http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
Stallbesuch beim goldenen Reiter
08.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Franziska Kiedaisch

Ralf Hönig strahlt. Mit einem breiten Grinsen nimmt er Glückwünsche in der Stallgasse des Reitclubs Baden-Baden entgegen. Gerade hat der 38-jährige Vimbucher von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) die höchste Auszeichnung verliehen bekommen, die es für Reiter gibt: das goldene Reitabzeichen.

Ohne große Worte kommentiert Hönig die Verleihung des Abzeichens: Es sei eine Ehre und er freue sich sehr darüber, sagt er recht bescheiden. Dabei könnte der Berufsreiter durchaus etwas prahlen. Laut FN wird das Reitabzeichen in Gold, das allein aufgrund von Turniererfolgen vergeben wird, deutschlandweit an etwa 100 Personen im Jahr verliehen. In den beiden vergangenen Jahren wurde es jeweils nur 14 Reitern aus Baden-Württemberg ans Revers geheftet. Nach zehn Platzierungen bei Springturnieren in der höchsten Prüfungsklasse S, in der zwischen 1,40 und 1,60 Meter hohe Hindernisse zu bewältigen sind, hat Hönig es geschafft. Vor einem Jahr holte er in Durmersheim den entscheidenden S-Sieg, vor einer Woche wurde ihm an Ort und Stelle das Abzeichen überreicht.

"Seitdem ich denken kann, reite ich", begründet der gelernte Werkzeugmechaniker seine Begeisterung für den Sport. Im elterlichen Stall in Vimbuch habe er bereits als Jugendlicher die Möglichkeit gehabt, Pferde einzureiten. "Ich bin da so reingewachsen", sagt Hönig, der heute hauptberuflich als Bereiter und Trainer beim Reitpferde-Ausbildungsbetrieb Hurrle in Baden-Baden arbeitet. Begeistert fügt er an: "Ich habe wirklich mein Hobby zum Beruf gemacht." Um als Reiter erfolgreich zu sein, gehöre "ein gewisser Ehrgeiz" dazu, "aber kein "Über-Ehrgeiz", sagt er: "Man ist ja kein Marathonläufer, der alleine seinen Sport ausübt, sondern man muss immer für jemanden Sorge tragen, nämlich für das Pferd."

Plötzlich knallt es in der Stallgasse. Ein Pferd, das gesattelt auf seinen Reiter wartet, befreit sich kurzerhand panisch aus dem Halfter. Die umstehenden Personen zucken erschrocken zusammen. Hönig hingegen lächelt. "Was ist denn los?", fragt er die Stute mit beruhigender Stimme. Das Pferd bleibt stehen, klappt die Ohren nach vorne und schaut ihn mit großen Augen an. Man merkt: Dieser Mann hat ein Händchen für Pferde, weiß mit den imposanten Tieren umzugehen.

Etwa sieben Stunden täglich sitzt der 38-Jährige hoch zu Roß. Viel Kraft koste die Arbeit als Bereiter vor allem bei jungen, ungestümen Pferden. Seine Verlobte Denise Vogel sieht darin auch den Grund, dass erfolgreiche Reiter meist männlich sind, obwohl der Sport eher weiblich dominiert ist.

"Wer bei größeren Turnieren mitmischt, ist häufig Berufsreiter. Bei der Masse an Pferden, mit denen man täglich arbeitet, erfordert das kräftemäßig einen Mann", weiß die 30-jährige Pharmaberaterin, die selbst passionierte Springreiterin ist Derzeit kann der erfolgreiche Springreiter auf etwa zehn bis zwölf Pferde für Turniere zurückgreifen.

Dabei müssen die Tiere einen besonderen Charakter mitbringen: "Nicht jedes Pferd kann ein Sportler sein. Ein Springpferd braucht Talent und Ehrgeiz. Mut und Herz gehören bei mir zusammen. Die beiden Dinge braucht ein erfolgreiches Pferd." Als Reiter habe man die Verantwortung, diese Eigenschaften nicht zu überreizen, sonst verliere das Tier womöglich den Spaß - und der sei entscheidend für den Sport. Habe ein Pferd nämlich keinen Spaß am Springen, werde es niemand dazu bringen, ist sich Hönig sicher.

Durch das tägliche Training bemerkt der goldene Reiter "sehr schnell, wenn es ein Pferd irgendwo zwickt"; dann kommt der Physiotherapeut, der ohnehin regelmäßig zu Besuch ist. Bisher seien Sehnen-Verletzungen, "die von allein ausheilten" die schlimmsten Verletzungen gewesen, die seine Pferde davongetragen haben. Er selbst hatte durch den Sport bisher einige Brüche zu verzeichnen - jedoch resultierten diese nicht aus Stürzen beim Springreiten.

Das Training mit seinen Vierbeinern nennt er "Gymnastik", es gehe darum, dass die Pferde "durchlässig" würden. Das Pferd müsse lernen, seine Kraft aus der Hinterhand aufzunehmen, um bei den Sprüngen das Gewicht eher nach hinten verlagern zu können. "Um ein erfolgreicher Springer zu sein, muss ein Pferd dressurmäßig gut ausgebildet sein", erklären die Reiter Hönig und Vogel. Das Springen im Parcours wird selten trainiert, es stelle für die Pferde vielmehr eine "Kür" dar. Auch die Hufträger starten übrigens in Leistungsklassen. So kann Hönig, der in der zweitbesten Leistungsklasse reitet, mit mehreren Pferden an ein und demselben Turnierwochenende starten.

Eine Sieben-Tage-Woche sei deshalb normal, sagt er. "Eigentlich sind wir jedes Wochenende zwischen März und Oktober auf Turnieren". Zeit für die Familie bleibt da naturgemäß nur wenig. Seit Jahren planen er und seine Verlobte einen längeren gemeinsamen Urlaub, aber die Pferde könne man doch nicht allein lassen, so Vogel entschuldigend. "Bei uns ist die Stallzeit auch Familienzeit", sagt Hönig. Auch seine 11-jährige Tochter Lina ist mehrmals in der Woche im Stall. Auf Turniere fährt sie selten mit. Das könnte sich jedoch bald ändern: "Ich möchte im Herbst das kleine Reitabzeichen machen", sagt die Nachwuchs-Reiterin in spe.

Teilweise geht es mit dem Pferde-Transporter schon mal bis nach Norddeutschland, wie in diesem Jahr, als Hönig für das renommierte Hamburger Derby nominiert war. Normalerweise sind Vogel und Hönig zwischen Heidelberg und Basel unterwegs. Auf den Turnieren treffen sie Freunde und Bekannte - eine eingeschworene Gemeinschaft unter Turnierreitern. Auch Geschäfte werden dort gemacht: "Die meisten Sportpferde werden innerhalb dieses Netzwerks auf den Turnieren verkauft", sagt Vogel.

Zwischen 10000 und 2000000 Euro kann ein Springpferd kosten, berichtet Vogel. Die zehnjährige Westfalenstute Felicitas, die Hönig selbst ausgebildet hat und mit der er den bedeutenden Sieg in Durmersheim vor einem Jahr feiern konnte, wäre als Erfolgspferd zwischen 50000 und 60000 Euro wert, schätzt Hönigs Verlobte.

Liebe zum Tier kostet viel Geld

Reiten ist nicht nur ein zeitintensiver, sondern auch teurer Sport. "Wir arbeiten eigentlich nur für unsere Pferde", sagt die Springreiterin. Obwohl bei Turnieren auch Preisgelder winken, müsse man selbst als Profi-Reiter durch anfallende Nenngelder und weitere Kosten "froh sein, wenn man bei Wettkämpfen auf null rauskommt", ergänzt ihr Verlobter. Wer es sich leisten kann und ein tolles Pferd kauft, der habe bessere Chancen, ein Turnier zu gewinnen.

Weil der Kauf von Pferden teuer ist, züchten Vogel und Hönig selbst. 13 Pferde nennen sie ihr Eigen: zehn erwachsene Tiere - acht davon Turnierpferde und "zwei Omis", wie Vogel sie nennt - und außerdem drei Jährlinge, die noch eingeritten werden. Die Jungen sind Fohlen der "Omis", die einst auf Turnieren erfolgreich waren. "Jedes Pferd hat für uns einen ideellen Wert. Deshalb können wir auch keins abgeben und haben so viele. Schön, wenn man mit einer erfolgreichen Stute dann noch züchten kann", erklärt Vogel das Dilemma zwischen bedingungsloser Tierliebe und kostenintensivem Sport.

BeiträgeBeitrag schreiben 
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Die CDU Baden-Württemberg hat sich für ein generelles Burkaverbot ausgesprochen. Halten Sie das für richtig?

Ja.
Nein.
Ist mir egal.


http://www.caravanlive.de/
Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1