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Chancenwucher und Abgezocktheit
27.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Michael Ihringer

Im Fußball wird heutzutage so gut wie alles reglementiert. Doch für dieses eine Szenario, das die Wogen im Freiburger Schwarzwaldstadion zum Bundesliga-Saisonstart hochschlagen ließ, gibt es noch keine eiserne Regel, eben nur ein inoffizielles "Gentleman's Agreement". Und nicht jeder im harten Profigeschäft ist ein Gentleman, der Niederländer Jetro Willems in Diensten von Eintracht Frankfurt zählt eher zur Kategorie abgezockter Opportunist.

Beim 2:0-Auswärtssieg des Pokalsiegers spielte Willems beim Einwurf den Ball nicht einem Freiburger zurück - SC-Verteidiger Stenzel spitzelte Selbigen ins Aus, nachdem sich Frankfurts Torro verletzt auf dem Rasen gekrümmt hatte und dessen Torwart Rönnow das Leder nicht über die Seitenauslinie brachte -, sondern initiierte einen blitzschnellen Konter, den der blitzgefährliche französische Stürmer Haller zum entscheidenden zweiten Tor abschloss (82.). Im Stadion schlugen die Funken. Während SC-Stürmer Niederlechner die Aktion als "nicht fair" einstufte, deutete Teamkollege Höfler mit seinem Statement an, dass den furios gestarteten, forsch mitspielenden und die Mehrzahl an Chancen kreierenden Südbadenern am verregneten Samstag schlicht die Cleverness der Hessen abging: "Ein stückweit waren wir zu naiv, das haben wir uns selbst zuzuschreiben."

In allen hernach ausgespuckten Statistiken lag Freiburg vorne, nur in einer nicht: 22 Torschüsse - null Ertrag. "Manchmal kannst du noch Stunden spielen, und es passiert nichts", bilanzierte Mike Frantz den 18. Saisonauftakt in Folge ohne Erfolgserlebnis. Die drei Neuzugänge Heintz, Waldschmidt und Gondorf agierten allesamt durchaus gefällig, doch gerade Letzterer stand für die zweite unglückliche Szene der Gastgeber, die diese gefällige Partie zugunsten der Gäste entschied. Statt in aussichtsreicher Position allein auf den neuen dänischen Eintracht-Schlussmann Rönnow loszustürmen, entschied sich Gondorf auf ein Zuspiel des knapp im Abseits postierten Niederlechner (48.). "Ich muss da vielleicht egoistischer sein", bekannte der Neue. Niederlechner selbst und Publikumsliebling Petersen hatten ebenso gute Chancen im Duell SC Deutschland gegen Eintracht Multikulti verstreichen lassen. Während die Südbadener elf Deutsche in der Startformation aufboten, waren es auf Seiten der Hessen gerade mal zwei.

Dass Christian Streich erstmals in seiner Trainerkarriere in Freiburg nicht den gewohnt emotionalen Vorturner an der Seitenlinie markierte, lag an seiner zwickenden Bandscheibe, die ihn auf die heimische Couch zwang. Sein ruhiger Assistent Lars Voßler hätte sich gewiss eine glücklichere Interimspremiere gewünscht, als er feststellte: "Die Partie wurde im Spiel gegen den Ball entschieden. Da haben wir einige einfache Fehler gemacht."

So ließ man die Gäste auch beim Führungstor, das der stets präsente Haller per Hackenablage für Torschütze Müller prima vorbereitete, ungehindert bis in den Strafraum durchkombinieren (10.). Müller jubelte eher verhalten, hatte er sich doch vor genau einem Jahr, damals noch im HSV-Trikot, nach seinem Treffer einen Kreuzbandriss zugezogen. "Ich hatte ein Jahr Zeit mir zu überlegen, was ich beim nächsten Jubel mache", lächelte er.

Der andere Neue auf der Eintracht-Trainerbank war zutiefst erleichtert. Denn nach der Supercup-Watsch'n der Bayern und der Pokal-Blamage beim Viertligisten Ulm wäre es bei einer dritten Pleite für den bereits angeknockten Adi Hütter im nicht leichten Umfeld ungemütlich geworden. "Die drei Punkte waren Balsam auf die Wunden nach der berechtigten Kritik. Als Österreicher das erste Spiel zu gewinnen, ist auch Genugtuung. Die drei Punkte tun uns gut." Mit "uns" meinte er sich selbst.

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