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Power-Workout mit Regina Halmich
10.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Janina Fortenbacher

Laute Sommerbeats, ein freudestrahlender Trainer und 17 schwitzende Fußballerinnen, die im Takt der Musik kraftvoll ihre geballten Fäuste in die Luft schlagen - dieses Szenario spielte sich am Mittwochabend auf dem Sportplatz des 1. SV Mörsch ab. Allen voran jene Sportlerin, die sogar schon Stefan Raab das Fürchten lehrte: In der brütenden Abendsonne steht die Karlsruher Ex-Profiboxerin Regina Halmich vor versammelter Mannschaft und peitscht die Frauen mit energischen Motivationsrufen an.

Dass sie an diesem Abend eine Überraschung der ganz besonderen Art erwartet, damit hatten die Frauen des 1. SV Mörsch nicht gerechnet. Umso erstaunter sind die Gesichter, als auf dem Sportgelände neben Trainer Chris Rubertino dessen langjährige Freundin und ehemalige Profiboxerin Regina Halmich steht. Ihr sportliches Outfit lässt darauf schließen, dass sie nicht nur zum Zuschauen gekommen ist.

"Ich werde heute eine Trainingseinheit für euch übernehmen", lüftet Halmich das Geheimnis und sorgt damit in den Reihen der Spielerinnen für große Begeisterung - bei dem Gedanken an den Muskelkater am Folgetag aber auch für Besorgnis: "Wahrscheinlich falle ich heute Abend halbtot ins Bett und stehe morgen nicht mehr auf", meint Sandra Heitz kopfschüttelnd. Die Mittelfeldspielerin war 2007 auf Halmichs Abschlusskampf. Sie weiß deshalb genau, wie viel Power in der 1,60 Meter großen Boxerin steckt, die zwölf Jahre lang den Weltmeistertitel im Fliegengewicht verteidigen konnte.

All jene, die das bisher noch nicht wissen, sollen es schon bald erfahren. Nämlich in Form eines knackigen Fito-Trainings mit Tae-Bo-Elementen. Dabei handelt es sich um eine Fitness-Sportart, die Elemente aus asiatischen Kampfsportarten wie Karate, Taekwondo und Kickboxen in einem Workout mit Aerobic verbindet. Ziel sei es, den Frauen in einem effektiven Intervall-Training Kraft und Kondition zu vermitteln - ein "Rüstzeug", das man sowohl im Fußball als auch im Boxen zwingend benötige, erklärt Halmich.

Sie selbst scheint dieses Rüstzeug auch knapp elf Jahre nach ihrem Karriereende noch im Überfluss zu besitzen. Denn während sich die Fußballerinnen bereits nach 15 Minuten mit hochroten Köpfen auf der Rasenfläche abmühen, strahlt Frontfrau Halmich auch nach knapp einer Stunde noch immer fröhlich in die Runde.

Und dennoch: Die Mannschaft zeigt trotz extremer Temperaturen Kampfgeist - jeder noch so kleine Gedanke an ein Aufgeben wird durch Halmichs motivierende Stimme sofort vertrieben: "Immer weiter!", ruft sie. "Ihr schafft das. Ihr seid Fußballerinnen!"

Rhythmisches Aufwärmen geht in dynamische Kniebeugen über. Den kräftezehrenden Liegestützen folgen anstrengende Sit-ups. Ob Bauch-, Bein- oder Rückenmuskulatur - Halmich lässt bei ihrem selbst zusammengestellten Trainingsplan keine Körperpartie aus. Zum Erholen lockert die 41-Jährige das Workout mit kurzen Boxbewegungen auf. Unterstützt werden die Sportlerinnen von Halmichs Chihuahua-Dame Gini, die sich vom Spielfeldrand kurzerhand zu den Frauen auf den Rasen gesellt. "Das gefällt ihr, Gini ist der Boss im Training", meint ihr Frauchen und lacht laut auf.

Trainer Rubertino, der das einstündige Training der besonderen Art organisiert hat, steht nur schelmisch grinsend daneben, während seine Mannschaft an ihre Grenzen geht. Die Überraschung ist ihm sichtlich gelungen. "Die Vorbereitung auf die neue Saison ist eine harte Zeit, da ist man als Spielerin froh über Abwechslung. Die haben die Mädels heute bekommen", so Rubertino, der dieses Jahr den Trainerposten beim 1. SV Mörsch übernommen hat. Er ist sich sicher, dass die ehemalige Box-Weltmeisterin seiner Mannschaft noch einen Extraschub an Motivation für die anstehende Saison mitgeben kann.

Und auch Halmich zeigt sich zuversichtlich: Im Sport zähle in erster Linie der Wille. "Und der war bei den Frauen definitiv da", lobt die Boxerin die Mannschaft. Worte, die nicht nur den Trainer mit Stolz erfüllen, sondern auch jede Einzelne im Team. "Es war extrem anstrengend", sagt Heitz - noch immer nach Luft schnappend - direkt nach dem Training. "Zwischendurch haben wir kurz geschwächelt, aber wir haben alle durchgehalten. Das fühlt sich gut an." Dieses Erfolgsgefühl ist auch ihren Mannschaftskolleginnen anzusehen. Schmerzerfüllte Gesichter während der letzten acht Beinübungen weichen zunehmend einem breiten Grinsen.

Dass Halmich trotz ihrer zahlreichen sportlichen Erfolge kein bisschen abgehoben ist, schätzt Rubertino ganz besonders an ihr. Gemeinsam mit Hundedame Gini auf dem Arm nimmt sich die Ex-Weltmeisterin auch nach dem Training noch ausreichend Zeit für Bilder und Plaudereien mit den Frauen. An den Muskelkater, der bald folgen wird, denkt in diesem Moment keiner mehr.

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