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Schlimme Befürchtungen bewahrheiten sich
08.09.2018 - 00:00 Uhr
Die schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden, die weltbeste Bahnradsportlerin Kristina Vogel ist querschnittsgelähmt. Gut zehn Wochen nach dem fürchterlichen Trainingsunfall auf der Betonbahn in Cottbus hat die 27-Jährige ihre schwere Verletzung publik gemacht. "Es ist scheiße, das kann man nicht anders sagen. Egal wie man es verpackt, ich kann nicht mehr laufen", sagt die 27-Jährige im Interview des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Die zweimalige Olympiasiegerin und elfmalige Weltmeisterin hatte die folgenschwere Verletzung am 26. Juni bei einem Trainingssturz auf der Radrennbahn in Cottbus erlitten. Mit Tempo 60 war sie in einen niederländischen Nachwuchsfahrer gerauscht.

Schon auf der Bahn war ihr die Schwere der Verletzung bewusst geworden, als sie in den Beinen nichts mehr gespürt habe. "Da war mir sofort klar, das war's. Jetzt bin ich querschnittgelähmt, das mit dem Laufen wird nichts mehr", berichtet Vogel von ihren ersten Erinnerungen an den Unfall. Was folgte, waren mehrere Operationen im Unfall-Krankenhaus Berlin-Marzahn, dazu eine heftige Lungenentzündung, mehrfach wurde sie ins künstliche Koma versetzt. "Ich hatte Schmerzen, dafür gibt es keine Worte", erinnert sich Vogel, deren Rückenmark ab dem siebten Brustwirbel durchtrennt ist. "Auf den ersten Röntgenbildern sieht meine Wirbelsäule aus wie ein Ikea-Klapptisch", sagt die Erfurterin gar scherzhaft.

Aufgeben war aber keine Option für sie: "Ich dachte zwischendrin wirklich, dass ich sterbe. Aber ich habe mir gesagt: Ich darf hier jetzt nicht loslassen." Dem deutschen Bahnradsport-Team wird Vogel fehlen - nicht nur als Medaillengarantin, sondern auch als Stimmungskanone, die immer einen fröhlichen Spruch auf den Lippen hatte. Lockerheit, die ihr sogar nach dem Schicksalsschlag nicht verloren gegangen ist. "Jetzt bin ich so weit, dass ich sagen kann: Hier bin ich, und mir geht es gut. Ich bin noch da und immer noch dieselbe verrückte Nudel", sagt Vogel, die Motivation für andere sein möchte. "Egal, was das Schicksal für einen bereithält, das Leben geht weiter, in meinem Fall nun auf vier Rollen statt auf zwei Rädern. Meine Arme sind jetzt halt auch meine Beine." Die Frage "Warum ich?" bringe sie nicht weiter.

Sportdirektor Patrick Moster: "Der Verband wird Kristina Vogel jede Hilfe zukommen lassen, die sie jetzt braucht." Ihr Chemnitzer Erdgas-Team hatte nach dem Unfall eine Spendenaktion unter dem Motto #staystrongkristina ins Leben gerufen, bei der bereits rund 120000 Euro zusammengekommen sind. Das Geld wird ihrer Familie - Vogel ist mit dem früheren Bahnrad-Europameister Michael Seidenbecher liiert - zur Verfügung gestellt. Vogel ist überwältigt von der Unterstützung: "Als ich dann aber verstanden habe, was da draußen passiert - der Hammer. Zu merken, wie wichtig man für die Leute ist, wie viel Anteil sie genommen haben." Das Geld könne sie gut gebrauchen, für ein Spezialauto etwa oder "einen geilen Rollstuhl mit Carbonfelgen".

Es war nicht der erste schlimme Unfall für Vogel, bereits 2009 hatte sie einen Trainingssturz. Der damals 18-Jährigen hatte ein Kleinbus die Vorfahrt genommen. Vogel flog mit Tempo 50 durch die Heckscheibe, lag zwei Tage im Koma, erlitt zahlreiche Brüche am Brustwirbel, an der Hand, am Arm, am Kiefer. Es folgten unzählige Operationen. Noch liegt sie weiter im Krankenhaus. Ihr Ziel ist es, bis Jahresende wieder nach Hause zu kommen. "Ich hatte mein ganzes Leben lang Fünfjahrespläne. Zum ersten Mal habe ich keinen."(dpa)

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