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Rauschendes Fußballfest ohne Happy End
21.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Hucky Krämer

Es war ein rauschendes Fußballfest, wie man es im Kehler Rheinstadion seit vielen Jahren nicht mehr erlebt hatte. Und dann brach dieses gnadenlose Tor von Mikael Ishak in der 88. Minute wie ein böser Fluch in die zauberhafte Stimmung. Ein Tor, das die Bundesligakicker des 1. FC Nürnberg vor 6000 Zuschauern vor einer Riesenblamage bewahrte. Ein Tor, das die Oberligafußballer des SV Linx um den Lohn ihres leidenschaftlichen Kampfes brachte.

Dabei hatte der Fünftligist an der Sensation mehr als geschnuppert, denn nur eine Minute zuvor hatte SVL-Torjäger Adrian Vollmer den 300000-Euro-Schuss zum 2:1 auf dem Fuß gehabt. Viel bitterer kann man als Underdog aus dem DFB-Pokal eigentlich nicht ausscheiden. Dennoch machten die tapferen Linxer nach dem 1:2 ein Fass auf, um ihr großartiges Spiel des Jahres zu feiern. Alexander Merkel und Co. "crashten" am Abend noch die Hochzeit von Eric Ehle (Spielleiter Senioren), der an diesem denkwürdigen 18.08. 2018 vor den Traualtar trat.

Und welche Duplizität der Ereignisse: Am 13. August 1994 stand der SV Linx ebenfalls in der ersten Runde des DFB-Pokals und spielte ebenfalls in Kehl gegen einen Bundesligisten, den FC Schalke 04. Auch damals verlor man mit 1:2, auch damals fiel der Schalker Siegtreffer unmittelbar mit dem Abpfiff. Der pfiffige Stadionsprecher Reinhold Janz war damals schon am Mikrofon gewesen. "In meinem Alter hätte ich nicht geglaubt, dass ich das noch einmal erleben darf. Es war erneut eine unglückliche Niederlage, die aber als ein fußballerischer Höhepunkt in den Annalen der Vereinschronik eingehen wird", meinte Janz am Samstag sichtlich geschafft, aber voller Stolz.

Voller Stolz war auch Vorstandsmitglied Frank Wendling. "Wichtig ist, dass die Leute gesehen haben, dass ein Dorfverein wie der SV Linx so etwas auf die Beine stellen kann. Ohne die partnerschaftliche Hilfe des Kehler FV hätten wir das allerdings nicht geschafft", meinte Wendling und rechnet finanziell "mit einer dicken schwarzen Null".

Ein enormer Aufwand, der sich gelohnt hat

Der Aufwand war aufgrund der DFB-Auflagen enorm. Oberste Priorität hatte die Sicherheit. Ein Heer von Ordnern, Polizisten und Securityleuten war vor Ort, um die rund 2500 Nürnberger Fans, darunter auch Ultras, im Zaum zu halten. Ausgeschenkt werden durfte nur Leichtbier. Die Club-Fans blieben jedoch friedlich, sorgten dafür im schmucken Rheinstadion mit ihren Fahnen, Trommeln und Schlachtgesängen für eine gigantische Stimmung.

Sicherstellen musste der SV Linx auch eine zweite Stromversorgung, damit in Sachen TV-Übertragung überhaupt nichts passieren kann. Dazu kamen Hebebühnen für die Kameras, Pressetribüne, VIP-Zelt, mobile Klos und so weiter. "Es war ein enormer Aufwand der sich aber gelohnt hat", freute sich Wendling. Ein ganzes Dorf hatte mobil gemacht. Kaum einer aus dem 1200-Seelen-Ort, der nicht direkt oder indirekt an Vorbereitung und Durchführung dieses Fußballfestes beteiligt war.

Claus Haberecht, Ehrenpräsident des Kehler FV, lobte die "schöne Kooperation" zwischen dem KFV und dem SVL. "Trotz aller sportlichen Rivalität haben wir toll zusammengearbeitet. Die Atmosphäre war super, und es hat sich einmal mehr bewahrheitet, dass das Rheinstadion eines der schönsten Stadien in der Region ist", so Haberecht. Ins gleiche Horn blies auch Club-Manager Andreas Bornemann, der einst zusammen mit SVL-Trainer Sascha Reiß beim SC Freiburg gekickt hat: "Tolle Atmosphäre, tolle Organisation und selbst die Linxer Mannschaft hat uns das Leben schwer gemacht. Ich bin heilfroh, dass wir nicht als Verlierer vom Platz gehen mussten."

Marc Schumacher, Vorstand Sport des SV Linx, trauerte zwar den vergebenen Großchancen von Marc Rubio (74.) und Adrian Vollmer (87.) nach, freute sich aber, dass "organisatorisch alles so gut lief". Warmes Bier oder kalte Würste gab's am Samstag jedenfalls nicht. Die Medienvertreter wurden von SVL-Pressewart Dieter Heidt bestens betreut, der aufgrund von Baustellen schwierige Anfahrtsweg zum Rheinstadion war optimal ausgeschildert. Den Ritterschlag gab's von SBFV-Präsident Thomas Schmidt: "Der SV Linx hat den südbadischen Fußball mehr als würdig vertreten." Und der Vereinsvater und Mäzen des SV Linx, Hans Weber, meinte schon vor der Partie, dass man allein "mit dem Double mehr geschafft hat als Bayern".

Alles hat an diesem Samstag gestimmt, nur eben das Ergebnis nicht. Jetzt hat der Fußballalltag die Linxer TV-Stars wieder. Bereits morgen geht's beim SSV Reutlingen um Oberligapunkte, und dieser Kraftakt gegen den Bundesligaaufsteiger hat enorm Körner gekostet. Und das unglückliche Scheitern muss auch erst einmal mental verkraftet werden. "Wir müssen dieses Bonusspiel jetzt ganz schnell aus den Beinen und Köpfen bekommen", machte Schumacher gleich nach dem Abpfiff in Kehl unmissverständlich klar. Vergessen werden Kapitän Norman Riedinger und seine Crew aber dieses Duell fast auf Augenhöhe mit dem Traditionsverein 1. FC Nürnberg freilich nicht.

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