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Mit Schlagkraft Richtung Tokio
18.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Janina Fortenbacher

"Achtung, fliegende Bälle", warnt ein Schild am Zaun hinter der Dualen Hochschule in Karlsruhe. Dahinter erstreckt sich eine Grünfläche, die die Größe von rund drei Fußballfeldern einnimmt. Frauen, ausgestattet mit Softballschläger, Lederhandschuh und Schutzhelm, rennen über den Rasen und erinnern an typisch amerikanische College-Szenen. Auf ihren Trikots prangt das Logo der Karlsruhe Cougars - ein Baseball-, Softball- und Cricketclub in der Fächerstadt. Unter ihnen ist auch Lisa Kälblein. Die 25-Jährige rückt sich noch schnell ihr Schweißband zurecht, bevor sie den Ball voller Wucht zu ihrer Mitspielerin schmettert.

Wie durch Zauberhand landet der Lederball, der ungefähr so groß wie eine Orange ist, im Handschuh von Kälbleins Mannschaftskollegin. Unzählige Male trainieren die beiden diesen Wurf. Kälblein geht in die Hocke, atmet tief durch, holt aus und wirft den Ball schwungvoll zu ihrer Teamkollegin. Seit elf Jahren spielt Kälblein Softball bei den Cougars - und seit 2014 auch im Kader der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Jetzt hat sie die Chance, sich für Olympia 2020 zu qualifizieren.

"Beim Softball handelt es sich aber nicht um das in Deutschland bekannte tennisähnliche Strandspiel, das mit einem kleinen, weichen Schaumstoffball gespielt wird", stellt die Sportlerin klar. Vielmehr ist der Ball identisch zum Baseball, nur größer und sogar etwas härter, erklärt sie. Softball ist also eine leicht abgewandelte Form des in den USA weit verbreiteten Baseball-Sports. Bis auf kleine Änderungen, wie etwa die Größe des Balls oder des Spielfelds - beim Softball ist das Feld kleiner - ist der Aufbau der beiden Sportarten gleich.

Bei ihrem Heimatverein hat Kälblein eine ganz besondere Position zu verantworten. Sie ist Pitcher, also die Person in der Mitte des Feldes, die dem Schlagmann des gegnerischen Teams oder dem dahinter sitzenden Catcher (Fänger) ihrer eigenen Mannschaft die Bälle zuwirft. "Pitcher und Catcher sind die Schlüsselpositionen", betont Carmen Thiemecke, die Vorsitzende des Vereins. "Wenn die beiden schlecht sind, kommt kein Spielfluss zustande." Ein guter Pitcher zeichne sich dadurch aus, dass seine Würfe nur schwer zu schlagen sind. Denn sobald der Schlagmann den Ball mit dem Schläger trifft, darf er losrennen. Durch das Ablaufen von Laufmalen (Bases) können die Angreifer Punkte erzielen. Die Verteidiger versuchen, dies zu verhindern, indem sie den geschlagenen Ball abfangen, bevor der Gegner die nächste Base erreicht.

"Im professionellen Spielbetrieb wird Softball, im Gegensatz zum traditionell männerdominierten Baseball, überwiegend von Frauen gespielt", erklärt Kälblein. In Deutschland gibt es nur im Frauenbereich einen organisierten Ligaspielbetrieb. Die höchste Spielklasse ist die Bundesliga, in der auch die Karlsruhe Cougars mitmischen. Besonders viel Anerkennung von der Gesellschaft bekommen in Deutschland aber weder die Bundesligateams noch die Nationalmannschaft, bedauert Thiemecke: "Baseball und Softball sind hier leider längst nicht so populär wie in Amerika oder Kanada."

Starke europäische Konkurrenz

Dass die Sportart von Laien oft als langweilig bezeichnet wird, liege hauptsächlich daran, dass viele die Regeln nicht kennen, meint sie. Die seien im Fußball einfacher zu verstehen. Bei Softball handele es sich um ein Spiel, bei dem es auf Koordination und Spielverständnis ankomme. "Viele wissen gar nicht, was Softball überhaupt ist", weiß Kälblein aus Erfahrung. Umso mehr hofft sie, dass "die amerikanische Sportbegeisterung, die in den vergangenen Jahren nach Deutschland übergeschwappt ist, endlich auch Softball ins Rampenlicht rückt". Als Beispiele führt sie American Football und Eishockey auf - Sportarten, die auch in Europa immer mehr Anhänger finden und medial aufbereitet werden. "Es wäre schön, wenn Baseball bald nachrückt", stimmt ihr Thiemecke zu.

Einen Aufschwung erhoffen sich die beiden auch durch die Olympischen Spiele 2020, bei denen Softball nach zwölf Jahren endlich wieder ausgetragen wird. Ein ganz besonderes Highlight wäre für Kälblein natürlich, selbst bei Olympia antreten zu können. Realistisch betrachtet seien ihre Chancen für eine Teilnahme bei den Spielen aber eher gering. Die Konkurrenz aus dem Ausland sei stark, in Europa befänden sich vor allem die Niederlande und Italien auf dem Vormarsch. Dennoch gibt die junge Frau die Hoffnung nicht auf: "Unser Ziel ist es zunächst, die Qualifikationsspiele erfolgreich zu durchlaufen", so die 25-Jährige.

Die Vorfreude darauf ist schon jetzt groß, doch bei den Cougars schaut man auch mit Sorge auf 2020: "Unsere Trainingsstätte in der Erzbergstraße steht in vier Jahren nicht mehr zur Verfügung", sagt Thiemecke mit gesenktem Kopf. Auf dem Sportgelände soll ein Wohnareal entstehen. Der Verein stehe deshalb bereits seit einiger Zeit mit der Stadt in Kontakt, doch bisher habe man noch kein geeignetes Angebot bekommen. "Es stehen zwar Flächen zur Verfügung, doch die sind meist zu klein", so die Vereinsvorsitzende.

Auch Kälblein hofft, dass sich die Angelegenheit doch noch zum Guten wendet: "Es wäre schade, wenn nach 30 Jahren Vereinsbestehen alles vorbei ist." Vor allem, so Kälblein, weil bei den Cougars viele Spitzensportler zu Hause sind. Eine davon ist Stephanie Küper. Sie ist Trainerin der Jugend-Nationalmannschaft und hat damals das besondere Talent von Kälblein erkannt. "Solche Sportler müssen wir in der Region behalten", meint Thiemecke. Ohne Sportstätte besteht jedoch die Gefahr, dass Talente abwandern. In Mainz stand man einst vor einem ähnlichen Problem. "Dort hat man es gelöst und ein super Stadion gebaut", sagt Kälblein. Heute gehören die Mainzer zu den besten Teams der Liga. Ein Beispiel dafür, dass es funktionieren kann.

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