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Spielmacher gesucht
05.09.2018 - 00:00 Uhr
Marco Reus war gerade erst im Kreise der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in München angekommen, da meldete er auch schon seinen Anspruch auf das Erbe von Mesut Özil an. "Ich mach' kein Hehl daraus, dass ich gerne auf der Zehn spiele", sagte der Dortmunder.

Tatsächlich dürfte Reus die besten Karten haben, wenn Joachim Löw beim Neustart morgen (20.45 Uhr/ZDF) in der Nations League gegen Weltmeister Frankreich einen Nachfolger für seinen geräuschvoll zurückgetretenen, langjährigen Lieblingsschüler Özil sucht. Als der Bundestrainer in Russland gegen Schweden (2:1) erstmals seit 2008 bei EM oder WM auf Özil verzichtete, durfte Reus ran - und überzeugte.

Auch im letzten WM-Test gegen Saudi-Arabien, den Özil angeschlagen verpasst hatte, war Reus für Löw der logische Ersatz. "Marco ist eine Rakete", sagte er über den 29-Jährigen, dessen DFB-Karriere aufgrund von Verletzungen bisher noch nicht so richtig in Schwung gekommen ist.

Die prestigeträchtige "10", die zuletzt Özil getragen hatte, erhielt jedoch Julian Brandt. "Aber ich hatte da wenig Mitspracherecht", sagte der Leverkusener gestern schmunzelnd: "Ich wurde gefragt und habe dankend angenommen." Die "10" sei nicht nur eine Zahl, betonte der 22-Jährige, "das ist eine Nummer mit viel Bedeutung. Ich versuche, da hineinzuwachsen." Breite Schultern habe er ja, witzelte Brandt, "ich passe da rein".

Großer Kandidatenkreis

Reus oder Brandt? Wer etwas weiter zurückblickt, der erkennt, dass der Kandidatenkreis weit größer ist. "Wir haben viele Spielertypen, die auf dieser Position spielen können", sagte Thomas Müller, "jeder hat ein eigenes Profil." Im März gegen Brasilien (0:1) gab Julian Draxler den Regisseur, zum Abschluss der WM-Qualifikation im Oktober 2017 in Nordirland (3:1) und gegen Aserbaidschan (5:1) füllte Müller die zentrale Rolle aus. Mit Neuling Kai Havertz, einem gelernten Spielmacher, berief Löw einen Mann mit Zukunft in der Mittelfeldzentrale.

Bei der Suche nach dem neuen Özil kommen System und Spielweise eine Schlüsselrolle zu. "Je nach Gegner und dem, was der Trainer vorhat, gibt es eine Paradebesetzung", sagte Müller. Löw sieht es als "wichtigste Erkenntnis" der WM-Pleite, "dass wir unsere Spielweise adaptieren müssen". Flexibler, variabler, stabiler soll sein Team agieren, Ballbesitz nicht mehr das allein selig machende Mittel sein. Dazu sollen die Stars wieder deutlich schneller und vor allem häufiger in die Tiefe passen.

Löws Vorbild Frankreich verkörpert diese Eigenschaften - und verzichtet dabei auf einen klassischen Zehner. Im von Löw bisher bevorzugten 4-2-3-1 oder einem 4-3-3 ist dieser vorgesehen. Setzt er auf ein 3-4-3 oder 4-4-2, könnte er auf einen Regisseur verzichten. Dann würden sich im Zentrum neben dem gesetzten Toni Kroos der Neu-Münchner Leon Goretzka oder Ilkay Gündogan (Man City) anbieten.

Dass Löw letztere Variante künftig häufiger wählen könnte, deutete Müller an. Gleich im ersten Training am Montag habe der Bundestrainer defensives Umschaltspiel üben lassen. "Da ging es darum, mit vollem Einsatz, komme was wolle, das Tor zu verteidigen. Das war ein kleiner Fingerzeig, dass wir den Fokus wieder ein bisschen verschieben wollen", sagte Müller. Einen "Özil" braucht es dafür nicht. (sid)

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