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Schach als Fach
Schach als Fach
14.11.2018 - 00:00 Uhr
Schach-AGs sind in Schulen beliebt - in Bremen ist das königliche Spiel nun sogar noch einen Schritt weiter: als fester Bestandteil des Unterrichts! Als Projektleiter fungiert Marco Bode. Mit der Fußball-Ikone von Werder Bremen, die 1996 mit dem Nationalteam Europameister wurde, unterhielt sich Hartmut Metz über das Projekt.

Interview

BT: Herr Bode, Bremen führt als erstes Bundesland Schach als Schulfach ein. Hängt es damit zusammen, dass Studien ergaben, dass Kinder selbst in Mathematik besser werden, wenn eine Stunde Mathe-Unterricht für Schach geopfert wird?

Marco Bode: Wir führen Schach jetzt nicht als Pflichtfach ein, sondern das Projekt heißt "Schach macht schlau". Die Initiative ging von mir aus mit dem Verein "Das erste Buch". Wir engagieren uns bereits seit mehr als 15 Jahren im Bereich Bildung, indem wir Bücher an Erstklässler verschenken. Wir starteten jetzt ein zweites großes Projekt und das ist tatsächlich mein Baby: Das Angebot geht in Bremen an alle Grundschulen. Wir statten sie mit Schachmaterial aus, bereiten Lehrer darauf vor und die Kinder bekommen alle einen Online-Zugang bei unserem Partner, der Schach-Softwarefirma Chessbase. Die Schulen können sich freiwillig beteiligen - wenn sie sich aber anmelden, müssen sie sich verpflichten, eine Stunde Schach in den Unterricht einzubinden. Also nicht als Arbeitsgemeinschaft und freiwillig für die Kinder, sondern als Teil des Unterrichts! Wir haben dabei die Senatorin für Bildung, Claudia Bogedan, mit an Bord. Es ist sozusagen der größte systematische Pilotversuch dieser Art, bei dem wir in den nächsten Monaten Erfahrungen sammeln wollen. Meine Vision sieht jedoch vor, dass wir langfristig alle Klassen einbinden.

BT: Wie viele Schulen nehmen teil?

Bode: Es sind 75 Schulklassen dabei. Damit beteiligen sich mehr als 1 500 Schülerinnen und Schüler von der ersten bis zur vierten Klasse. Wir wollen auch sehen, wie sich das auswirkt. Die Effekte, die die Studien nahelegen, beziehen sich meist auf ältere Kinder der dritten oder vierten Klasse.

BT: Konzentration auf eine Sache dürfte ein wichtiges Thema sein bei der Generation Smartphone.

Bode: Die relevanten Studien deuten darauf hin, dass es gelingt, die Kinder in ihren schulischen Leistungen mehr zu stärken. Auch Inklusion und Integration kann Schach verbessern, weil es für das Spiel weder Bewegung noch Sprache braucht. Hauptziel bleibt jedoch Schach als Tool, um die schulischen Leistungen zu verbessern. Wir wollen nicht unbedingt neue Schachtalente fördern und entdecken. Das mag ein Nebeneffekt sein. Fürs Schach braucht es Aufmerksamkeit, die Kinder müssen sich konzentrieren - und als Spiel motiviert es sie. Wir Menschen lernen bei Spielen schneller und intensiver.

BT: Sie spielen für einen Hobbyspieler erstaunlich gut, fand ich angesichts Ihrer Simultan-Partie gegen Weltmeister Magnus Carlsen.

Bode: Ja, ich geriet in Zeitnot, dann kamen die Fehler. Ich hatte zuvor allerdings auch das Gefühl, dass es 20, 25 Züge lang ganz gut aussah. Dass ich am Ende keine Chance habe, war aber klar. Mir machte es sehr viel Spaß, und ich freute mich, ihn kennenzulernen. Er ist auch ein großer Fußball-Fan. Wir kamen deshalb nach der Partie noch ins Gespräch. Wir verblieben so, dass wir auch mal eine Schach-Aktion im Weserstadion durchführen könnten. Bei Werder haben wir schließlich ebenso ein Team in der Schach-Bundesliga, weshalb wir Partner der Schulaktion sind. Die Werder-Stiftung beteiligt sich daran. Die Kosten bleiben im Rahmen, weil wir kein zusätzliches Personal an die Schule bringen müssen. Die Lehrer übernehmen den Unterricht, selbst wenn sie bisher keine Schachspieler waren.

BT: Beim Server Schach.de von Chessbase sollen Sie gerne online spielen.

Bode: Momentan nicht so häufig. Im Winter könnte es wieder mehr werden. Meine Spielstärke pendelt in Drei- oder Fünf-Minuten-Blitzpartien bei 1 600 bis 1 800 Ratingpunkten.

BT: Für jemand, der keine Wettkämpfe im Verein bestreitet, ist das außerordentlich.

Bode: Ich ordne mich zwischen einem guten Hobbyspieler und einem schlechten Clubspieler ein. Ich merke inzwischen: Je älter ich werde, umso mehr Bedenkzeit benötige ich. Klar, es gibt hier auch den Trainingseffekt - weil ich aber in Eröffnungstheorie mau bin, weil es mir an richtiger Ausbildung fehlt, ist es schon besser, wenn ich mehr Bedenkzeit habe.

Wie im Fußball sind

Remis oft langweilig

BT: In London hat die Schach-WM begonnen. Verfolgen Sie das Match zwischen Weltmeister Magnus Carlsen und Fabiano Caruana regelmäßig?

Bode: Absolut, absolut! Bei solchen Wettkämpfen schaue ich etwa auf Spiegel.de die Partien live an. Es gibt Kommentare von Daniel King, der das toll macht. Wenn eine Partie Remis endet, schaue ich dann etwas weniger genau drauf - deshalb hoffe ich, dass es diesmal etwas mehr hin- und hergeht. Bei der letzten WM von Carlsen gegen Sergej Karjakin habe ich die Playoffs verfolgt. Damals kaufte ich mir sogar für den Showdown ein Video-Online-Ticket für den Abend. Das war wirklich spannend!

BT: Die Remis langweilen einen in der Tat oft. Die ersten beiden Partien endeten auch friedlich, allerdings nach langem Kampf.

Bode: Ja, es ist wie im Fußball: Es gibt aufregende Unentschieden - manchmal gewinnt man allerdings den Eindruck, dass die Kollegen frühzeitig das Risiko einstellen.

BT: Carlsen hat Sie im Vorjahr bei einem Simultan an 13 Brettern geschlagen, musste sich aber gehörig anstrengen bis zum 33. Zug. Reicht die Leistung gegen Sie auch, um den Amerikaner in Schach zu halten?

Bode (lacht): Ich glaube, es wird spannend! Schon allein, einen amerikanischen Herausforderer zu haben, ist etwas Besonderes - erst vor kurzem schaute ich mir einen Film über Bobby Fischer und seinen Kampf 1972 in Reykjavik gegen Boris Spasski an. Magnus ist mit 27 Jahren noch sehr jung. Im Interview sagte er lustigerweise: Es sei ihm nicht so wichtig, Schach-Weltmeister zu sein - aber er will auch nicht, dass es ein anderer wird. Ich nahm ihn immer als extrem kämpferisch und ehrgeizig wahr. In offenen Turnieren ist er schlagbar, diesmal wird er den vollen Fokus auf den Zweikampf legen. Dennoch rechne ich mit einem engen Kampf.

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