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Müllmann, Schlagzeuger oder Fischverkäufer
Kann's mit Ball und Drumsticks: Celso Borges.  Foto: dpa
22.06.2018 - 00:00 Uhr
Wenn Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo gewöhnlich noch im Bett liegen und von weiteren Heldentaten träumen, ist Gabriel Victoria schon unterwegs. Um 3 Uhr steht der dreifache Familienvater auf, dann geht es auf die Straßen von Panama City. Victoria ist in seinem richtigen Leben Müllmann. Nur nicht in diesen Wochen, wenn er als Linienrichter bei der Fußball-WM in Russland im Einsatz ist.

"Die Arbeit ist nicht einfach", sagte Victoria, der den Job seit 25 Jahren ausübt, dem Internetportal Telemetro. Nachmittags geht es zum Schiedsrichter-Training, das ihn schließlich bis auf die Weltbühne geführt hat. "Es waren vier Jahre Vorbereitung, physische und schriftliche Tests sowie mehrere internationale Spiele. Mit viel Mühe und einigen Opfern habe ich wunderbare Dinge erreicht", berichtete Victoria.

Es gibt sie tatsächlich noch: Die Exoten, die so gar nicht in die immer unwirklicher erscheinende Glitzerwelt des Fußballs hineinpassen - und doch manchmal die millionenschweren Stars mächtig ärgern. Wie Islands Torhüter Hannes Thor Halldorsson, der Messis Elfmeter beim 1:1 gegen Argentinien parierte und doch eigentlich im Filmgeschäft tätig ist. 2012 hatte er den Beitrag Islands zum Eurovision Song Contest gedreht. Vor der WM nahm er sich die Zeit und schaute sich Videos von Messis Elfmetern an. "Ich habe meine Hausaufgaben gemacht", sagte Halldorsson.

Längst haben die Isländer Heldenstatus erreicht. Wie ihr Trainer Heimir Hallgrimsson, der eigentlich Zahnarzt ist und vor den Länderspielen gewöhnlich mit den Fans ein Bier in der Kneipe trinkt. Oder Birkir Mar Saevarsson, der Pilot werden wollte und seine Fluglizenz noch vor dem Führerschein gemacht hatte, ehe er schließlich doch eine Fußballkarriere startete. Inzwischen arbeitet er nebenbei in einer Salzfabrik.

Costa Ricas Celso Borges ist gerne als Heavy-Metal-Schlagzeuger unterwegs. 2017 spielte er auf einem Charity Konzert in San Jose mit Musiker und Comedian Kurt Dyer Songs von Nirvana, Metallica oder Guns'n'Roses. Das macht der Sohn des früheren Nationalspielers und -trainers Alexandre Guimaraes fast noch besser als Fußball spielen, mit seinem Club Deportivo La Coruna stieg er schließlich in die Zweite Liga Spaniens ab.

Dass der Weg auf die WM-Bühne manchmal verrückte Kurven einschlägt, ist von Englands Jamie Vardy bekannt. Mit 20 hatte der Sohn eines Kranführers noch in der siebten Liga gekickt und nach einer Schlägerei eine Fußfessel tragen müssen, heute zählt er zu den Lieblingen der englischen Fans. Auch Marokkos Ayoub el Kaabi hat vor vier Jahren noch nicht von einer Fußballerkarriere zu träumen gewagt, als er sein Geld als Tischler in den Slums von Mediouna verdiente. In einem Club-Vorbereitungsturnier war sein Talent 2016 Jamal Sellami, dem Trainer von Marokkos B-Team, aufgefallen.

Nigerias Wilfred Ndidi hat in jungen Jahren Erdnüsse in Lagos verkauft, was ihm irgendwann den Spitznamen "omo elepa", also "Erdnuss-Junge" eingebracht hat. Nebenbei hat er noch Autoscheiben geputzt und Wasser verkauft - bis er so viel Geld hatte, um sich Fußballschuhe zu kaufen. Das hat ihn bis in die Premier League zu Leicester City gebracht.

Panamas Kapitän Roman Torres musste als Kind Fische verkaufen. Heute ist er ein Volksheld, nachdem er sein Team mit dem entscheidenden Tor gegen Costa Rica erstmals zur WM geschossen hat. Nun darf er wie Landsmann Victoria in den großen Stadien Russlands auflaufen. "Kämpfe für deine Träume. Es ist schwer, aber nicht unmöglich", sagt Victoria. Ein besseres Beispiel als seine Vita gibt es wohl kaum. (dpa)

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