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Löw: "Da war ich fast arrogant"
30.08.2018 - 00:00 Uhr
Deutliche Selbstkritik, aber nur ein Umbruch "light" mit Bauernopfer Sami Khedira: Joachim Löw hat in seiner ausführlichen Analyse des WM-Desasters ungewohnt offen eigene Fehler eingestanden und will mit altem Feuer sowie einer sanft modernisierten Nationalmannschaft zurück an die Weltspitze. "Wir stehen alle unter besonderer Beobachtung und unter besonderem Druck. Aber ich bin überzeugt von unserer Klasse und sicher, dass wir das hinbekommen", sagte der Bundestrainer gestern in München.

Beim Neuanfang nach dem historischen Russland-Debakel mit den Länderspielen gegen Weltmeister Frankreich (6. September in München/Nations League) und drei Tage später gegen Peru in Sinsheim (Test) verzichtet Löw mit Sami Khedira nur auf eine langjährige Säule. Um Kapitän Manuel Neuer stehen noch 17 Spieler im 23-köpfigen Aufgebot, die bei der WM das historische Vorrunden-Aus zu verantworten hatten, darunter sieben Weltmeister von 2014.

"Ich traue den Weltmeistern zu, ihre Leistung wieder abzurufen. Ich weiß, welche Qualität sie haben", sagte Löw, der von einem "guten Mix" aus Erfahrung und jungen, hungrigen Spielern sprach. Zu Letzteren gehören die Neulinge Kai Havertz (Bayer Leverkusen), Thilo Kehrer aus Paris und Nico Schulz (TSG Hoffenheim) sowie Rückkehrer Leroy Sané (Manchester City).

Neben Khedira, der sich über Leistungen wieder empfehlen soll, fehlen die aus der DFB-Elf zurückgetretenen Mario Gomez und Mesut Özil, über dessen Abschied samt Rassismus-Vorwürfen sich Löw "enttäuscht" zeigte. Außerdem verzichtete Löw auf die Russland-Fahrer Kevin Trapp, Marvin Plattenhardt und Sebastian Rudy. Sein bisheriger Assistent Thomas Schneider übernimmt im Rahmen der Verschlankung des "Teams hinter dem Team" die Leitung der Scouting-Abteilung von Urs Siegenthaler, der indes Spiele-Beobachter bleibt.

Löw und DFB-Direktor Oliver Bierhoff sprachen in der Allianz Arena rekordverdächtige 110 Minuten. Beide wirkten mitunter angespannt, das WM-Debakel wirkte nach. Aber, betonte Löw, "wir knicken deswegen nicht ein!" Wie es ihm gehe, neun Wochen nach der Katastrophe von Kasan gegen Südkorea? "Gut, gut", sagte Löw, "oder haben Sie einen anderen Eindruck? Wir sind voller Motivation und schauen positiv nach vorne."

Der Bundestrainer glaubt, die richtigen Lehren aus dem "absoluten Tiefschlag" gezogen zu haben. Seine Mannschaft, aber auch er persönlich hätten es in Russland "verbockt", sagte er. Gespräche mit allen Beteiligten, darunter den Führungsspielern, eine umfassende Datenanalyse und der Vergleich mit den Turnieren 2010 sowie 2014 habe eine Summe an Fehlern ergeben. Sein "allergrößter" sei das Vorhaben gewesen, mit dominantem Ballbesitzfußball durch die Vorrunde kommen zu wollen, räumte Löw ein: "Ich wollte das auf die Spitze treiben, das perfektionieren. Da war ich fast arrogant. Da gibt es nichts zu beschönigen."

Löws "wichtigste Erkenntnis" ist deshalb, dass er die Spielweise der Nationalmannschaft flexibler gestalten muss - nach dem Vorbild Frankreich, wie er betonte, einem "top Auftaktgegner in dieser Situation". Gegen die Equipe tricolore werde seine Auswahl "ganz sicher" auch wieder die Leidenschaft zeigen, die Löw in Russland vermisste. "Wenn wir wieder Feuer bekommen, haben wir ein sehr, sehr gutes Fundament", sagte er. Zumal seine Führungsspieler ausnahmslos "sehr viel Selbstkritik" geübt hätten: "Alle spüren eine Jetzt-erst-recht-Stimmung in sich und wollen das Scheitern ausmerzen."

Das will auch Ilkay Gündogan, den Löw nach "Erdogan-Gate" wieder nominierte. "Ich erwarte und appelliere an die Fans, dass man das ein Stück beiseite legt", sagte Löw, der zugab, die Foto-Affäre um Gündogan und Özil "absolut unterschätzt" zu haben. Özils Rassismus-Vorwurf gegen den DFB wies Löw zurück. Zudem warf er Özil - "einem der besten deutschen Spieler der letzten 20, 30 Jahre" - vor, ihn nicht persönlich über den Rücktritt informiert zu haben.

Dass durch seine Mannschaft wie zuletzt kolportiert ein kultureller Riss geht, will Löw nicht erkennen. Eine "Grüppchenbildung mit Konflikten" könne er "nicht verifizieren". Seinen Führungsstil werde er -anders, als von Rio-Kapitän Philipp Lahm angemahnt - beibehalten, "ich werde mich nicht ändern, ich erreiche die Spieler schon".

Bierhoff widmete sich dem Vorwurf der Entfremdung von der Basis, Löw sagte dazu: "Wir wollen andere Identifikation und Nähe. Das geht nur, wenn die Mannschaft anders auftritt." Ein überarbeiteter Verhaltenskodex soll dabei helfen. Bierhoff, der in Russland "selbstgefälliges Auftreten" beobachtet hatte, mahnte: "Wir müssen den Spagat zwischen Kommerz und ehrlicher Arbeit schaffen."(dpa)

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