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Geschockt und fassungslos
28.06.2018 - 00:00 Uhr
"Fassungslos", "traurig", "am Boden zerstört": Der deutsche Radsport steht nach dem schweren Trainingsunfall der zweimaligen Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel unter Schock. Verantwortliche und Mannschaftskollegen sorgen sich um die langjährige Weggefährtin, die schwer verletzt in einem Berliner Krankenhaus liegt und intensiv behandelt wird. "Die Brutalität dieser Nachricht ist ganz schwer wegzustecken", sagte Sportdirektor Patrick Moster vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) gestern: "Ich bin wie alle am Boden zerstört. Kristina ist eine Leitfigur im deutschen Radsport."

Vogel war am Dienstag beim Training in Cottbus verunglückt und erlitt dabei eine schwere Wirbelsäulenverletzung. Die Erfurterin war bei voller Geschwindigkeit mit einem niederländischen Fahrer kollidiert, der sich ebenfalls auf der Radrennbahn befand und "aus dem Stand oder langsamer Fahrt heraus einen Antritt absolvieren wollte. Den genauen Hergang müssen Gutachter klären", sagte Moster.

Die elfmalige Weltmeisterin Vogel wurde anschließend mit einem Rettungshubschrauber nach Berlin geflogen. Gestern wurde sie nach BDR-Angaben und ihres Managements "in einer Not-Operation ärztlich versorgt. Diese OP ist gut verlaufen", hieß es in dem Statement. Vogel werde weiter "intensivmedizinisch betreut. Ihr Zustand ist stabil." Vogels Umfeld bat weiter um Zurückhaltung. Sobald es neue Erkenntnisse zu ihrem Gesundheitszustand gebe, werde man die Öffentlichkeit informieren.

Dass sich mehrere Athleten im Training die Bahn teilen, ist laut Moster "eine tagtägliche Situation. Dass verschiedene Übungen gemacht werden, ist auch klar." Diese Einschätzung teilte Detlef Uibel. Der Bundestrainer war auch am Tag nach dem tragischen Vorfall tief betroffen. "Es ist schwer in Worte zu fassen", sagte Uibel, der von einem "tragischen Moment" sprach. Ursächlich sei eine Verkettung von vielen unglücklichen Umständen. Vogel habe keine Chance gehabt, den Fahrer vor ihr zu erkennen.

Auch Bahnrad-Sprinter Maximilian Levy reagierte schockiert. "Ein ganz trauriger Tag, den wir heute überstehen mussten. Als Freund das zu erleben, ist qualvoller als jedes eigene Leiden", schrieb Levy, der am Dienstag 31 Jahre alt wurde, auf Facebook. Vogels langjährige Teamsprint-Kollegin Miriam Welte hatte im Gespräch mit der "Bild" ihre Trauer zum Ausdruck gebracht: "Ich bin fassungslos. Das darf einfach nicht wahr sein. Ich hoffe, es wird alles wieder gut." Vogels australische Konkurrentin Anna Meares, ebenfalls mit elf WM-Titeln dekoriert, twitterte aus der Ferne Genesungswünsche: "Das sind furchtbare Nachrichten. Ich wünsche dir alles Gute."

Vogel hatte sich auf die traditionsreiche Bahnrad-Veranstaltung "Großer Preis von Deutschland" vorbereitet, die trotz des Unfalls am kommenden Wochenende stattfinden soll. "Wir haben uns dazu entschieden, das Rennen in Cottbus durchzuführen", sagte Uibel. Den Rennfahrern werde aber überlassen, ob sie starten wollen. Uibel ist sicher, dass Vogel die Entscheidung für eine Austragung des Wettkampfes befürworten würde: "Sie war immer ein Vorbild. Sie würde sagen: Augen zu und durch, jammert nicht so viel und setzt euch aufs Rad. Aber das ist schwierig zu vermitteln. Man hat ein trauriges Gefühl."

Vogel wurde bereits zum zweiten Mal Opfer eines schweren Sturzes. 2009 war sie beim Training auf der Straße schwer verunglückt. Damals hatte ihr ein Kleintransporter die Vorfahrt genommen, sie knallte in die Seite des Fahrzeugs und erlitt dabei schlimme Verletzungen. Vogel verlor sechs Zähne, brach sich den Kiefer und vier Handwurzelknochen. Außerdem hatte sie eine leichte Gehirnblutung und gebrochene Brustwirbel. Im Krankenhaus wurde Vogel damals zwei Tage in ein künstliches Koma versetzt. (sid)

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