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"Nur noch schizophren"
Christoph Ruf.  Foto: pr
10.10.2018 - 00:00 Uhr
"Fieberwahn - Wie der Fußball seine Basis verkauft", hat Christoph Ruf sein aktuelles Buch genannt, das bei der von der Deutschen Akademie für Fußballkultur ausgerichteten Wahl zum Fußballbuch des Jahres gerade mit dem zweiten Platz ausgezeichnet wurde. BT-Redakteur Frank Ketterer nahm das zum Anlass für ein Interview mit dem in Baden-Baden geborenen, in Gaggenau aufgewachsenen und in Karlsruhe lebenden Journalisten und Autor.

Interview

BT: Herzlichen Glückwunsch, Herr Ruf. Die Deutsche Akademie für Fußballkultur hat Ihr Buch "Fieberwahn - Wie der Fußball seine Basis verkauft" bei der von ihr ausgerichteten Wahl des Fußballbuchs des Jahres gerade mit dem zweiten Platz ausgezeichnet. Haben Sie damit gerechnet?

Christoph Ruf: Nein, zumal in diesem Jahr ganz viele renommierte Autoren ein Buch geschrieben haben. Leute wie Birgit Schönau, Per Mertesacker, Michael Horeni oder dessen sehr sympathischer FAZ-Kollege Christian Eichler, dessen Buch dann ja auch gewonnen hat.

BT: Wer durfte wählen?

Ruf: In der Buchkommission sitzen zwölf Kulturschaffende, die jeweils ein Buch vorschlagen. Dann liest jeder Juror die jeweils anderen elf Bücher, woraufhin es zur Abstimmung kommt.

BT: Wie kam es zu Ihrem Buch?

Ruf: Als Sportjournalist bin ich ja jede Woche irgendwo in einem Bundesligastadion unterwegs - und da mein Orchideenthema Fans und Ultras sind, wusste ich schon, wie groß die Kritik der Fankurven an DFB, FIFA, der Spieltagszersplitterung und dem zusehends überhitzten Transfermarkt ist. Wenn mancher Durchschnittskicker in der 2. Liga mehr verdient als die Kanzlerin, ist irgendwas ins Rutschen gekommen. Ich habe dann, weil ich privat immer öfter in Landes- bis Oberliga unterwegs war, gemerkt, wie stark sich das Amateurlager vom "großen" Fußball missachtet, ausgebeutet und betrogen fühlt. All das wollte ich in dem Buch zusammenfügen.

BT: Wie lange haben Sie für das Buch recherchiert, wie lange daran geschrieben?

Ruf: Insgesamt sicher drei Jahre, wobei das Zu-Papier-Bringen von all dem, was man da so zusammenträgt, netto eher ein paar Monate in Anspruch genommen hat.

BT: Wie - kurz zusammengefasst - verkauft der Fußball seine Basis denn?

Ruf: Gemessen an der Gesamtzahl all derer, die Fußball spielen - ob als Jugendliche oder in der Kreisklasse - sind die Profis ja nur im Promillebereich angesiedelt. Doch von den 1,16 Milliarden Euro an jährlichen Fernsehgeldern landen 98 Prozent in der 1. und 2. Liga. Wenn aber das Foto im Spielerpass eines C-Jugendspielers fehlt, kostet das einen Amateurverein, der sowieso um jeden Cent und jeden Ehrenamtlichen kämpfen muss, zehn Euro Strafe an den Verband. Das ist nur noch schizophren und durch Hochglanz-Plakate, auf denen steht, dass "unsere Amateure echte Profis" sind, nicht wettzumachen.

BT: Ihr 2008 erschienenes Werk "Ist doch ein geiler Verein - Reisen in die Fußballprovinz" wurde damals sogar zum Fußballbuch des Jahres gekürt. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Ruf: Oh je, keine Ahnung. Aber wenn Sie eines kennen, dann verraten Sie es mir bitte. Vielleicht klappt's ja dann mal wieder mit dem ersten Platz.

BT: Haben Sie schon das nächste Buch in Planung - und wenn ja, wovon wird es handeln?

Ruf: Zu gerne würde ich eine Biographie über Freiburgs Trainer Christian Streich schreiben, den ich doch einigermaßen gut kenne. Aber er will das partout nicht, mit der Begründung, er sei nicht wichtig genug für ein eigenes Buch. Ein Buch über den SC Freiburg, in dem er prominent vorkommt, kann ich mir allerdings gut vorstellen. Dass es dort besser läuft als beim VfB Stuttgart oder beim KSC, das kommt ja nicht von ungefähr.

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