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Kritische Fragen, verlorene Anträge und ein verstimmter Präsident
24.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Frank Ketterer

Es ist dann doch ein langer Abend geworden, bei 19 Tagesordnungspunkten war das mehr oder weniger vorprogrammiert. Zwar musste sich Vereinspräsident Ingo Wellenreuther dabei durchaus die ein oder andere kritische Frage gefallen lassen, größere Unruhen oder gar Tumulte blieben auf der Mitgliederversammlung des Karlsruher SC am Montagabend freilich aus. Wohl auch, weil anderntags, also gestern, der Gemeinderat der Stadt Karlsruhe den Bau eines neuen Stadions endgültig auf den Weg bringen sollte (siehe "Blick ins Land"). Hier die wichtigsten Themenfelder der Versammlung:

Finanzen: Das wirtschaftliche Minus des am 30. Juni 2018 zu Ende gegangenen Geschäftsjahres 2017/18, das KSC-Präsident Ingo Wellenreuther den gut 600 versammelten Mitgliedern präsentierte, blieb mit 86000 Euro hinter den allgemeinen Befürchtungen zurück. Für das erste Drittligajahr nach dem Abstieg im Mai 2017 veranschlagt waren zumindest 1,8 Millionen Euro. Zu verdanken ist die signifikante Differenz in erster Linie den durch die Teilnahme an der Relegation erhöhten Zuschauereinnahmen, der Umsetzung eines Kostensenkungsprogramms sowie Forderungsverzichten von Unterstützern in Millionenhöhe.

Das negative Eigenkapital des Vereins wuchs damit nur unwesentlich auf 2,97 Millionen Euro an. An Transfereinnahmen hatte der KSC im abgelaufenen Geschäftsjahr 1,02 Millionen zu verbuchen. Der Aufwand für den Lizenzspielerbetrieb lag laut Geschäftsbericht bei 6,14 Millionen. Im letzten Zweitligajahr waren es noch 10,6 Millionen. Auch die TV-Einnahmen verringerten sich von 8,2 Millionen auf nunmehr 1,08 Millionen. Für das kommende Geschäftsjahr plant der KSC mit einem Minus von 1,9 Millionen Euro.

Besserungsscheine: Ausdrücklich Wert legte KSC-Präsident Ingo Wellenreuther auf die Feststellung, dass es sich bei den Forderungsverzichten von Kreditgebern nicht um Verbindlichkeiten handele. "Das sind keine heimlichen Schulden", tat der Vereinsboss kund. KSC-Geschäftsführer Michael Becker bezifferte die Höhe der von Gönnern ausgestellten Besserungsscheine auf 9,7 Millionen Euro. Davon entfielen 1,9 Millionen auf die Stadt Karlsruhe. Ein ungleich größerer Batzen dürfte auf das Konto von Vize-Präsident Günter Pilarsky gehen.

Kölmelverträge: Die Vermarktungsverträge mit dem Film- und Sportrechtehändler Michael Kölmel sind seit ihrem Abschluss im Jahr 2000 ein Dauerthema beim KSC. Kurz zusammengefasst verkaufte der vor dem Bankrott stehende KSC damals 15 Prozent seiner Vermarktungsrechte für 15 Millionen D-Mark. Die Laufzeit des Kontrakts war zunächst unbegrenzt. 2009 wurde dann eine Vergleichsvereinbarung geschlossen, nach der der KSC den Vertrag so lange erfüllen muss, bis der neu festgesetzte Rückzahlungsbetrag von 21 Millionen Euro erreicht ist. Laut Becker hat der Verein davon bis dato 8,25 Millionen zurückbezahlt, bleiben also noch 12,75 Millionen offen. Nächsten Juni könnte der Klub den Vertrag gegen eine Schlusszahlung von 8,3 Millionen (vereinbarte 7,6 Millionen plus Zinsen) ablösen, womit er sich die Zahlung weiterer 4,43 Millionen ersparen würde.

Die Möglichkeit des vorzeitigen "Herauskaufens" sei, so Becker, allerdings nicht einmalig gegeben, sondern fortan jährlich. Just das gelte es zu berücksichtigen. Hintergrund: In Liga 3 muss der KSC Kölmel jährlich lediglich rund 80000 Euro überweisen, was unter Umständen günstiger ist, als die Finanzierung eines Kredits über rund acht Millionen Euro. Anders sähe es bei einem Aufstieg in die 2. Liga aus. Dann wären es jährlich rund 800000 Euro, die der Verein an Kölmel abdrücken müsste, womit das vorzeitige Beenden des Vertrags deutlich dringlicher wäre.

Entlastung: Dass die Stimmung im Verein durchaus angespannt ist, zeigte sich bei der Entlastung des Präsidiums. Immerhin 33 Mitglieder verweigerten diese, weitere 30 enthielten sich der Stimme. Präsident Wellenreuther reagierte darauf sichtlich verstimmt.

Verlorengegangene Anträge: Gleich zwei Mitglieder bemängelten, dass von ihnen fristgerecht per Fax eingereichte Anträge nicht auf der Tagesordnung zu finden seien. Der Präsident zeigte sich davon überrascht: "Warum diese Anträge nicht da sind, kann ich nicht sagen."

Ausgliederung: Weiter vorantreiben möchte der KSC die Ausgliederung seiner Lizenzspielerabteilung. Das Brainstorming sei in vollstem Gange, Gespräche mit Juristen und Wirtschaftsprüfern würden seit einiger Zeit geführt. Gleiches gelte für "ein renommiertes, erfahrenes Unternehmen, das solche Ausgliederungen schon gemacht hat", gab Wellenreuther bekannt.

Kritik am Sportdirektor: Ein Mitglied wollte wissen, wie es habe sein können, dass Sportdirektor Oliver Kreuzer am Ende der Transferperiode im Urlaub weilte und somit nicht im Wildpark anwesend war, als der Transfer von Florent Muslija zu Hannover 96 über die Bühne gebracht wurde. Zum einen, so antwortete Kreuzer, sei er davon ausgegangen, dass es keinen den KSC betreffenden Transfer mehr gebe. Zum anderen habe er Transfers "schon von ganz anderen Orten abgewickelt" als jenem seines Urlaubs. In Zeiten moderner Telekommunikation stelle das kein Problem dar. Den Vorwurf, sich diesbezüglich unprofessionell verhalten zu haben, musste sich Kreuzer von besagtem Mitglied dennoch machen lassen. Der Sportdirektor nahm ihn kommentarlos hin.

Neuer Ausrüster: Der Ausrüstervertrag mit dem Sportartikler Jako endet zum Ende dieser Saison. Als Nachfolger, so Präsident Wellenreuther, habe man für die nächsten fünf Jahre einen "renommierten Ausrüster" gefunden. Dessen Name wurde am Montagabend nicht genannt.

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