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Schenk zwischen "Hymne und Hölle"
29.08.2018 - 00:00 Uhr
Doping-Beichte und psychische Probleme samt Selbstmordgedanken: Zehnkampf-Olympiasieger Christian Schenk hat erschreckende Einblicke in sein Seelenleben gegeben. Der 53-Jährige hielt sich sogar für den Berlin-Attentäter Anis Amri. 30 Jahre nach seinem Olympia-Gold von Seoul hat Schenk seine Geschichte in der Autobiografie "Riss - mein Leben zwischen Hymne und Hölle" verarbeitet. Der einstige Vorzeige-Athlet litt unter Depressionen und Verfolgungswahn. "Die Depressionen waren so tief gewesen, dass ich sogar daran gedacht habe, meinem Leben ein Ende zu setzen", sagte der Rostocker im Interview mit der "FAZ".

Silvester 2016 war es besonders schlimm. "Ich hielt mich für Anis Amri, den Attentäter vom Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz. Das war für mich der Horror. Ich habe mich vollständig mit ihm identifiziert", berichtete Schenk. Er glaubte, er selbst habe den Lastwagen in den Weihnachtsmarkt gesteuert und die Menschen getötet. "Meine Ärzte und ich haben das bis heute nicht aufklären können", so Schenk. Auch Doping gab Schenk erstmals in aller Offenheit zu. "Ich habe gedopt, und ich wusste, dass ich dope", schreibt der Ex-Sportler in seinem Buch, aus dem die "Sport Bild" zitiert. "Anfangs bestritt ich, jemals verbotene Mittel eingenommen zu haben. Dann legte ich mir die juristisch etwas weichere Antwort zurecht, ich hätte nie wissentlich gedopt. Beides war gelogen", so Schenk.

Erstmals hatte Schenk 1985 im Alter von 20 Jahren gedopt. "Für mich war das wie das Erreichen der nächsten Stufe, fast eine Würdigung. Die Pillen zu bekommen, das bedeutete, dass ich in den Kader aufgenommen war", so Schenk. Der gebürtige Rostocker, der 1990 EM-Dritter wurde, hatte nach eigenen Angaben auch Oral-Turinabol zu sich genommen. Ob es zwischen der Einnahme von Oral-Turinabol und den Depressionen einen direkten Zusammenhang gibt, kann Schenk nicht sagen. "Die Doping-Opfer-Hilfe und deren Vorsitzende Ines Geipel stellen einen Zusammenhang dar von Oral-Turinabol und Depression. Ich kann das von meiner Seite her nicht beweisen", sagte er.

Geipel lobte das Vorgehen. "Dass Christian Schenk sich in seinem Buch zu seiner Doping-Geschichte äußert, ist nur zu begrüßen", sagte die frühere DDR-Sprinterin. Schenk sei noch immer einer der ersten Ost-Stars, dem das gelinge. "Eine Überraschung ist das bei 15000 staatsgedopten DDR-Athleten allerdings nicht", betonte Geipel. Auch Clemens Prokop, Ehrenvorsitzender des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), begrüßte Schenks Geständnis in Sachen Doping. "Das verdient höchsten Respekt", meinte der langjährige DLV-Präsident: "Jede klare Darstellung der Vergangenheit beim Gebrauch von verbotenen Substanzen ist auch ein warnender Hinweis für junge Athleten."

Auch bei aktuellen Athleten fand das Geständnis Anklang. "Ich finde es gut, dass jetzt Sportler der DDR gestehen, dass sie gedopt haben", sagte der aktuelle Zehnkampf-Vizeweltmeister Rico Freimuth und erklärte: "Alle die, die immer noch sagen, sie hätten von nichts gewusst, sind naiv oder haben Angst vor der Wahrheit." Es gab aber auch kritische Stimmen. Zehnkampf-Europameister Arthur Abele kritisierte Schenk sowohl für Doping als auch für dessen spätes Geständnis kritisiert. "Dass er so lange geschwiegen hat, finde ich beschämend. Da hätte er eher mal den Cut machen müssen! Das war ein Riesenfehler von ihm", sagte der 32-Jährige aus Ulm: "Doping ist ein No-go. Das ist illegal, das gehört nicht in den Sport, und das ist unfair gegenüber den sauberen Athleten. Das ist eine absolute Frechheit."(sid)

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