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Mit Thunfisch und Whatsapp
Völlig losgelöst - erst auf dem Feld gegen Pforzheim, dann bei der anschließenden Sause: Christian Fritz (Mitte) und der TVS heben in die dritte Liga ab.  Foto: toto
24.04.2018 - 00:00 Uhr
Von Moritz Hirn

In der Sandweierer Rheintalhalle gibt paar unumstößliche Gesetzmäßigkeiten. Etwa die, dass es für Gastmannschaften meist nichts zu gewinnen gibt. Als quasi elftes Gebot in Granit gemeißelt gilt auch, dass Kurt Hochstuhl immer auf dem wohl prominentesten Platz thront: Direkt am Spielfeldrand in der nordwestlichen Hallenecke, das Geschehen auf der Platte und auf den Rängen immer bestens im Blick.

Von dort aus war am Samstag Historisches zu bestaunen: Die Handballer des heimischen TVS Baden-Baden, dessen zweiter Vorsitzender Hochstuhl ist, ballerten die SG Pforzheim/Eutingen - bis dato Tabellenzweiter der Oberliga - mit 34:28 vom Feld und machten damit den Aufstieg in die dritte Liga und durch den Willstätter Punktverlust obendrein auch noch die Meisterschaft perfekt. Der Stuhl in der Ecke war sozusagen der Logenplatz für die grün-weiße Megaparty, die sich nach dem Schlusspfiff Bahn brach. Das Problem: Kurt Hochstuhl saß nicht an seinem angestammten Platz. Er war nicht mal in der Halle. Ausgerechnet am Samstag, beim vielleicht wichtigsten Spiel der Vereinsgeschichte, beim größten Erfolg des TV Sandweier. Stattdessen weilte der oberste Handball-Boss Südbadens - Hochstuhl ist Präsident des SHV - im Urlaub in Portugal.

"Das war eine vollkommene Schnapsidee", musste er angesichts des Verpassten eingestehen, "aber als wir das im Oktober gebucht hatten, wussten wir zwar, dass wir eine starke Mannschaft haben, aber kein Mensch wusste natürlich, dass wir an diesem Abend das entscheidende Spiel um die Meisterschaft spielen würden. Wenn ich damals gesagt hätte, ich kann nicht in den Urlaub fliegen, weil wir um den Titel spielen, dann hätte man wahrscheinlich das Rote Kreuz angerufen und gesagt: Wir brauchen einen Eiltransport nach Wiesloch - und zwar direkt zur stationären Aufnahme!"

Für verrückt wurde der TVS-Altvordere am Samstag nicht erklärt, aber belächelt wurde seine Abstinenz allerdings schon: "Selber Schuld", lautete etwa der Kommentar von Vorstandskollegin Karin Fierhauser-Merkel. Hochstuhls Sohn Fabian, Abteilungsleiter Handball und Spielertrainer der Reserve, meinte: "Er wollte es ja so." Immerhin war Hochstuhl stets über das Spielgeschehen auf dem Laufenden - Whatsapp sei Dank. Und so hat er mit seiner ebenso handballverrückten Gattin Doris bei gegrilltem Thunfisch und einer guten Flasche portugiesischem Schaumwein den Aufstieg samt Titel gefeiert.

Deutlich heftiger ging es derweil in der Halle zu. Dem Vernehmen nach ging die grün-weiße Sause bis um halb sieben am Sonntagmorgen. Ein paar Stunden später wurde dann im Garten von Trainer Ralf Ludwig die Afterhour eingeläutet. "Es ist einfach ein geiles Gefühl, wenn man sich für die harte Arbeit belohnt", gab der Coach noch während der Party nach dem Spiel zu Protokoll. Seit drei Jahren ist Ludwig nun Trainer beim TVS. In dieser Zeit hat er die Mannschaft kontinuierlich weiterentwickelt und den Club in dieser Saison in ungeahnte Höhen geführt. "Für mich ist es kein Zufall, dass wir aufgestiegen, sogar Meister geworden sind", versichert der gebürtige Helmlinger, "die Mannschaft, das Trainerteam, alles passt super zusammen. Ein Rädchen greift ins andere."

Und auch wenn mit Aufstieg und Titel schon das Maximum in dieser Saison erreicht ist, in den zwei verbleibenden Spielen sollen sich die Rädchen weiterdrehen. Ein Ziel bleibt nämlich noch: "Die 1000 Tore sind fällig", sagt Co-Trainer Marius Merkel. Bislang stehen 937 in den Büchern. Bei den noch fehlenden Treffern wird dann auch Kurt Hochstuhl wieder dabei sein. Vorher aber hat er noch eine weitere Regel in den TVS-Almanach geschrieben: "Die Jungs sind offensichtlich so gut, die brauchen mich gar nicht zum Gewinnen!"

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