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Gekommen, um zu bleiben
26.05.2018 - 00:00 Uhr
Nils Petersen saß mit seinen Kumpels aus Freiburg entspannt beim Mittagessen, als er beim Blick auf sein Handy kurz erschrak. Drei Anrufe in Abwesenheit - alle von Joachim Löw. "Ich habe nur gehofft, dass er in dieser Zeit nicht schon jemand anderen angerufen hat", sagte der 29-Jährige - und lachte. Für den Stürmer des SC Freiburg ist alles gut gegangen. Beim vierten Versuch konnte der Bundestrainer die "frohe Botschaft" überbringen, die Petersen immer noch wie ein Traum vorkommt.

"Das ist eine wahnsinnige Geschichte und schon was Besonderes. Ich bin stolz darauf", betonte Petersen gestern bei seinem ersten öffentlichen Auftritt im elitären Kreis der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Der Torjäger ist im Trainingslager in Eppan in Südtirol der einzige Neuling im vorläufigen 27-köpfigen DFB-Kader - doch Petersen ist beim Kampf um die begehrten 23 Plätze für die Weltmeisterschaft in Russland (14. Juni bis 15. Juli) nicht chancenlos. "Gekommen, um zu bleiben" lautet das Motto des Freiburgers.

Löw lässt schon jetzt nichts auf seinen Überraschungsgast kommen. "Mein Gefühl ist, dass er mit der Aufgabe wächst, von ihm verspreche ich mir einiges, ich traue ihm viel zu", lobte der Bundestrainer. Auch Manager Oliver Bierhoff, einst selbst ein Top-Angreifer, hält große Stücke auf Petersen. "Er hat eine gute Entwicklung hinter sich. Das war kein Geistesblitz von Jogi. Wir beobachten ihn schon länger", sagte Bierhoff und würdigte den Freiburger als "wachen Spieler. Sein schnelles Denken macht ihn besonders wertvoll."

Neben Timo Werner, der als gesetzt gilt, und Mario Gomez ist Petersen einer von drei Stürmern im DFB-Aufgebot. "Vielleicht bin ich ein Stück weit unbekümmerter und kann der Überraschungsfaktor sein", sagte Petersen. Welche vier Spieler Löw bis 4. Juni aussortiert, ist noch offen. "Ich habe keinem gesagt, dass er auf Bewährung hier ist, alle haben die gleichen Chancen. Jedem ist klar, dass er Gas geben muss", unterstrich Löw bereits.

Petersen, der in Wernigerode im Harz groß geworden ist, hat mit 15 Toren in dieser Saison auf sich aufmerksam gemacht - und das bei einem Freiburger Bundesliga-Team, berichtet Löw, "das wahrlich nicht in jedem Spiel wahnsinnig viele Torchancen rausspielt". Zudem sei er "auch ein sehr, sehr guter Joker". Petersen hat in der Bundesliga immerhin 20 Treffer erzielt, nachdem er eingewechselt wurde.

"Die Statistik lügt nicht. Vielleicht hat mich dieser Titel auch hierher gebracht", sagte Petersen. Für ihn sei es wichtig, "geduldig zu bleiben. Manchmal reichen ein paar Minuten, um wichtig zu werden." Oder sogar "um Geschichte zu schreiben", wie es Bierhoff ausdrückte, der als Schütze des Golden Goal 1996 im EM-Finale Kultstatus erreichte.

So weit ist Nils Petersen, der in der Saison 2011/12 beim Rekordmeister FC Bayern München unter Vertrag stand, noch lange nicht, auch wenn ihm sein Trainer-Vater Andreas "mehr zutraut als er sich selbst. Ich habe ihm immer schon gesagt, dass er längst für die deutsche Nationalmannschaft spielen könnte", sagte der 57-Jährige, den Petersen junior als "meinen engsten Vertrauten" bezeichnet.

Mit der Nachricht von seiner Nominierung ließ Nils Petersen seinen Vater aber erst einmal zappeln. "Der wäre so euphorisch gewesen, der hätte alles herausposaunt", sagte er. Nur seiner Freundin Carla erzählte er frühzeitig von Löws Anruf, "die musste die Urlaubsplanung stoppen".

So sitzt Petersen nun gut gelaunt in Südtirol und amüsiert sich über die Frage eines kleinen Fan-Jungen, der vom Stürmer wissen wollte, ob er sich ärgern würde, nicht im Panini-Album für die WM vertreten zu sein. "Nein, natürlich nicht", sagte Petersen mit einem Lächeln. Er hoffe derzeit nur "Teil dieser Mannschaft zu werden. Vielleicht schaffe ich es dann auch irgendwann ins Panini-Heftchen."(sid)

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