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Radfahren in der Sauna für die "finale Endstufe"
11.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Janina Fortenbacher

Brütende Mittagshitze am Pier von Oceanside. Auf dem großen Parkplatz, den sonst die Strandbesucher nutzen, macht sich Tobias Bailer gemeinsam mit seinen drei Teamkollegen für das anstehende Abenteuer bereit: In wenigen Sekunden geht er beim härtesten Radrennen der Welt an den Start - dem Race Across America. Dabei fährt er von der West- an die Ostküste der USA. Während die Sonne auf den Sattel seines Rennrads knallt, wagt er noch einen letzten, einen prüfenden Blick zu seiner Frau, die ihn mit acht weiteren Crew-Mitgliedern in den kommenden Tagen begleiten wird. Dann wischt er sich Schweißperlen von der Stirn und wartet gespannt auf das Startsignal. Es ist heiß im San Diego Country - doch es wird noch heißer.

So oder so ähnlich stellt sich Tobias Bailer den Tag vor, den er schon jetzt fett in seinem Terminkalender markiert hat und auf den er schon so lange hinfiebert: Im Juni 2019 ist es soweit. Dann startet der Ottersdorfer, der jetzt in Baden-Baden lebt, mit seinem Team beim Race Across America (RAAM) in Kalifornien. Von dort aus geht es durch vier Zeitzonen und mehrere Klimazonen quer durch Amerika. Von extrem heißen und trockenen Wüstendurchquerungen, über das schwüle Klima am Mississippi bis hin zu eisigen Temperaturen in den Rocky Mountains und heftigen Gewittern bietet der Wettbewerb all das, was man aus spannenden Abenteuerfilmen kennt.

Insgesamt muss das vierköpfige Team, bestehend aus zwei deutschen und zwei Schweizer Fahrern, rund 4800 Kilometer und 50000 Höhenmeter auf dem Rad bestreiten - und das alles in gerade einmal neun Tagen. Warum nimmt ein Mensch freiwillig solche Strapazen auf sich? "Weil's geil ist", gibt Bailer ohne lange zu überlegen preis und schmunzelt.

Ständige Suche nach Herausforderungen

Den Radsport hat er vor zwölf Jahren für sich entdeckt. Bei seinem Heimatverein, der RSG Ried Rastatt, fand er Freunde, die seine Leidenschaft teilen. Davor hatte Bailer 15 Jahre lang ambitioniert Tennis gespielt, doch weil er sich zum vierten Mal einer Knieoperation unterziehen musste, hatte ihm sein Arzt damals eine andere Sportart empfohlen. "Daraufhin kaufte ich mir ein Rennrad", erinnert sich Bailer an seine Anfänge. Was zunächst nur ein eher unspektakuläres Hobby war, nahm schon bald extreme sportliche Ausmaße an: "Nachdem ich 2010 zum ersten Mal beim Öztaler Radmarathon in Österreich teilgenommen hatte, wollte ich immer mehr."

Was manch einer mit Höllenqualen vergleicht, ist für den 45-Jährigen "die finale Endstufe". Als Extremsportler sei er ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen, da sei das RAAM so etwas wie die "Goldmedaille", fügt er hinzu. "Viel mehr gibt es nicht mehr. Dieses Straßenrennen ist das härteste der Welt. Die höchste Stufe wäre nur noch, es als Solofahrer zu bestreiten" - ein Ziel, das Bailer irgendwann auch angehen will.

Doch dafür ist es noch zu früh. Zunächst will der Ottersdorfer das Rennen mit seinen Teamkollegen Thomas Göpfert, Patrick Eichenberger und Mario Müller bestehen und dafür ist vor allem eines erforderlich: Jeder Einzelne muss dazu bereit sein, seine eigenen Interessen und Bedürfnisse hintanstellen. Alle vier Fahrer und die neun Crew-Mitglieder - darunter Ärzte, Mechaniker und ein Kameramann - müssen als Einheit funktionieren. "Bei 13 Leuten, die sich neun Tage lang auf engstem Raum ein Wohnmobil teilen, kann das schwierig werden", weiß Bailer. Er selbst war bereits 2016 als Crew-Mitglied beim RAAM dabei und kennt die harten Anforderungen deshalb aus eigener Erfahrung. Mit Blick auf sein neues Team ist er aber zuversichtlich: "Wir verstehen uns mehr als gut, bessere Leute könnte ich mir kaum vorstellen".

Ob er damit Recht behält, wird sich in gut einem Jahr zeigen. Eine erste Testprobe für die komplette Mannschaft gibt es aber schon am Mittwoch bei der "Tortour", bei der es einmal nonstop 1000 Kilometer durch die Schweiz geht. Dort wird das RAAM-Quartett mit der gesamten Crew teilnehmen. Im Juli konnte Bailer seine Fähigkeiten bereits beim 24-Stunden-Rennen im österreichischen Grieskirchen auf die Probe stellen - mit Erfolg: Zuvor hatte er sich die 600-Kilometer-Marke zum Ziel gesetzt. Diese hat er geknackt. Am Ende standen 602 Kilometer auf dem Tacho.

Um sich selbst fit zu halten, schwingt sich Bailer entweder nach der Arbeit aufs Rad oder er opfert für längere Trainingseinheiten sein Wochenende. Rund 350 Kilometer legt er pro Woche auf seinem Drahtesel zurück. Hinzu kommen Krafttraining und eine gesunde Ernährung. "Je fitter ich mich ganzkörpermäßig fühle, umso besser bin ich", betont er. Dabei genießt Bailer einen - wie er es nennt - ganz besonderen "Luxus": Meine Frau ist Personalcoach und Ernährungsberaterin. Sie unterstützt mich nicht nur beim Training, sondern steht mir auch beim RAAM als Crew-Mitglied zur Seite". Sie sei es auch, die seine Grenzen kennt und einschätzen kann, wann genug ist: "Bei einem Extremsportler bestimmt irgendwann der Kopf über den Körper. Der Körper kann zwar laut ,Stop' rufen, aber wenn du dein Ziel unbedingt erreichen willst, kommt die Einsicht nie", gibt Bailer zu.

Angst vor einer möglichen Extremsituation, in der sein Körper versagen könnte, hat er aber nicht. Es ist eher Respekt - vor der Hitze, vor dem Schlafentzug und vor unvorhersehbaren Dingen. Aus unzähligen Filmen und Büchern, aus denen sich der Sportler im Laufe der Jahre Informationen beschafft hat, weiß er, dass ein Zusammenspiel von Schlafentzug und extremer Hitze bei manchen Fahrern zu Halluzinationen führen kann. Ihm selbst sei das noch nie passiert. Allerdings ist Bailer bisher auch noch keine derart lange Strecke gefahren.

Um seinen Körper bereits jetzt auf die Hitze vorzubereiten, greift er zu außergewöhnlichen Maßnahmen: "Ich werde in der Sauna trainieren", gibt er mit einem schiefen Lächeln preis. Dazu wird das Schwitzbad kurzerhand zu Bailers tropischem Trainingsgelände umfunktioniert. Auf seinem Spinning-Rad tritt er dann so lange in die Pedale, bis ihm die Schweißperlen von der Stirn tropfen - das ist zwar nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was kommendes Jahr im Juni wirklich folgt, doch Bailer träumt schon jetzt vom Startsignal in Kalifornien.

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