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Aus - und doch noch nicht alles vorbei
Aus - und doch noch nicht alles vorbei
05.12.2018 - 00:00 Uhr
Von Hucky Krämer

Ungetrübte Freude ist dem SV Oberachern zurzeit nicht einmal an fußballerischen Festtagen vergönnt. Da gewinnt der Oberligist auch sein letztes Heimspiel des Jahres gegen die Neckarsulmer Sport-Union glatt mit 4:0, überwintert als Spitzenreiter der Heim- (sieben Siege, zwei Remis, eine Niederlage) und Zwölfter der Gesamttabelle mit 23 Punkten auf einem Nichtabstiegsplatz, aber richtig Freude kommt beim Dorfklub dennoch nicht auf. Keiner weiß, wie und ob überhaupt es beim SVO in der kommenden Runde in der Oberliga weitergeht. Wird es in Zukunft noch zwei überbezirklich spielende SVO-Teams geben?

Alles ist möglich, denn wie ein Damoklesschwert schwebt der Rückzug von Sport-Vorstand Mark Bosselmann und anderer wichtiger Sponsoren zum Saisonende über dem Dorfklub, der sich erstmals in der Saison 2013/2014 ins "Abenteuer Oberliga" stürzte, prompt abstieg, aber nun seit dem direkten Wiederaufstieg 2015 in der höchsten Amateurliga Baden-Württembergs sesshaft geworden ist. Nur zur Erinnerung: 2004 kickte der SVO noch in der Kreisliga A.

Die jüngste Geschichte des SVO trägt also durchaus märchenhafte Züge. Sie ist aber auch geprägt von einer permanenten Gratwanderung zwischen wirtschaftlicher Vernunft und sportlichem Erfolgsstreben, die einen Dorfverein schnell und leicht an die Grenzen seiner Strukturen bringen kann, Eitelkeiten und Eifersüchteleien inklusive. Genau das ist das Problem beim SVO, in dem es durchaus auch Menschen gibt, die auf Oberligafußball gut und gerne verzichten würden, nicht zuletzt weil sie befürchten, dass der Verein deswegen seine Seele verkauft.

Diese Gefahr besteht freilich immer, wenn man nach sportlichen Erfolgen strebt. Und sie bestand also auch schon, bevor Bosselmann das Ruder übernommen hat. "Das konnte ja nicht gut gehen", hört man nun den ein oder anderen, der sich jahrelang im Erfolg gesonnt hat, sagen. Vom "Fluch der bösen Tat" ist bisweilen die Rede.

Bosselmann: "Keine



Rückendeckung"

Schuldige sind schnell gefunden, da bekommt auch die Stadt Achern, die sich nach Meinung der Kritiker nicht voll zum Oberligafußball in Oberachern (Infrastruktur, Trainingsmöglichkeiten) bekennt, stattdessen immer wieder eine für sie unvorstellbare Fusion des VfR Achern und des SV Oberachern anstößt, ihr Fett ab.

Festzuhalten bleibt, dass Bosselmann seit seinem Amtsantritt als Vorstand Sport vor zweieinhalb Jahren nie einen Hehl daraus gemacht, dass er für Oberligafußball und ein Perspektivteam als Unterbau steht. Nicht um jeden Preis, aber mit klarer Philosophie: Drei, vier gestandene Oberligarecken, dazu junge, hungrige Talente aus der Region.

Dass der Nachfolger von SVO-Urgestein Wolfgang Springmann ein Umfeld nach seinem Gusto geschaffen hat, stößt so manchem auf, ist aber nicht verwerflich. Daran ist sein zeit- und geldintensives Engagement allerdings nicht gescheitert. Dass er nun am 30. Juni 2019 als Vorstand Sport und nach achtjähriger Sponsorentätigkeit einen Schlussstrich zieht, ist vielmehr allein "der fehlenden Rückendeckung in der Vorstandschaft" geschuldet. "Um das Oberliga-Projekt am Leben zu erhalten, müssen alle an einem Strang ziehen, da darf es in Sachen sportlicher Ausrichtung des SVO nach außen keine zwei Meinungen geben. Da muss man eine gemeinsame Lini e fahren. Das war wohl schon länger nicht mehr der Fall, nur hätte ich die Zeichen früher erkennen müssen. Und da ich ein Mann von klaren Entscheidungen bin, ziehe ich eben meine Konsequenzen", begründet Bosselmann seine Entscheidung, die ihm "sehr schwergefallen" sei, und die er dem Verein schon vor Monaten mitgeteilt habe.

FC 08 Villingen



baggert an Gallus

Dass nun noch vor der Winterpause aus dem engsten Vorstandskreis Interna durchgesickert sind, zwang ihn kurzfristig zum Handeln und bestätigte ihn nur noch in seinem Entschluss. Dabei ist ihm bewusst, dass er mit seinem Rücktritt möglicherweise das Totenglöckchen für den Oberligafußball in Oberachern geläutet hat. "Das tut verdammt weh, aber damit kann und muss ich leben. Ich fühle mich aber keineswegs als Totengräber. Außerdem sollte man nie nie sagen", meint Bosselmann. Zumal er diese Runde professionell zu Ende bringen will. So kehrt in der Winterpause Nicola Leberer vom FC 08 Villingen zum SVO zurück, für Torhüter Logan Kleffer wurde Bastien Rempp (Vauban Straßburg) verpflichtet.

Dass die Geier nach der Nachricht, die letzte Woche wie eine Bombe einschlug, schon über dem Waldseesportplatz kreisen, verwundert nicht wirklich. Der FC Villingen baggert an Spielmacher Gabriel Gallus, Abwehrchef Timo Schwenk wird bereits mit dem SV Linx in Verbindung gebracht, der FC Nöttingen will Eray Gür zurückholen. Und auch die benachbarten Landes- und Bezirksligisten strecken schon jetzt ihre Fühler aus.

Den Spekulationen ist derzeit Tür und Tor geöffnet, aber wie geht's nach der Runde mit dem SV Oberachern wirklich weiter? "Wir werden kein Risiko eingehen und unter der Prämisse des finanziell Machbaren entscheiden, ob ein Verbleib in der Oberliga Sinn macht. Es wird auf alle Fälle nur noch ein hochklassiges Team geben. Zwei überbezirklich spielende Mannschaften sind absolut nicht mehr finanzierbar", sagt Vorstandsvorsitzender Ralf Lorenz. Ein freiwilliger Rückzug in die Verbandsliga, falls der Erhalt der Oberliga geschafft wird, ist nicht machbar. Dann bliebe nur noch die Landesliga, wo Team II bereits angesiedelt ist. Also wird man sich wohl mit den noch verbliebenen "jungen Wilden" ins "Abenteuer Oberliga" stürzen müssen, auch auf die Gefahr hin, dass man dort nur Kanonenfutter ist.

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