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"Ich will etwas zurückgeben"
Trainer Robert Ihly (Mitte) mit seinen Schützlingen Carl Dohmann (links) und Nathaniel Seiler.  Foto: rawo
07.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Frank Ketterer

Der Job des Geher-Trainers Robert Ihly an diesem brütend heißen Dienstagvormittag ist ein ziemlich einfacher. Um 8.35 Uhr wird der Wettbewerb über 50 Kilometer Gehen (teilweise live im ZDF und auch Eurosport) bei der EM in Berlin gestartet - am Breitscheidplatz, also mitten in der Stadt. Knappe vier Stunden später werden die ersten Athleten an gleicher Stelle ins Ziel kommen. In der Zeit dazwischen wird Robert Ihly nur Getränke reichen und ein paar letzte Anweisungen zurufen. Alles andere hat er ihm Vorfeld schon erledigt, mehr kann er nicht mehr tun. Den Rest müssen Carl Dohmann und Nathaniel Seiler alleine über die Bühne bringen.

Ihly, in Schutterwald lebend, ist der Trainer der beiden deutschen Spitzengeher aus Mittelbaden. Dreimal pro Woche fährt der 55-Jährige, im eigentlichen Beruf Ingenieur im Hochbau, nach Freiburg, wo Dohmann und Seiler zusammen trainieren, meist mittwochs und am Wochenende. Den Rest der Woche gehen die beiden nach Ihlys ausgetüftelten Plänen an der Dreisam entlang. Den einen, Dohmann, für den SCL Heel Baden-Baden startend, hat er in der mittlerweile neun Jahre währenden Zusammenarbeit in die Weltspitze der 50-Kilometer-Geher geführt, wie der zehnte Platz des 28-Jährigen bei der WM 2017 beweist. Mit dem anderen, dem erst 22-jährigen Nathaniel Seiler (TV Bühlertal), hat er Ähnliches vor. Zur deutschen Meisterschaft hat er ihn bereits im Vorjahr geleitet.

Das ist erstaunlich für einen Mann, der lange Zeit gar nicht Trainer werden wollte. "Das war nie meine Absicht. Das war nie mein Plan", sagt Ihly jedenfalls. Letztendlich erging es ihm wie vielen guten Trainern: Zu einem Teil wurde er überredet, zu einem Teil ließ er sich überzeugen. "Mein Trainer Rolf Luxemburger hat mich über zehn Jahre lang betreut und begleitet. Davon wollte ich etwas zurückgeben", sagt Ihly im Rückblick. Schließlich bestehe das ganze Leben aus "Geben und Nehmen", auch im Gehen ist das so.

Das Gehen hat Ihly, im russischen Asbest geboren, viel gegeben, nicht nur wegen der zwölf deutschen Meistertitel, die er gewonnen hat, den ersten davon 1989, noch im Jahr, in dem er von der damaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommen war. An drei Olympischen Spielen - 1992 in Barcelona, 1996 in Atlanta sowie vier Jahre später in Sydney - hat er für Deutschland teilgenommen. Hinzu kommen fünf Weltmeisterschaften, von denen er drei unter den besten Zehn beendet hat. Besonders stolz ist Ihly indes auf ein anderes, durchaus historisches Detail: 1990 wurde er bei den damals offenen deutschen Meisterschaften letzter DDR-Meister, ein Jahr später erster gesamtdeutscher Meister über 20 Kilometer. Damals unter den Geschlagenen: Der Potsdamer Ronald Weigel, Weltmeister 1983 sowie zweifacher Olympia-Zweiter 1988 in Seoul - und heute Bundestrainer.

Es ist also eine prächtige Karriere, die der Geher Robert Ihly da hingelegt hat - und doch ist er beim Blick zurück nicht mit allem so ganz zufrieden, vor allem mit den Plätzen elf und 17 bei Olympia hadert er. "Da war mehr drin", ist sich der 55-Jährige noch heute sicher. "Ich habe damals einige Fehler gemacht", fügt er an.

Es sind unter anderem die eigenen Fehler, vor denen Ihly seine "Schützlinge", wie er Dohmann und Seiler nennt, als Trainer bewahren möchte. Bislang hat das prima hingehauen. Ohnehin ist es ein riesiger Erfahrungsschatz, den Ihly den beiden zu Verfügung stellen kann und von dem sie profitieren. Eine von Ihlys Geher-Philosophien: Die zweite Hälfte des Rennens sollte schneller sein als die erste. Eine andere: Je schneller die Armbewegung, um so schneller die Beine. Ihlys Begründung: "Wenn die Arme sich schnell bewegen, müssen auch die Beine schnell gehen. Die Arme werden allerdings nicht so schnell müde wie die Beine."

Heute Vormittag sollen Ihlys Schützlinge das auf der ganz großen Bühne vorführen. Ein Platz unter den Top-16 traut er dem jungen Nathaniel Seiler bei dessen erster EM-Teilnahme zu, möglichst verbunden mit einer Zeit um 3:53 Stunden, die wohl die Qualifikation zur WM bedeuten würde. Bei Dohmann darf's ein bisschen mehr sein. "Unter die ersten Zehn sollte er schon kommen", sagt der Trainer. Selbst noch mehr scheint nicht ausgeschlossen. Ihly: "In Matej Toth gibt es einen Top-Favoriten. Dahinter ist alles möglich."

Andererseits: Es sind die 50 Kilometer, die lange Kante, da kann viel passieren. "50 Kilometer sind unkalkulierbar. Am Ende entscheidet ohnehin der Kopf", sagt Robert Ihly. Kaum einer weiß das besser als er.

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