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Im Nachsitzen weiter
07.07.2018 - 00:00 Uhr
Alexander Zverev donnerte den Ball in die Zuschauerränge und bejubelte mit ausgebreiteten Armen sein Comeback des Willens. Im Nachsitzen hat sich der große deutschen Hoffnungsträger beim Grand-Slam-Highlight in Wimbledon in die dritte Runde gekämpft. Sein gestern beim Stand von 1:2 Sätzen fortgesetztes Zweitrundenduell mit dem starken US-Youngster Taylor Fritz gewann Zverev nach einer nervenstarken Comeback-Leistung mit 6:4, 5:7, 6:7 (0:7), 6:1, 6:2.

"Das war kein gutes Gefühl, mit einem 1:2-Rückstand ins Bett zu gehen. Aber heute habe ich besser gespielt und meine Chancen bekommen. Die Sätze heute waren schon sehr gut", sagte Zverev nach dem Happy End, "ich bin glücklich, weiter im Turnier zu sein." 3:12 Stunden benötigte der 21-Jährige letztlich für den hart erarbeiteten Fünfsatzerfolg gegen den ein Jahr jüngeren Fritz. Nächster Gegner des gebürtigen Hamburgers ist nun der Lette Ernests Gulbis.

Philipp Kohlschreiber (Augsburg/Nr. 25) ist nach einem 3:6, 5:7, 5:7 gegen den Südafrikaner Kevin Anderson (Nr. 8) derweil ausgeschieden. Er musste sich damit Anderson im vierten Duell zum vierten Mal geschlagen geben. Jan-Lennard Struff war in seinem Duell mit Superstar Roger Federer derweil wie erwartet chancenlos. Der 28-Jährige unterlag dem achtmaligen Champion und Titelverteidiger aus der Schweiz mit 3:6, 5:7, 2:6.

Julia Görges (Bad Oldesloe) hat nach einem Krimi erstmals das Achtelfinale erreicht. Die an Nummer 13 gesetzte 29-Jährige gewann ihr enges Drittrundenmatch gegen die Tschechin Barbora Strycova (Nr. 23) 7:6 (7:3), 3:6, 10:8. Damit steht Görges zum sechsten Mal in ihrer Karriere in der Runde der letzten 16 bei einem Grand-Slam-Turnier. Angelique Kerber spielt heute gegen die Japanerin Naomi Osaka um den Einzug ins Achtelfinale. "Ich muss besser spielen als die ersten beiden Matches hier", sagte die 30-Jährige.

Die deutsche Wimbledon-Legende Boris Becker war mit Zverev vor dem erfolgreichen zweiten Akt seines Tennis-Krimis noch hart ins Gericht gegangen. "Er glaubt, er wird der nächste Superstar, aber dafür hat er noch viel Arbeit vor sich", sagte der dreimalige Champion in seiner Rolle als TV-Experte der BBC. Als Hauptproblem machte Becker Zverevs abwartende Spielweise aus: "Er ist wieder in seine Komfortzone gefallen. Er muss nach vorne treten, den Ball früher treffen."

Und tatsächlich schaffte Zverev dank eines wesentlich aktiveren Auftritts eine eindrucksvolle Wende. Während der zuvor so couragierte Außenseiter Fritz offensichtlich mit den Nerven kämpfte, wirkte der Deutsche vom ersten Ballwechsel an wild entschlossen. In nur 21 Minuten gewann er den vierten Satz, erlaubte Fritz dabei überhaupt nur neun Punktgewinne. Im Entscheidungssatz schaffte Zverev ein frühes Break zum 2:1 - und gab sich danach keine Blöße mehr. Am Donnerstagabend war Zverev noch an den Rand des Abgrunds geschlittert, als er auf feuchtem Untergrund nicht nur im übertragenen Sinne ins Straucheln geraten war. Einen ersten Ausrutscher an der Grundlinie hatte er noch mit Humor genommen. Nachdem er wenig später jedoch zwei weitere Male auf dem Rasen gelandet war, verging ihm jedoch die Lust auf Scherze. Zverev haderte nicht nur mit der Nässe des Rasens, sondern auch mit seinem eigenem Spiel. Nach konzentriertem Beginn war ihm das Match schleichend entglitten. Die Unterbrechung wegen einsetzender Dunkelheit kam für ihn gerade rechtzeitig.(sid)

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