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"Was haben wir bloß falsch gemacht?"
Ein Bild aus vergangenen (VFB)-Tagen: Sezer Ergün schnürt mittlerweile seine Kickschuhe für den Nachbarn Spvgg Ottenau. Foto: Vetter
04.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Heiko Borscheid

Auch wenn es über das Telefon nicht zu sehen ist: die Enttäuschung muss Norbert Lais noch immer förmlich im Gesichte stehen. Der Vorsitzende des VFB Gaggenau rätselt, wie das passieren konnte, was in den vergangenen Wochen in seinem Verein vonstatten ging. Der Spielerschwund an Leistungsträgern bei den Murgtälern sucht nämlich seinesgleichen.

Einen Ausgleich findet Lais immerhin im Familienleben. Sein ältester Sohn in Berlin bekam vergangene Woche Nachwuchs von Zwillingen, was den Vereinsfunktionär ein wenige auf andere Gedanken brachte. Allerdings nur ein wenig. Denn selbst in der Bundeshauptstadt grübelt Lais und stellt sich im Gespräch mit dem Badischen Tagblatt die Frage: "Was haben wir bloß falsch gemacht?"

In der vergangenen Saison wurde der VFB Gaggenau Vizemeister in der Kreisliga A, Staffel Nord. Die beiden Aufstiegsspiele gegen den SV Sasbachwalden gingen verloren, und die Verantwortlichen wie auch die Mannschaft sagten sich daraufhin: "Dann schaffen wir es eben in der kommenden Runde!"

"Mit diesem Ziel sind wir in die Vorbereitung gestartet", sagt Lais. Aufkommende Gerüchte, dass Torjäger Thorsten Kratzmann im Winter den VFB Richtung Haueneberstein verlassen könnte, dementierte Trainer Rolf Krieg noch kurz vor Rundenstart. Ein Trugschluss, wie sich wenige Tage später bereits zeigen sollte - Kratzmann ging nämlich sofort und wartete nicht erst bis zur Winterpause. "Dabei haben wir mit ihm gute Gespräche geführt und - weil er ein verdienter Spieler und kein Unsympath ist - ihm sogar schriftlich zugesagt, dass er uns in der Winterpause zu vereinfachten Bedingungen verlassen darf. Wir hätten ihn so lange gut gebrauchen können", schildert Lais. Ob er seine Meinung mittlerweile geändert hat? Kann sein. Im Wochenjournal des BT äußerte der neue Spielertrainer des FV Haueneberstein nämlich fehlende Wertschätzung in Gaggenau gegenüber seiner Person.

Kratzmann war aber nicht der erste Leistungsträger, der die Murgtäler verließ. "Angefangen hat es eigentlich mit Jean Claude Sewonou, der uns am letzten Tag der regulären Wechselfrist in Richtung Loffenau verließ", sagt der Vorstand und der Trainer ergänzt: "Klar waren da bereits die Wechsel von Dennis Moritz und Gregory Schmidt zum RSC/DJK, was allerdings offen und fair über die Bühne ging."

Doch das war erst der Anfang. Der Wochentag Dienstag wird wohl in Zukunft beim VFB Gaggenau aus dem Kalender gestrichen werden. Der Weggang Kratzmanns wurde an eben diesem Tag spruchreif. "Genau eine Woche darauf kommt Knall auf Fall Sezer Ergün zu uns und verkündet seinen Wechsel zur Spvgg Ottenau", berichten Lais und Krieg noch immer konsterniert. Lais: "Ausgerechnet Sezer, der kurze Zeit zuvor noch einen Kinderspielplatz im Traischbachstadion angeregt hatte." Verärgert ist der VFB-Vorsitzende darüber, dass der Landesliga-Nachbar offensichtlich noch nach einem weiteren Spieler die Finger ausgestreckt hatte. "Das macht man nicht", so seine Ansage, "ich bin Mitglied bei der Sportvereinigung Ottenau, aber das werde ich wohl die längste Zeit gewesen sein."

Weiter im Reigen der Abgänge ging es - wie sollte es anders sein - an einem Dienstag. "Als ich auf den Parkplatz fuhr, sah ich dort bereits Goran Dragojevic stehen und fragte ihn noch im Spaß ,Und Goran, wo gehst Du hin?'", schildert Rolf Krieg. Die Antwort war eindeutig - Dragojevic spielt mittlerweile für den FV Baden-Oos. "Und dabei haben wir ihm noch kurz zuvor einen schnellen Termin in der Arcus-Klinik besorgt", ergänzt Lais.

Und wer geglaubt hat, das sollte es gewesen sein, der wurde - ausnahmsweise nicht an einem Dienstag - eines besseren belehrt. Kurz vor Ende der Vertragsamateur-Wechselfrist meldete sich Torhüter Maximilian Bachmaier ab. "Alle Spieler stellten uns vor vollendete Tatsachen. Keiner hat im Vorfeld mit uns gesprochen", macht Norbert Lais keinen Hehl aus seiner Enttäuschung. "Wir haben keinem etwas getan, wir sind viel zu brav", sagt er auf Nachfrage nach den Gründen für die Wechselflut.

Seinen jüngeren Sohn Philipp, der erst zu dieser Saison aus Elchesheim gekommen war, konnte und wollte der Vereinschef dann auch nicht mehr halten. Das Korsett des A-Ligisten war zu diesem Zeitpunkt bereits zu klein - Lais junior wechselte zurück zum Landesligisten Rot-Weiß.

Sowohl Kratzmann als auch Ergün, Dragojevic, Bachmaier und Lais haben bei ihren neuen Vereinen einen Kontrakt als Vertragsamateur unterschrieben und können sich über ein paar Euro Zusatzeinnahmen freuen, die sie allerdings auch in Gaggenau bekamen. "Der Verein, der sagt, bei ihm bekäme keiner Geld, der führt einen doch nur an der Nase herum", sagt Lais.

Von Spielerseiten ist zu hören, dass der VFB Gaggenau über keinerlei Strukturen verfüge und der Verein lediglich aus den vier Machern Lais, dem zweiten Vorsitzenden Franck Kurreck und den Trainern Hinh Ung und Krieg bestehe. Über Letzteren gibt es im Übrigen nur Gutes zu hören: "Der Rolf Krieg ist klasse, der steckt da so viel Herzblut rein", äußern sich zwei Ex-Spieler. Genutzt hat es allerdings nichts - die Mannschaft ist auseinandergebrochen.

"Wir haben uns letzte Woche zusammengesetzt und sind zu dem Schluss gekommen ,Jetzt erst recht!'", sagen Lais und Krieg, der ergänzt: "Ich mache das für die Jungs, die noch da sind", und erwähnt, dass er eigentlich zurücktreten wollte. "Ich laufe jetzt aber nicht auch noch davon."

Auf den VFB Gaggenau kommen jedenfalls - mal wieder -schwere Zeiten zu, was Großvater Lais am Ende dann doch mit etwas Humor nimmt. "Ich habe schon immer gesagt, es gibt drei Arten von Menschen: Männer, Frauen und Fußballer."

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