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Ein Weltmeister im Kuhstall
Frank Stäbler (rechts) trainiert mit seinem Partner Mohammad Papi in einem ehemaligen Kuhstall. Foto: dpa
23.05.2018 - 00:00 Uhr
Es riecht nach frischem Heu, ein paar Fliegen surren in der Luft. Offene Türen geben den Blick frei auf grüne Wiesen, Bäume und Sonnenschein. Fast alles hier wäre geprägt von ländlicher Idylle und früh-sommerlicher Ruhe, wenn nicht mitten in diesem ehemaligen Kuhstall gerade einer von Deutschlands besten Sportlern trainieren würde. Zwischen Heuballen und Traktoren schleudert Frank Stäbler seinen iranischen Trainingspartner auf die Matte. Hier bereitet sich der doppelte Ringer-Weltmeister auf die nächste WM im Oktober und die Olympischen Spiele 2020 in Tokio vor.

Die Kulisse ist so skurril, dass sogar Stäbler lachen muss. Da, wo jetzt seine blaue Trainingsmatte liegt, hätten früher "ungefähr 110 Kühe" gestanden, sagt der 28-Jährige. Zum Lachen ist die ganze Geschichte für ihn aber nicht. Dass er auf dem Bauernhof seiner Eltern trainiert, ist das Ergebnis eines langen Streits mit seinem Heimatclub TSV Musberg.

Musberg? Es gibt in diesem Stadtteil von Leinfelden-Echterdingen viele Felder, Wälder, Wanderwege - und eben Frank Stäbler. Ein außergewöhnlicher Sportler für einen Verein mit 2200 Mitgliedern. Doch anstatt mit dem Doppel-Weltmeister zu werben, kann der seit Mitte April nur noch eingeschränkt in der TSV-Halle trainieren. "Ich dürfte bis 16 Uhr in der Halle trainieren und dann nur einen Trainingspartner haben", erzählt Stäbler. "Totaler Schwachsinn" sei das. Denn zum einen müssten die meisten seiner Trainingspartner bis 19 Uhr arbeiten. Und zweitens brauche er eine Trainingsgruppe, um vernünftig arbeiten zu können. Der Verein widerspricht. "Was er behauptet ist falsch", sagt der TSV-Vorsitzende Joachim Beckmann. "Er kann bis auf Weiteres auch abends bei uns trainieren mit zwei Trainingspartnern." Das sei ihm allerdings zu wenig, ergänzt Beckmann.

Die Unstimmigkeiten zwischen dem TSV und seinen Ringern gibt es schon lange. Als diese 2015 dann mit dem KSV Musberg ihren eigenen Verein gründeten, eskalierte er. Die Ringer des KSV wollten weiter in den Sportstätten des TSV trainieren. Das lehnte der Hauptverein allerdings ab. "Der TSV Musberg ist im Augenblick Herr der Sportstätten. Wenn neue Vereine kommen, gilt die Regelung alt vor neu", sagt Beckmann. Mit dem Ergebnis, dass viele KSV-Sportler nun nicht mehr in der TSV-Halle trainieren können. Und Stäbler nur noch eingeschränkt.

Lösung des Streits deutet sich nicht an

Sein Weg bis in den früheren Kuhstall der Eltern ist geprägt von kleinen oder größeren Streitereien mit Beckmann. Als Stäbler 2015 nach seinem ersten WM-Erfolg in Las Vegas in Leinfelden-Echterdingen empfangen wird, lehnt er den Handschlag von Beckmann ab. Der wirft Stäbler nun vor, "seine ganzen Erfolge im TSV geschafft zu haben", um sie dann zum KSV mitzunehmen. "Was wir in höchstem Maße bedauern ist, dass wir uns über Erfolge von Frank Stäbler mittlerweile nicht mehr freuen können", sagt Beckmann.

Eine Lösung des Streits deutet sich derzeit nicht an. Noch am gestrigen Dienstag wollte sich der Deutsche Ringer-Bund (DRB) mit einer Mail an den Oberbürgermeister der Stadt einschalten. Ob die Bitte um eine Schlichtung des Konflikts Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten.

Stäbler schaut sich schon nach anderen Trainingshallen in der Region um, seine Heimat verlassen will er trotz etlicher Angebote nicht. Die Situation sei wenige Monate vor der WM in Budapest suboptimal sagt DRB-Vizepräsident Daniel Wozniak. "Frank hat das Angebot, dass wir an einem Bundesstützpunkt für ihn etwas machen. Aber das wären dann immer Entfernungen, die nicht mal eben zu bewältigen sind."

Stäbler will gerne in seinem Umfeld bleiben, "Heimat ist mir wichtig, hier kann ich mich optimal vorbereiten", sagt er. Eine Trainingsmatte in einem Kuhstall ist aber auch für ihn neu. (dpa)

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