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Geoffrey Feist: "Habe meine Entscheidung nie bereut"
Geoffrey Feist: 'Habe meine Entscheidung nie bereut'
17.11.2018 - 00:00 Uhr
Von Hucky Krämer

Wenn man Spiele des SV Linx besucht, sind stets viele französische Wortfetzen zu hören - Kevin Mury, Pierre Venturini, Marc Rubio, Jean-Gabriel Dussot, Nathan Recht oder Wacim Tine plaudern gerne in ihrer Muttersprache. Französisch ist ja neben Deutsch schon seit zig Jahren zum Hauptidiom bei dem Fußballverein aus dem Hanauerland geworden. Und Trainer Sascha Reiß, der dieser Sprache nicht mächtig ist, kann damit prächtig leben. Außerdem hat er in dem Elsässer Geoffrey Feist nicht nur einen zuverlässigen Abwehrspieler, sondern auch einen Dolmetscher in seinem Team.

"Er ist ein wichtiges Bindeglied, zuverlässig, loyal und ein Vorbild an Einsatz. Jeder Trainer kann sich glücklich schätzen, einen Spieler wie Geoffrey in seinen Reihen zu haben", schwärmt Reiß. Und der französische Esprit hat den SV Linx stets belebt. Erinnert sei an den Rotschopf Olivier Grava, der an einem guten Tag jeden Gegner schwindelig spielte. Oder Hassan Tayebi. Oder Nicolas Loison (Trainer in Mothern). Oder Cédric Stoll. Oder "Momo" Savane (Trainer in Scheibenhard) - nur um einige klangvolle Namen aus der Vergangenheit zu nennen.

Die Franzosen passen einfach zum SV Linx. Ganz im Sinne der jüngsten Umfrage unter Deutschen und Franzosen, die in der Mehrheit ein positives Bild voneinander haben. Ein Paradebeispiel ist Geoffrey Feist. Der Elsässer aus Mothern spielt nunmehr seine elfte Saison in Linx, ist damit der dienstälteste Franzose in den Reihen des Oberligisten. Er spricht nicht nur perfekt Deutsch, sondern ist auch in seiner Spielweise ein "französischer Deutscher". Der 28-Jährige arbeitet und lebt Fußball, ist ein Wadenbeißer, der keinen Zweikampf scheut. Er gibt in jedem Spiel alles. Das hat er von klein auf mitbekommen. In seinem Elternhaus musste immer alles hart erarbeitet und verdient werden.

Auch als Fußballer musste er dann einige Hindernisse überwinden. Das Fußball-Abc lernte Feist bei seinem Heimatverein FC Mothern, dann wechselte er zunächst in das Fußballinternat des FCSR Haguenau später in das von Racing Straßburg. Mit 16 Jahren landete er beim Karlsruher SC. Mit dessen U 19 und unter der Ägide von Trainer Markus Kauczinski spielte er im Sommer 2008 in Sand in einem Testspiel gegen den SV Linx. Übrigens als Zehner. Dabei wurde Feist vom damaligen Linxer Trainer Dieter Wendling entdeckt. "Ich stand beim KSC kurz vor einem Profivertrag, wovon ich immer geträumt hatte. Die Entscheidung, mich von diesem Traum zu verabschieden und mich für den SV Linx zu entscheiden, ist mir damals nicht leicht gefallen", sagt Feist mit einem Anflug von leiser Wehmut.

Oberligaaufstieg als



Abschiedsgeschenk

Eine Entscheidung, die er allerdings niemals bereut hat. "Im Nachhinein habe ich alles richtig gemacht. Ich verstehe mich gut mit meinen Kameraden, und ich spüre, dass meine Art gut ankommt. Wir sind wie eine kleine Familie. Ich habe viele Fre unde gefunden und fühle mich beim SV Linx pudelwohl", schwärmt Feist. Deshalb nimmt er auch gerne in Kauf, dass er zu jedem Training und Spiel hin und zurück 100 Kilometer zurücklegen muss. Auch beruflich hat Feist in Linx sein Glück gefunden, seit sieben Jahren arbeitet er in der Fertighaus-Firma des Präsidenten Hans Weber. "Herr Weber ist ein großer Mensch, dem ich und der Verein sehr viel zu verdanken haben", sagt Feist.

Sein privates Glück ist seine Frau Stefanie, die aus dem Murgtal stammt. Geoffrey Feist ist ohnehin ein Familienmensch, was ihm auch von seinem Vater Christian vorgelebt wurde und immer noch vorgelebt wird. "Seit ich Fußball spiele, ist Vater immer mit dabei. Ohne ihn wäre ich nie so weit gekommen", sagt Feist. Auf dem Platz - er wurde in den Jahren als Zehner über den Sechser als Rechtsfuß zum linken Außenverteidiger umfunktioniert - ist Feist ein unliebsamer Geselle, ansonsten ist er ein sehr geselliger Typ, der schon einmal seine Quetschkommode auspackt und deutsches Liedgut trällert.

Ewig im Gedächtnis wird ihm das letzte Spiel in der vergangenen Saison am 3. Juni daheim gegen den SV Stadelhofen, in dem die Verbandsliga-Meisterschaft perfekt gemacht wurde, bleiben. An diesem Tag starb seine geliebte Mutter Marie-Ange nach langer, schwerer Krankheit im Alter von nur 51 Jahren. "Ich habe gespielt, weil ich wusste, dass sie wollte, dass ich spiele. Der Aufstieg war dann mein Abschiedsgeschenk", ringt Feist mit den Worten. Den südbadischen Pokalsieg hatte seine Mutter noch miterlebt, das grandiose DFB-Pokalspiel in Kehl gegen den Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Nürnberg (1:2) dann allerdings auch nicht mehr.

Geoffrey Feist ist in der Saison 2009/2010 schon einmal mit dem SV Linx in die Oberliga aufgestiegen, wo man dann allerdings nur ein einjähriges Gastspiel gab. Dieses Mal soll das freilich nicht passieren. "Dafür werde ich alles geben", verspricht Feist. Er, der bisher von schlimmen Verletzungen verschont geblieben ist, will noch solange spielen, wie "meine Knochen und Muskeln mitmachen". Dem Fußballsport will er aber auch danach noch verbunden bleiben, deshalb bastelt der 28-Jährige derzeit bereits an seinem Trainerschein.

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