damit Starstürmer Jan Alston noch seine neuen Schlittschuhkufen schleifen lassen konnte. Die Schauspieleinlage war erfolgreich - die Kurpfälzer wurden Meister.

Doch damit nicht genug. Als Angestellter der Barrie Colts in der kanadischen Ontario Hockey League (OHL) versuchte Stewart im Jahr 2000, einen ukrainischen Spieler ohne gültige Papiere im Kofferraum des Mannschaftsbusses in die USA zu schmuggeln. Stewart wurde erwischt und durfte sechs Jahre nicht in die USA einreisen.

Er gilt als cholerisch. Nach einer Niederlage schloss der heute 60-Jährige seine Schützlinge bis 5.00 Uhr morgens in die Kabine zur "Taktikschulung" ein. Höhepunkt seiner Auswüchse war zugleich das Ende seiner ersten Amtszeit in Mannheim: Als Stewart im Anschluss an eine Pleite eine Bierflasche durch die Frontscheibe des Teambusses warf, war das Maß für die Verantwortlichen voll. Dennoch wurde Stewart nun vom Mannheimer Geschäftsführer Daniel Hopp zurückgeholt und mit einem Vertrag bis zum Saisonende ausgestattet. "Für unsere Situation ist er der richtige Mann", begründete Hopp im Mannheimer Morgen seine Entscheidung: "Wir wollen jetzt wieder ins Rollen kommen." Zuvor hatten die Mannheimer ihre komplette sportliche Leitung vor die Tür gesetzt. Nach einer bislang enttäuschend verlaufenen Spielzeit in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) trennte sich der Klub von Trainer Sean Simpson, Co-Trainer Colin Müller und Manager Teal Fowler. Ex-NHL-Profi Jochen Hecht bleibt Co-Trainer.

Die Adler liegen nach 28 Spielen, etwas mehr als der Hälfte der Saison, mit 43 Punkten in der Tabelle auf Rang sieben, der nur zur Teilnahme an den Pre-Play-offs berechtigt. "Wir waren der Meinung, dass wir uns neu aufstellen müssen", sagte Hopp.

Stewart arbeitete bis Oktober bei den Straubing Tigers, ehe er wegen Erfolglosigkeit gehen musste. Stewart gilt als Übergangslösung. Es wird bereits über die Rückkehr von Geoff Ward spekuliert. Der frühere Meistertrainer der Adler (2015) steht derzeit bei den New Jersey Devils in der nordamerikanischen Profiliga NHL unter Vertrag.

Dringend gesucht wird auch ein Nachfolger von Manager Fowler, mit dem Mannheim 2007 und 2015 Meister wurde. Hopp machte klar, dass die Zeit dafür drängt: "Das muss zügig angegangen werden."(sid)

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