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Wie hypnotisiert
Im Kopf nicht auszuhalten: Manuel Stiefler nach der 2:5-Heimniederlage des KSC gegen den SV Wehen Wiesbaden.  Foto: GES
22.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Hans Falsehr

Der Sportdirektor rang nach Worten, sonderlich oft kommt das bei Oliver Kreuzer nicht vor. "Das war ein enttäuschender Auftritt mit einem enttäuschenden Resultat", sagte Kreuzer mit kratziger Stimme. "Wir fanden in den ersten 35 Minuten überhaupt nicht statt. Die Jungs sind pomadig übers Feld getrabt. Die Mannschaft hat überhaupt keine Einstellung zum Spiel gefunden", legte er nur einen Atemzug später nach, um zusammenfassend festzustellen: "Das war nach Lotte der zweite Aussetzer. Solche Spiele dürfen wir uns einfach nicht mehr erlauben."

Das Heimspiel gegen den damaligen Tabellenletzten aus Lotte hatte Fußball-Drittligist Karlsruher SC Anfang September mit 1:3 verloren, gestern setzte es ein noch blamableres 2:5 gegen den SV Wehen Wiesbaden. Die Folge: Die Badener rutschten auf Tabellenrang sechs ab und sorgten damit vor der heutigen Mitgliederversammlung (18.30 Uhr) in der Badnerlandhalle für eine deutliche Eintrübung der zuletzt zumindest ansatzweise etwas besänftigten Stimmung im Verein.

Dass die gestrige Pleite verdient war, stand dabei nicht nur für KSC-Trainer Alois Schwartz völlig außer Frage. "Wir waren zu passiv und sind zu wenig in die Zweikämpfe gegangen", nannte er den Grund hierfür. Genau das Gegenteil sagte Gästetrainer Rüdiger Rehm von der Leistung seiner Spieler: "Wir waren präsenter und handlungsschneller."

Was die 12 625 Zuschauer im Wildparkstadion zunächst zu sehen bekamen, kann man als "Abtasten" bezeichnen. Beide Teams waren offensichtlich in erster Linie darauf bedacht, nicht in Rückstand zu geraten. Trotzdem gingen die Gäste früh und mit ihrem ersten einigermaßen gefährlichen Angriff in Führung. Jules Schwandorf brachte den Ball von links flach nach innen, der KSC wehrte die Hereingabe nur schlecht ab, Sebastian Mrowca, der Kapitän der Hessen, traf mit einem Flachschuss aus 20 Metern.

Wer erwartet hatte, dass die Wildparkprofis anschließend eine Schippe drauflegen würden, sah sich getäuscht. Die Hausherren kamen nicht aus den Puschen, sondern wirkten schläfrig und wie hypnotisiert. Selbst Benjamin Uphoff, normalerweise die Zuverlässigkeit in Person, war gestern nicht hundertprozentig auf Draht. Einen Ball von Manuel Schäffler, den er eigentlich schon sicher in Händen hatte, ließ der Karlsruher Schlussmann in der 28. Minute noch nach vorne wegprallen. Daniel Kofi Kyereh sagte Danke - und staubte zum 2:0 aus Gästesicht ab. Damit nicht genug des Schreckens: Nur wenig später gab Schiedsrichter Daniel Siebert nach einem Foul von Marc Lorenz an Sascha Mockenhaupt Elfmeter für die Wehener, was Schäffler zum 3:0 (34.) nutzte.

Praktisch im Gegenzug bekam auch der KSC einen Strafstoß zugesprochen, weil zuvor Marcel Titsch Riveros Hand ins Spiel geraten war. Anton Fink verwandelte sicher zum 1:3 (35.). Jetzt endlich waren die Wildparkprofis wach - und am Drücker. Aber Kyoung-Rok Choi versemmelte aus spitzem Winkel von links eine Riesenchance zum 2:3 (42.). Stattdessen kassierte der KSC in den letzten Sekunden der ersten Halbzeit ein viertes Gegentor. Die Gäste hatten sich mit mehreren direkten Pässen durch die hilflose Hintermannschaft der Platzherren kombiniert, der am zweiten Pfosten unbewachte Kyereh schließlich den 4:1-Pausenstand für seine Mannschaft hergestellt. "Damit war das Spiel so gut wie durch", stellte KSC-Coach Schwartz hernach fest.

Zumal die Schützlinge von Rüdiger Rehm auch nach dem Seitenwechsel ball- und kombinationssicherer blieben und zudem frischer und spritziger wirkten, also insgesamt einfach deutlich besser. Zwar vergab Fink noch eine Chance zum 2:4 (53.). Dann aber spielten die Gäste bei einem Konter ihre Klasse aus. Kyereh erhöhte mit seinem dritten Tor auf 5:1 (57.). Dass Marvin Pourié noch das 2:5 aus Karlsruher Sicht gelang (81.), hatte nur noch statistische Bedeutung.

KSC: Uphoff - Thiede, Gordon, Pisot, Roßbach (79. Kircher) - Stiefler, Wanitzek - Choi (63. Groiß), Lorenz - Pourie, A. Fink (62. M. Röser).

SVWW: Kolke - Kuhn, Mockenhaupt, Dams, Mintzel - Mrowca (71. Schönfeld), Titsch-Rivero - Shipnoski (66. Nik. Schmidt), Schwadorf (80. Guder) - Kyereh, Schäffler.

Schiedsrichter: Daniel Siebert (Berlin) - Zuschauer: 12625 - Tore: 0:1 Mrowca (11.), 0:2 Kyereh (28.), 0:3 Schäffler (34./Foulelfmeter), 1:3 A. Fink (37./Handelfmeter), 1:4 Kyereh (45.), 1:5 Kyereh (58.), 2:5 Pourie (81.) - Gelbe Karten: Lorenz (2), Roßbach (6) - Titsch-Rivero (2), Kuhn (2).

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