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Alkohol-Affäre belastet WM-Start
Alkohol-Affäre belastet WM-Start
11.09.2018 - 00:00 Uhr
Die Alkohol-Affäre beim Springreiter-Nachwuchs hat die Vorfreude der deutschen Stars auf die Weltmeisterschaften in den USA stark eingetrübt. "Das ist ein belastendes Thema für den Verband", sagte Sport-Geschäftsführer Dennis Peiler von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) vor der Medaillenjagd in acht Pferdesport-Disziplinen im US-Bundesstaat North Carolina. "Das ist leider eine Begleiterscheinung dieser WM. Wir hätten uns lieber zu 100 Prozent auf den Sport konzentriert."

Die Alkoholexzesse einer Gruppe von jungen Reitern und der Vorwurf eines Falls von sexualisierter Gewalt haben den deutschen Reitsport in eine Krise gestürzt und ihm ein Imageproblem beschert. Sie haben vor dem heutigen Beginn der Titelkämpfe auch unter den WM-Startern für Unruhe gesorgt. "Wir versuchen, das Thema von den Athleten fernzuhalten", sagte Peiler auf der riesigen Reitanlage neben dem kleinen Ort Tryon. "Dass darüber aber gesprochen wird, ist auch klar."

Das gilt vor allem für den Sportchef selber. Er ist als Delegationsleiter bereits seit mehr als einer Woche in den USA - und zugleich ist er mit der Krisenbewältigung in der Heimat beschäftigt. Für Peiler gilt die Maßgabe: "Wichtig ist: Wann reden wir darüber? Wann konzentrieren wir uns auf den Sport?" Dass die Krise daheim die sportlichen Leistungen tatsächlich beeinflusst, glaubt der Sportchef aber nicht: "Das sind alles Profis, die können sich im Wettkampf fokussieren."

Das bestätigte auch Monica Theodorescu, die als Trainerin des Dressurteams ab heute für mehrere Medaillen sorgen soll. "Das belastet uns nicht", versicherte die 55-Jährige. Das Thema beschäftigt das Dressur-Quartett und die Helfer aber zweifellos. "Es ist sehr, sehr unschön, dass sich ein paar wenige schlecht benommen haben", betonte Theodorescu. "Das ist für das Image der Reiterei sicher nicht gut."

Die Krise bei den Nachwuchsreitern, die bei den deutschen Jugend-Meisterschaften am Wochenende zu Alkoholkontrollen geführt hat, wird keine direkten Auswirkungen auf das WM-Team haben. "Wir werden sicher nicht den Wein zum Abendessen verbieten", sagte Peiler. Und die Medaillen dürfen auch mit Champagner oder Bier gefeiert werden.

An alte Erfolge anknüpfen

Dass es Grund zum Feiern geben wird, gilt gerade beim favorisierten Dressur-Team als sicher. Minimalziel ist die Qualifikation für die olympischen und die paralympischen Spiele. Die Teams in der Dressur, in der Vielseitigkeit und im Springen müssen dafür unter die ersten Sechs kommen, die Mannschaft in der Para-Dressur unter die Top Drei.

Natürlich rechnet der Verband aber mit mehr als sechsten Plätzen. "Wir wollen an die Erfolge der letzten beiden Weltmeisterschaften anknüpfen", sagte Peiler. Bei der letzten WM vor vier Jahren in Caen war Deutschland in den olympischen Disziplinen die erfolgreichste Nation. Drei goldene Medaillen, drei silberne und eine bronzene gewann kein anderer Verband in Frankreich.

In der Gesamtwertung aller acht Weltmeisterschaften verpasste Deutschland allerdings Platz eins und wurde Dritter hinter Großbritannien und den Niederlanden. In den acht Pferdesport-Disziplinen, zu denen auch Voltigieren, Fahren (Kutschen), Reining (Westernreiten) und Distanzreiten gehört, gab es fünf Goldmedaillen, sechsmal Silber und viermal Bronze. (dpa)

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