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Wie vor 30 Jahren
04.09.2018 - 00:00 Uhr
Schon nach wenigen Minuten im Trikot von Schalke 04 war Sebastian Rudy entnervt. "Er kam raus und hat gesagt: Selbst wenn ich auf die Toilette gehe, kommt einer mit", berichtete Trainer Domenico Tedesco nach der ernüchternden 0:2 (0:1)-Heimpleite gegen Hertha BSC. Eine Taktik aus der Fußball-Mottenkiste hatte nicht nur den Nationalspieler und neuen Chef im Mittelfeld bei den Königsblauen ausgebremst, sondern auch das Konzept des Überfliegers an der Seitenlinie über den Haufen geworfen.

"Eine klassische Methode von vor 20, 30 Jahren", nannte Hertha-Coach Pal Dardai breit grinsend die Manndeckung für Schalkes Königstransfer, die beim Vizemeister quasi den Stecker zog. Der Stromausfall in der Zentrale führte zum Systemabsturz. Und Taktik-Fuchs Tedesco, der die Gelsenkirchener in der vergangenen Saison völlig überraschend als Tabellenzweiter zurück in die Champions League geführt hatte, wirkte ratlos.

Statt Lobeshymnen von allen Seiten und Schulterklopfern allerorten sieht sich der 32-Jährige nach dem kapitalen Fehlstart plötzlich völlig neuen Herausforderungen gegenüber. Die Euphorie bröckelte schon, erste Pfiffe waren nicht zu überhören, Verweise auf seinen Vorgänger Markus Weinzierl und dessen Saisonauftakt mit fünf Niederlagen machten die Runde.

Tedesco, der erstmals seit fast einem Jahr zwei Spiele in Folge mit Schalke verlor, reagierte mit einem Schritt zurück: Schalke soll wieder dem Gegner den Ball überlassen. "55 Prozent Ballbesitz bringen wenig", stellte der Coach fest und führte aus: "Die Mannschaft, die mehr Ballbesitz hat, hat immer das größere Risiko, den Ball zu verlieren und Konter zu fressen."

Das Risiko minimieren, gegen den Ball statt mit dem Ball spielen - seine Mannschaft soll wieder das machen, was sie in der Vorsaison perfektionierte, ihr aber viel Kritik einbrachte. "Wir müssen an dem arbeiten, was wir können", sagte Tedesco, "was wir nicht können, werden wir lassen."

Was Schalke fehlt, war schon am Samstagabend zu beobachten gewesen: Leon Goretzka hatte bei seinem Startelf-Debüt beim Rekordmeister Bayern München seine Stärken eindrucksvoll bewiesen, seine Dynamik und Durchsetzungsfähigkeit gingen dem Schalker Mittelfeld 24 Stunden später völlig ab. Auf den ablösefreien Weggang des Nationalspielers angesprochen, musste Sportvorstand Christian Heidel "fast ein wenig lachen". Er wisse noch genau, "wie viele Leute über die Rückrunde von Leon Goretzka geschimpft haben, die er hier gespielt hat".

Auch U-21-Europameister Max Meyer, der als Ballverteiler auf der Sechs das Schalker Spiel geordnet hatte, vermisste der Manager nicht. "Das hat doch nichts damit zu tun, dass jetzt Spieler weg sind", meinte Heidel. Es werde jetzt "keine Panik ausbrechen". Tedesco wisse "ganz genau, wo er ansetzen soll". Er habe "im letzten Jahr ja auch Lösungen" gehabt. Der neue Plan: Der nächste Schritt ist ein Schritt zurück. (dpa)

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