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Abschied vom Leuchtturmwärter
Ede Christ.  Foto: pr
20.03.2018 - 00:00 Uhr
Vielleicht hätte er es sich genau so gewünscht, auch wenn man das natürlich nur erahnen kann: Dass sein letzter Kampf dort beginnt, wo er sich sein Leben lang zu Hause gefühlt hat und seine größten Erfolge feiern durfte: Auf dem Handballfeld. Am Mittwochabend erlitt Edgar Christ dort, in der Sinzheimer Altenburghalle, beim Training mit den Alten Herren des BSV Phönix Sinzheim, seinen Freunden und Weggefährten, einen Herzinfarkt. Nach einer unglaublichen Notarzt-Odyssee und einer bangen Nacht mit der Hoffnung, er möge überleben, ist Edgar Christ, den nicht nur in der Sinzheimer Handballfamilie alle nur "Ede" nannten, einen Tag später, in der Nacht zu Freitag, im Alter von 61 Jahren verstorben.

Nicht nur für die Familie und seine Freunde fühlt sich das an wie ein Stich in Herz. Vielmehr trauert der ganze mittelbadische Handball um einen Mann, der nicht nur wegen seiner Körperhöhe von 1,94 Meter ein Großer war. "Hansdampf in allen Handballgassen" hat ihn einer mal genannt, das traf den Nagel ziemlich auf den Kopf. Dabei waren vor allem die Sinzheimer Handballgassen sein Revier. Jahrzehntelang leitete Christ die Geschicke der ersten Mannschaft des BSV, dem er nur ein Jahr nach dessen Gründung 1971 beigetreten war. Als aktiver Spieler war er eher, nun ja, Mittelmaß, als Manager indes prägte er vom Ende der 80er Jahre bis 2010 wie kein Zweiter das Bild des BSV Phönix Sinzheim - und sorgte mit seinem unermüdlichen Einsatz für einen Höhenflug, wie nur er selbst ihn dem Phönix zugetraut hatte.

"Angefangen hat alles 1988 in der Bezirksliga mit einem zahlenden Zuschauer gegen Kuppenheim. Für mich war das ein Schlüsselerlebnis. Ich habe mir gesagt, ich muss was auf die Beine stellen", blickte Christ in einem BT-Interview einmal zurück. Auch an sein Ziel konnte er sich in dem Gespräch unschwer erinnern: "Meine Devise war in zehn Jahren Regionalliga." In der Saison 2000/2001 hatte er das große Ziel erreicht. Der BSV war zu jener Zeit der Leuchtturm des mittelbadischen Handballs - und Ede sein Leuchtturmwärter.

Dass das eine Unmenge Arbeit war und ebensoviel Freizeit kostete, liegt in der Natur der Sache. "Ich denke, pro Woche sind es 15 bis 20 Stunden, die für den Handball draufgehen", hat der gelernte Großhandelskaufmann mal vorgerechnet. Schließlich war er beim BSV nicht nur Leuchtturmwärter, sondern auch Mädchen für alles.

Vor allem war er, dem die Sportredaktion des Badischen Tagblatts 2009 ihren Ehrenpreis verlieh, ein Charismatiker, ein Schlitzohr, manchmal auch ein Stur- und Dickkopf, immer ein Macher, Kämpfer, Visionär. Um es in seinen eigenen Worten zu sagen: "Mir hat es schon immer Spaß gemacht, etwas zu organisieren und aufzubauen."

Dass er dabei bisweilen polarisierte, aneckte - geschenkt. Anders geht es nicht, wenn man den tollkühnen Plan verfolgt, einen Verein von der Bezirks- in die Regionalliga zu führen. Und es ging auch nicht, da war sich Christ schnell sicher, ohne fremde Hilfe, also Spieler aus dem Ausland. Der ehemalige tschechische Nationaltorhüter Rudolf Osicka, längst zu einem Sinzheimer Urgestein geworden, war der erste. Doch nicht alle, die kamen, blieben so lange wie er. Die meisten waren nur auf Durchreise. Namen im Rückblick: Lubomir Vermirovsky, Marek Jagielski, nicht zuletzt Maxim Putica. Der BSV war damals international, so wie auch jene Turniere, die Christ, mittlerweile auch als Spielervermittler tätig, zusammen mit dem Verein veranstaltete.

Und doch kann all das nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch und gerade der eigene Nachwuchs bei Ede immer hoch im Kurs stand. Stefan Kneer, Dirk Holzner, Björn Gerber, Florian Vogel und Fabian Marlok sind u. a. die Namen, die man an dieser Stelle nennen muss.

Hatte sich Christ in den letzten Jahren etwas zurückgezogen vom Handball und seinem BSV, war er nun gerade dabei, wieder etwas mehr mitzumischen, wieder mehr Verantwortung zu übernehmen. Dazu wird es nicht mehr kommen. Der mittelbadische Handball hat eine seiner großen Persönlichkeiten verloren. Der Leuchtturmwärter hat seinen Leuchtturm verlassen.(nie/ket)

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