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"Eine Tortur mit Höhen und Tiefen"
'Eine Tortur mit Höhen und Tiefen'
25.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Carl Dohmann

Es war heiß, unmenschlich heiß. Der Baden-Badener Geher Carl Dohmann (Foto: dpa) ließ sich von der Hitze den Schneid freilich nicht abkaufen. Bei der Leichtathletik-Europaneisterschaft in Berlin wurde der 28-Jährige Fünfter über 50 Kilometer Gehen. Hier schildert er, wie er die Schinderei erlebt hat.

In dem Moment, in dem ich meine Sonnenbrille hochschiebe und meine Hand zum Gruß hebe, verspüre ich vor allem: Dankbarkeit - und zwar für die vergangenen Stunden, in denen die Zuschauer mich ermuntert und nach vorne getrieben haben. Für Freude über meinen fünften Platz ist in diesem Moment hingegen noch kein Platz. Ich bin einfach nur froh, dass es vorbei ist.

Mein Gang über 50 Kilometer bei der Europameisterschaft in Berlin war eine Tortur mit Höhen und Tiefen. Klar: Jeder extreme Ausdauerwettkampf ist eine Qual. Doch dieser war wirklich außergewöhnlich, weil die Wetterbedingungen selbst die erfahrensten Athleten überfordert haben. Auf 36 Grad im Schatten war das Thermometer geklettert, Schatten hatten wir im Wettkampf allerdings nur wenig.

Das Rennen brach jedenfalls so manche Gewohnheit. Schon vor dem Start um 8.35 Uhr kühlten wir uns mit Eiswürfeln, nach zwei Kilometern tranken wir bereits. Wasser, Schwämme - jede Gelegenheit an der Strecke nutzten wir, um uns zu kühlen. Nur die Duschen am Rand mied ich ab und zu, weil die Schuhe sich darunter schnell mit Wasser vollsogen.

Taktisch hielt ich mich an das, was ich mit meinem Trainer Robert Ihly besprochen hatte: Eine gute Gruppe suchen, aber nicht die Spitzengruppe. Ich ging also am Anfang von Gruppe zwei.

Die Rundenzeiten waren langsam, überraschend langsam. Meine Gruppe ging auf eine Zeit über 3:50 Stunden an, doch der Rückstand zur Spitze war nach der halben Strecke dennoch nicht einmal eine Minute. Es wurde sichtbar, dass selbst die besten Geher mit der Hitze so ihre Probleme hatten. Die Folge: Einer nach dem anderen fiel aus der Spitzengruppe zurück. Stattdessen schlug nun die Stunde von zwei Osteuropäern: Erst der Weißrusse Dziubin und dann der Ukrainer Zakalnytskyy wagten einen Antritt aus meiner Gruppe heraus. "Lass ihn gehen", sagte mein Trainer, als Dziubin anzog. Es war noch zu früh im Rennen. Nur wenige Momente später lag der Ukrainer in Führung - vor Olympiasieger Toth aus der Slowakei, der als großer Favorit galt.

Ich ließ mir nach 32 Kilometern eine neue Schirmmütze mit Eiswürfeln darunter geben. Den Rückstand begann ich nun langsam zu verkürzen. Nach etwa 35 Kilometern war ich schon auf Platz fünf. War heute sogar eine Medaille drin? Ich wollte es zumindest versuchen. Keine 40 Sekunden waren es noch bis zum Drittplatzierten. Über dem Asphalt wurden nun Temperaturen bis 45 Grad gemessen. Es wurde abartig. Keine Kühlung schien mehr auszureichen. Und vor mir kam Toth immer näher. Es war die Hoffnung, dass ein Sieg gegen den Olympiasieger möglich schien, die mich bei Kräften hielt. Und dann wären nur noch drei vor mir...

Es sollte nicht sein. Toth machte seine Sache gut, er sammelte sich und ging noch auf den zweiten Platz. Zakalnytskyy, Toth, Dziubin und der Norweger Haukenes, das wurden die ersten vier. Mit Platz fünf konnte ich letztlich sehr zufrieden sein, mein Trainingspartner Nathaniel Seiler lieferte als Achter ebenfalls eine Topleistung ab.

Am Ende sagte der Stadionsprecher etwas wie: "Carl Dohmann wird sich jetzt von Ihnen verabschieden." Also gut: Ich richte Grüße an die Zuschauer und werfe ihnen Handküsschen zu. Ins Ziel komme ich mit einer Zeit von 3:50:27 Stunden. Ich bin vor drei Jahren schon schneller gegangen. Doch die Hitze hat ihre eigenen Gesetze geschrieben. Und Platz fünf bei der EM macht mich mehr als zufrieden.

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