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Von Baden über England in die Pfalz
23.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Peter Putzing

Die Wege, die vom Jugendfußball mitten hinein ins Profigeschäft führen, sind oft verschlungen. Bei Jan-Ole Sievers war dieser Weg sogar sehr verschlungen. Dabei hatte alles durchaus normal begonnen, wurde dann aber zu einer kurvenreichen Fahrt. Der Torhüter wurde in Karlsruhe geboren und landete beinahe logischerweise beim Karlsruher SC. So weit, so normal. Dass er mit 16 Jahren zu einem englischen Profiteam wechselte, dort viel lernte, absolut zufrieden war, und dennoch zwei Jahre danach beim 1. FC Kaiserslautern landete, ist indes ungewöhnlich.

Der Reihe nach: Tim Walter, inzwischen Chefcoach beim Zweitligisten Holstein Kiel, war damals Sievers Trainer im Wildpark. "Ein zurückhaltender, aber ehrgeiziger Junge, gut erzogen. Auf dem Platz: immer mit hundertprozentiger Einstellung", erinnert sich Walter an seinen Schützling von damals. Besonders ein Ereignis ist bei ihm haften geblieben: "Ole hätte mir fast mal den Kopf weggeschossen. In der U15 war das, als wir im Winter auf engem Raum gespielt haben." Ex-KSC-Profi Marcel Mehlem, damals Sievers U-15-Mannschaftskamerad, erzählt die Geschichte freilich etwas anders - und schmunzelnd: "Jan- Ole hielt den Kasten immer ohne Rücksicht auf Verluste sauber. Tim Walter hat mitgespielt - bis er im Luftzweikampf von Jan-Oles Fäusten auf die Bretter geschickt wurde. Daraufhin hat er das Training abgebrochen."

Bald danach, mit 16 Jahren, packte Sievers das Fernweh und es zog ihn auf die Insel. Er wollte Neues kennenlernen, besser werden. Ein Scout der Bolton Wanderes hatte ihn entdeckt - und lotste ihn schließlich zum englischen Traditionsverein, im August 2011 unterschrieb Sievers einen Vertrag über zwei Jahre.

Glanz und Glamour der Premier League? Fehlanzeige! "Das gab's da nicht", erinnert sich Sievers. Ziemlich harte Arbeit in einem ziemlich tristen Umfeld war stattdessen angesagt. Obwohl Sievers hin und wieder bei den Profis mittrainieren durfte und ordentliche Perspektiven hatte, wechselte er nach zwei Jahren England zurück in die Heimat. Der KSC hatte Interesse, wollte ihn verpflichten, doch Sievers, dessen Eltern in Ettlingen wohnen, entschied sich für den 1. FC Kaiserslautern. "Das Paket aus Lautern hat besser gepasst. Das Internat war prima, die Nähe zu Karlsruhe zudem gut", erzählt er.

Um so mehr fiebert der mittlerweile 23-Jährige nun der Partie am Samstag (14 Uhr/live im SWR) gegen seinen Ex-Club entgegen. "Das Spiel gegen den KSC ist natürlich etwas Besonderes. Gegen den alten Verein in einem Derby zu spielen, das ist richtig geil", sagt der 189 Zentimeter große und 81 Kilo schwere Keeper. Dem Spiel blickt er zuversichtlich entgegen: "Ich gehe davon aus, dass wir gewinnen", sagt er. Denn: "Der KSC hat viele Abgänge und muss sich auch noch finden."

Den bisher eher durchwachsenen Saisonverlauf seines FCK analysiert er indes so: "Der Start war gut, aber dass wir dann in der englischen Woche so einbrechen, das war schlimm. Und die zwei späten Freistoßtore gegen Preußen Münster, die waren bitter." Das Ziel sei dessen ungeachtet jedoch klar: "Aufstieg. Das will doch jeder Verein, der aus der zweiten Liga runter muss. Am besten gehen wir direkt hoch, ohne Relegation. Aber wenn es sein muss, nehmen wir auch diesen Umweg", sagt Sievers. Wichtig sei nur, "dass wir am Ende unter den ersten drei Teams sind."

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