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Teure Bälle in überdimensionierten Löchern
01.12.2018 - 00:00 Uhr
Von Franziska Kiedaisch

In goldener Schrift prangen zwei Buchstaben auf ihrer Brust: LR. Sie stehen für ihren Namen: Laura Rolli. Glänzend sind aber nicht nur die Initialen auf Rollis schwarzer Trainingsjacke. Auch ihr sportlicher Werdegang schillert: Zwei deutsche und ein Vizeweltmeistertitel sind unter den Erfolgen. Im Dezember fliegt sie zur Weltmeisterschaft nach Marokko. Nur die Disziplinen, in denen sie so erfolgreich ist wie keine andere deutsche Frau, sind vielen gänzlich unbekannt.

Die 22-jährige Karlsruherin ist sowohl Deutschlands beste Fußball- als auch Footgolferin. Ausgelöst durch einen Familien-Ausflug vor drei Jahren entdeckte sie ihr Talent für Fußballgolf - eine Art Minigolf, das zu Fuß mit dem runden Leder gespielt wird. Im vergangenen Jahr startete sie zum ersten Mal in der Disziplin Footgolf. "Ich wollte mich weiterentwickeln, Footgolf stellt die größere sportliche Herausforderung dar - ich muss mich dort auch mit Gegner messen, die aktiv Fußball spielen", begründet Rolli, die selbst nie in einem Verein gekickt hat, diesen Schritt. Viele Mitspieler - meist Männer - kämen aus dem Fußball, einigen fehle inzwischen die Kondition für 90 Minuten, fügt sie an.

Nun spielt Rolli selbst lange Bälle auf 18 überdimensionierte Golflöcher. Ganz wie beim klassischen Golf muss sie mit so wenigen Schüssen wie möglich den Ball versenken. Dabei darf sie die Kugel weder lupfen, noch über die Sohle rutschen lassen - im Gegensatz zum Fußballgolf. Die Distanzen bis zum Loch variieren innerhalb eines Kurses, aber auch von Platz zu Platz. Weil Golfplätze eigens für das Spiel präpariert werden und dort nun mal eigene Regeln gelten, herrscht auch beim Footgolf strenge Etikette: Kniestrümpfe sind beispielsweise genauso Pflicht wie die obligatorische Golfhose für die Männer und Röckchen oder kurze Hosen für die Frauen. Auch das Polo-Shirt gehört zum Footgolf dazu wie das Amen in der Kirche. Betrachtet man das Finanzielle, so kann sich Footgolf auch mit seinem "großen Bruder" messen lassen: Es ist ein teures Hobby. Startgebühren und Unterkünfte für Turniere, kostenpflichtige Startzeiten fürs Training und schließlich das Wichtigste: der Ball - unter 250 Euro geht nichts.

Der Grund für dieses schwindelerregende Preisniveau: Footgolfer verwenden alte Modelle, die sich entweder durch eine genoppte Oberfläche besser drehen oder länger rollen als Fußbälle neueren Datums. Rollis Ball dreht sich besonders schön, ihr Freund hat ihn ihr geschenkt - über den Preis herrscht in diesem Fall natürlich Stillschweigen.

Immerhin bieten Golfplätze eine schöne Atmosphäre: "Bei meinem ersten internationalen Turnier habe ich das letzte Loch mit Blick auf den Genfer See gespielt", erzählt Rolli. Sonst sei es in Deutschland allerdings nicht so gut um ihren Sport bestellt. Nur zwei Plätze - in Bayern und Niedersachsen - seien auf das ungewöhnliche Golfspiel mit dem großen Ball ausgerichtet. In Frankreich hingegen könne sie gut trainieren.

Gemeinsam mit ihrem Vater Peter oder ihrem Freund Sven - beide ebenfalls begeisterte Footgolfer - bucht sie dann eine Startzeit in Soufflenheim oder Straßburg. Das Training funktioniert in Eigenregie. Lange Bälle übe sie schon auch einmal auf dem Acker, wie Rolli sagt. Selbstdisziplin und Siegeswillen bringt sie aus dem Leistungssport mit. Die ehemalige Siebenkämpferin erklärt: "Eine große Gemeinsamkeit, von der ich absolut profitiere, ist das Mentale. Wenn eine Disziplin im Siebenkampf nicht gut läuft, dann darf man sich davon nicht beeindrucken lassen. Wenn ich im Footgolf an einem Loch patze, dann muss ich auch weitermachen, muss das ausblenden können und mich aufs nächste Loch konzentrieren."

Eine von elf deutschen WM-Startern

Nun geht es für die Wirtschaftspsychologie-Studentin zur Footgolf-WM nach Marokko. In Marrakesch werden sich vom 9. bis 16. Dezember rund 400 Sportler aus rund 40 Nationen einfinden. Rolli ist eine von elf deutschen Teilnehmern, Papa Peter startet ebenfalls. Ihre Blitz-Karriere erklärt sich die selbstsichere junge Frau so: Weil es hierzulande an Plätzen fehle, seien vor allem weibliche Spieler die Ausnahme. Damit habe sie gute Chancen gehabt, ziemlich schnell ziemlich weit nach oben zu kommen. Andererseits beschreibt sich Rolli als ehrgeizig: "Wenn ich etwas nicht kann, dann übe ich so lange, bis es klappt", sagt sie.

Gespielt wird bei der WM in drei Kategorien: Männer, Frauen und Senioren (ab 46 Jahren). Der größte Teil davon kommt aus Niedersachsen, wo sich inzwischen eine gewisse Footgolf-Infrastruktur gebildet hat. Rolli als beste Footgolferin Deutschlands ist gemeinsam mit einer weiteren Spielerin gesetzt. Auf zwei separaten Plätzen werden pro Starterfeld drei von insgesamt vier Runden gespielt. Die vierte Runde, in der die besten 25 starten, wird bei den Senioren und den Frauen auf dem Männer-Kurs ausgetragen. Hier sind die Distanzen zum Loch länger als auf dem zweiten Kurs. "Unter diese 25 zu kommen, das ist mein Ziel für den Worldcup", hängt Rolli die Ziele tief.

Und das hat einen Grund: "Es gibt viele starke Nationen, zum Beispiel Argentinien, England oder Frankreich", sagt sie. Frankreich hat zudem fast einen Heimvorteil: Das Finale der französischen Meisterschaft wurde erst kürzlich in Marrakesch ausgetragen.

Auf die WM freut sich Rolli nicht nur aus sportlicher Sicht: "Ich bin total gespannt auf die Kultur, will mir an spielfreien Tagen unbedingt Marrakesch anschauen. Aber mich interessiert auch das ganze Drumherum, wie der Worldcup organisiert wird, wie das alles abläuft", verrät sie und man merkt der Footgolferin die Vorfreude an.

Dass sie sich neben den zwei glänzenden Buchstaben an ihrem Revers auch eine goldene Nase verdienen kann - schließlich winken im Footgolf auch Preisgelder - bezweifelt Rolli: "Als Frau kann man damit nicht reich werden." International gebe es eine knappe Handvoll männlicher Profis, die sich mit Sponsoring und Preisgeldern finanzierten, aber Frauen nicht. Die bekommen nur kleine Preisgelder, weil sie auch geringere Startgebühren bezahlen, erklärt die Karlsruherin.

Eine Anerkennung ganz anderer Art hat sie bereits bekommen: Zur Footgolf-WM hat Panini - wie bei fußballerischen Großereignissen üblich - ein Stickerheft auf den Markt gebracht. Auch Rolli ist auf den Klebebildern zu finden. "Zur Zeit tauschen wir untereinander Panini-Sticker", sagt sie lachend und ihre Augen glänzen dabei. Ganz so, wie die beiden Buchstaben an ihrem Revers.

Mehr Informationen zu der Karriere von Laura Rolli und zum WM-Verlauf:

www.laura-rolli.de

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