http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
Paddel, Brett - und die richtige Balance
08.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Janina Fortenbacher

Ganz still liegt er da, der Kernsee an der Staustufe in Iffezheim. Stolz ragt die abgewetzte Fahne des Windsurfclubs in den blauen, wolkenlosen Himmel. Hier und da sind bunte Sonnenschirme aufgespannt, unter denen sich einige Besucher vor der heißen Sonne schützen. Hin und wieder ist ein Hundebellen zu vernehmen - ansonsten ist es ruhig. Eigentlich ganz idyllisch hier, denke ich, während mein Blick über die Wasserfläche schweift. Doch das ist nur die Ruhe vor dem Sturm, denn gleich werde ich mich - ausgerüstet mit Brett und Paddel - ins kühle Nass stürzen.

Gerd Bernhard, Vorsitzender des Windsurfclubs Iffezheim, will mich heute mit Stand-up-Paddeling (SUP) vertraut machen. "Das heißt übersetzt Steh-Paddeln und ist momentan eine echte Trendsportart", erklärt er. Bernhard ist Gründungsmitglied des Windsurfclubs und seit 1983 dabei. SUP sei für jeden geeignet, der nicht wasserscheu ist und sich gerne in der Natur aufhält, sagt er.

Trotz seiner 65 Jahre scheint Bernhard um Welten fitter und trainierter zu sein als ich - kein Wunder, er fährt Rennkajak und startet sogar bei Welt- und Europameisterschaften. Ich dagegen habe schon Schwierigkeiten, das Brett, Im Fachjargon Board genannt, auf den Rollwagen zu legen, um es ans Seeufer zu transportieren - meine Kräfte scheinen zu schwinden, bevor es überhaupt erst richtig losgeht. Auf meine Frage, ob denn alle Boards so riesig seien, kann sich mein Trainer ein Schmunzeln nicht verkneifen: "Das ist ein ganz normales Modell, es gibt durchaus noch längere." Die langen, schmalen Bretter seien für Anfänger aber eher ungeeignet: "Du musst jetzt erst einmal lernen, dein Gleichgewicht zu halten. Dafür eignen sich breitere Boards perfekt", klärt mich Bernhard auf.

Was das in der Praxis bedeutet, bleibt mir nicht lange verborgen. Am Seeufer angekommen, soll ich mich zunächst mit meinem Board vertraut machen. "Das geht am besten, indem du dich mit dem Bauch flach auf das Brett legst und dich leicht vom Ufer abstößt", weist mich Bernhard ein.

Das dürfte kein Problem sein, schließlich liege ich so auch immer gemütlich auf der Luftmatratze - mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass mein Board sich plötzlich viel schneller im Wasser bewegt als ich erwartet hatte. In eine andere Richtung lenken? Funktioniert irgendwie nicht so, wie ich das möchte. Bremsen? Fehlanzeige! Kurz spiele ich mit dem Gedanken, mich einfach ins Wasser zu schmeißen, bevor ich immer weiter hinaus treibe, doch von hinten naht Rettung: Bernhard kommt lachend auf mich zu gepaddelt und zieht mich zur Badeinsel, die in der Mitte des Sees schwimmt. Durchatmen - zumindest bin ich noch nicht vom Brett gefallen.

"Um zu bremsen, rückwärts paddeln"

Im nächsten Schritt versuche ich, mich auf das Board zu knien. Das klappt überraschenderweise ziemlich gut, weshalb mir Bernhard endlich das Paddel reicht. "Die abgewinkelte Seite des Paddelblatts muss immer von dir wegzeigen", erklärt der Experte. Dann soll ich möglichst weit vorne ins Wasser einstechen und das Paddel am Brett entlang ziehen. Klingt einfach und logisch, ist in der Praxis aber schwerer als gedacht. Egal, wie schnell ich paddle, ich bekomme das Board nicht unter Kontrolle. Es ist wie bei einem ferngesteuerten Auto, das gegen seinen Willen nach rechts oder links gesteuert wird. Trotz allem - und darauf bin ich ziemlich stolz - schaffe ich es ganz ohne nass zu werden zurück zum Strand.

"Das sieht doch schon einmal gut aus", lobt mich mein Trainer. Doch auch ihm ist nicht entgangen, dass mein Paddel und ich noch keine Freunde sind. Trockenübungen im Sand sollen das ändern. Mit festem Boden unter den Füßen erklärt er mir noch einmal in aller Ruhe die Technik. Ich müsse darauf achten, dass die Paddelbewegung aus dem Rumpf heraus kommt und nicht aus den Armen: "Dadurch hast du viel mehr und viel größere Muskelgruppen, die du einsetzen kannst." Ganz wichtig: "Um zu bremsen, einfach rückwärts paddeln."

Diesen Trick kannte ich bisher noch nicht, umso optimistischer laufe ich auf mein Board zu, doch Bernhard stoppt mich. Bevor ich mich erneut aufs Brett wagen darf, folgen erst noch einige Gymnastikübungen am Strand. Schließlich soll ich kein Kniepaddler bleiben, sondern mich irgendwann ganz aufrichten. Dabei sollten meine Knie immer leicht in Bewegung sein, denn so sei der Körperschwerpunkt tiefer und man habe eine bessere Balance.

Trockenübungen zur Muskelkräftigung

Wir üben das Ganze zunächst am Ufer, bohren unsere Füße in den heißen Sand und machen zur Muskelkräftigung Kniebeugen in der brütenden Mittagshitze. Es dauert nicht lange, bis mir die Schweißperlen von der Stirn tropfen. Am Ufer stehend, sehne ich mich nach einer Abkühlung im See - noch nicht ahnend, dass ich diese kurze Zeit später auch bekommen werde.

Doch vorher wird es ernst: Während mein Trainer schon längst kerzengerade auf seinem Board steht, mühe ich mich immer noch kniend ab, die Mitte des Sees zu erreichen. Dort soll ich nach einigen Yoga-Figuren auf dem Board - eine gute Möglichkeit, die Balance zu trainieren - endlich aufstehen.

Ganz so elegant wie bei Bernhard sieht das bei mir zwar nicht aus, aber ich schaffe es tatsächlich, mich aus der Hocke vorsichtig aufzurichten. Wie ein junges Reh stehe ich mit wackeligen Beinen auf dem Brett. In den ersten Sekunden traue ich mich kaum zu atmen - aus Angst, jede noch so kleine Bewegung könnte mich aus dem Gleichgewicht bringen. Die Unsicherheit verfliegt aber schnell: Die Sonne, die im Wasser glitzert, und die malerische Kulisse um mich herum lassen mich in Erinnerungen schwelgen. Gedankenversunken greife ich zum Paddel und steuere los. Schon als Kind träumte ich davon, einmal wie Pocahontas durch Flüsse und Seen zu paddeln - jetzt ist es endlich soweit.

Plötzlich reißt mich eine bekannte Stimme aus meinen Träumen: "Versuche mal, das Board zu wenden und zur Insel zurückzukehren", ruft mir Bernhard zu. Erst jetzt bemerke ich, wie weit ich mich von der Badeinsel entfernt habe. Ruckartig steche ich das Paddel ins Wasser, doch das Brett dreht sich nicht. Die Einzige, die sich wendet, bin ich - und zwar im hohen Bogen - direkt ins kühle Nass.

Das war es dann wohl mit Pocahontas. Die stolze Häuptlingstochter taucht unter. Aber weil Indianer bekanntlich keinen Schmerz kennen, versuche ich, mich irgendwie wieder zurück aufs Brett zu kämpfen. Schnell merke ich, dass das die eigentliche Herausforderung ist. Ich benötige mehrere Anläufe, bis ich endlich wieder auf dem rutschigen Board stehe.

Klatschnass geht meine SUP-Lehrstunde weiter, Bernhard lotst mich so lange um die Badeinsel herum, bis ich ein Gefühl für mein Paddel bekomme. Und tatsächlich - nach einigen feuchtfröhlichen Zwischenfällen steuere ich mein Board fast problemlos über die Seefläche. Dass ich schon mehr als eine Stunde im Wasser bin, bemerke ich gar nicht. Erst, als wir die Boards wieder auf den Rollwagen hieven, um sie zurück zum Schuppen zu transportieren, spüre ich, dass sich meine Beine inzwischen wie Wackelpudding anfühlen. Ein Zeichen dafür, dass der Muskelkater nicht lange auf sich warten lässt. Das nehme ich allerdings gerne in Kauf, denn ich hatte jede Menge Spaß.

Während ich mich von Bernhard verabschiede, wandert mein Blick noch einmal zurück zum See, der jetzt wieder ungestört zwischen den grünen Büschen liegt.

Eins ist sicher: Das war erst der Anfang. Stand-up-Paddeling werde ich auf jeden Fall wieder machen - auch wenn ich noch lange trainieren muss, um mich so elegant wie Pocahontas zu bewegen.

BeiträgeBeitrag schreiben 
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Die CDU Baden-Württemberg hat sich für ein generelles Burkaverbot ausgesprochen. Halten Sie das für richtig?

Ja.
Nein.
Ist mir egal.


http://www.caravanlive.de/
Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1