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Ein Dorf probt den Aufstand
Gabriel Gallus (am Ball) ist die Seele des SVO-Spiels - und obendrein bester Torschütze der 'Macht vom Dorf'.  Foto: toto
14.12.2017 - 00:00 Uhr
Von Hucky Krämer

Wer hätte das gedacht? Vor der Runde prophezeiten selbst viele Experten dem Fußball-Oberligisten SV Oberachern bei sechs möglichen Absteigern eine ganz, ganz schwere Runde. Einige mutmaßten sogar, dass der neue Trainer Mark Lerandy die Winterpause nicht erleben würde. Und prompt startete der SVO mit drei Niederlagen in die Saison. Doch siehe da: Nach 18 Spielen hat die "Macht vom Dorf" 29 Punkte auf dem Konto und überwintert fast sensationell auf dem fünften Tabellenplatz.

Noch eine größere Überraschung ist das ebenfalls blutjunge Team II, das als Aufsteiger die Landesliga rockt und bei einem Spiel weniger nur zwei Zähler Rückstand auf Tabellenführer TuS Oppenau hat. Natürlich profitierte Trainer Stefan Geppert von der individuellen Klasse und dem Hunger der jungen Wilden, aber es ist sicherlich kein leichtes Unterfangen, einem Team, das Woche für Woche mit einer stark veränderten Aufstellung spielen muss, Stabilität und Ordnung zu verleihen. Es ist auch kein leichtes Unterfangen, die Enttäuschung der Spieler, die am Wochenende den Sprung in das Team I nicht schaffen, in positive Energie umzuleiten.

"Das ist phänomenal und übertrifft alle unsere Erwartungen. Beide Mannschaften haben eine tolle Hinserie gespielt", jubiliert Mark Bosselmann, der Vorstand Sport des SVO. Überbewerten will er dies freilich nicht, zumal gerade Team I in der entscheidenden Phase auch das notwendige Quäntchen Glück hatte. "Der Weg ist noch weit, unser Saisonziel ist und bleibt für beide Teams der frühstmögliche Klassenerhalt. Gerade die Oberliga ist wahnsinnig ausgeglichen, eine kleine Negativserie - und schon steckt man wieder mitten im Abstiegskampf", drückt Bosselmann auf die Euphoriebremse.

Lerandy steht auf Überfallfußball

Viel Lob hat er für Lerandy. "Neuer Trainer, neues Spielsystem - es kam nicht von ungefähr, dass wir in den ersten drei Spielen Lehrgeld bezahlt haben. Aber Mark hat die Mannschaft weiterentwickelt. Er steht für Überfallfußball, was unser Spiel auch attraktiver macht", freut sich Bosselmann. In der Tat hat Lerandy ein Gebilde geschaffen, das in der Offensive mit Tempo Verwirrung bei den Gegnern stiften kann und gleichzeitig in der Defensive so stabil geworden ist, dass es schwer ist, dagegen ein Tor zu schießen. Hinzu kommen die taktische Flexibilität und die körperliche Fitness. Es verblüfft, mit welcher Zielstrebigkeit, Geschwindigkeit und Leichtigkeit die Mannschaft von Mark Lerandy nach vorne spielt. So ist es kein Zufall, dass sie in 18 Spielen bereits 31 Tore erzielt hat. Herausragend das 6:0 in Bahlingen und der 5:3-Sieg in Bissingen. Zum mit der Zunge schnalzen das 2:1 gegen Ravensburg und das 0:0 in Sandhausen. Bester SVO-Torschütze ist Gabriel Gallus mit acht Saisontoren. Der Edeltechniker ist die Seele des SVO-Spiels, hat laut Trainer Lerandy "fast in jedem Spiel eine zündende Idee". Vier Tore hat der pfeilschnelle Ex-Kuppenheimer Emanuele Giardini erzielt, der sich auf Anhieb einen Stammplatz erobert hat. Hinten stand schon neunmal die Null. Die Viererkette ist stabil und davor räumen Kapitän Felix Armbruster sowie Anthony Decherf ab. Balleroberung - und ab geht die Post. Als Glücksgriff erwies sich Torwart Julien Guthleber, der vor der Runde eigentlich die Nummer drei gewesen war. Doch Stammkeeper Logan Kleffer war verletzt, Neuzugang Manuel Buss agierte unglücklich. Im dritten Spiel beim FC 08 Villingen kam Guthleber erstmals für Buss zum Einsatz. Die Partie ging zwar mit 0:2 verloren, aber danach blieb der SVO elf Spiele ungeschlagen. Mit ein Verdienst von Guthleber, der eine enorme Ruhe ausstrahlt und durch ein exzellentes Stellungsspiel besticht.

"Das 0:0 im vierten Spiel daheim gegen SGV Freiburg war der Knackpunkt, wobei wir auch schon in Villingen gut gespielt hatten", meint Trainer Lerandy. Ab da ging's nur noch bergauf. Blenden lässt er sich von den Erfolgen aber nicht. Lerandy weiß, dass so ein junges Team immer einmal wieder Formschwankungen unterworfen ist. Siehe das 0:3 in Spielberg, das Pokal-Aus in Pfullendorf (0:0) oder das 0:2 bei der Neckarsulmer SU, mit dem sich das Dorfklub in die Winterpause verabschiedete.

"Wir wissen, dass es Rückschläge geben wird und sind darauf vorbereitet", sagt Lerandy. Wichtig ist für ihn, bei dem breiten Kader alle Spieler bei Laune zu halten. Am 10. Januar steigt der SVO wieder ins Training ein, drei Tage später unterzieht man sich schon beim souveränen Regionalliga-Spitzenreiter 1. FC Saarbrücken einem echten Härtetest. In der Saarlandmetropole war Lerandy einst als Profi aktiv gewesen. Es folgt ein weiterer Test beim Regionalligisten Astoria Walldorf. Die Punktehatz beginnt dann wieder am 17. Februar 2018, wobei der SVO mit zwei Heimspielen gegen 1. CfR Pforzheim und FC 08 Villingen in die heiße Phase der Saison startet. Und weil es kurz vor Weihnachten ist, haben Bosselmann und Lerandy noch einen Wunsch frei. Sie wünschen sich mehr Zuschauer, verdient hätten es die Jungspunde mit ihrem attraktiven Oberligafußball allemal.

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