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Schritt für Schritt mit Spaß und Masterplan
Schritt für Schritt mit Spaß und Masterplan
08.12.2018 - 00:00 Uhr
Von Hucky Krämer

"Die Spieler heute sind Maschinen. Die spielen Tennis nicht aus Leidenschaft, sondern, weil ihre Eltern gesagt haben: Spiel!" Das hat kein Geringerer als der große Schwede Mats Wilander einmal gesagt. Tennis als Geschäftsidee. Wenn's gut läuft, sollen die Kids die Eltern reich machen. Doch die wenigsten der unzähligen Tenniskinder schaffen den Sprung in den Profizirkus, die meisten bleiben desillusioniert auf der Strecke. Sie haben keinen Traum mehr, weil sie von nichts anderem träumen durften als vom Tennis. Und jene, die es schaffen, werden immer langweiliger, weil sie keine Leidenschaft vermitteln. Der Tenniszirkus frisst seine Kinder.

Tim Zeitvogel ist gerade in Essen deutscher Hallenmeister der U 18 im Doppel geworden. Sein bisher größter Erfolg. Aber was bedeutet das schon? Im Profitennis interessiert man sich nicht für Jugenderfolge. Der Sinzheimer weiß das. Tennis ist seine große Leidenschaft, aber nur dem gelben Filzball hinterherzujagen, das hat ihn nie gereizt.

"Das ist mir zu unsicher, zu eintönig. Priorität hatte für mich immer eine akademische Laufbahn", sagt Zeitvogel, der schon in der zehnten Klasse auf der Heimschule Lender an der Fern-Uni Hagen ein Studium in Mathematik aufgenommen hat. Ein blitzgescheiter, bodenständiger Bursche, der sehr wohl weiß, dass man im Leistungssport immer einen Masterplan haben muss.

Dennoch lebt er weiter seinen Traum. Ab Januar 2019 hat er ein Stipendium an der Pepperdine University in Malibu, spielt dann College-Tennis auf höchstem Niveau (Division 1). "Ich will neue Erfahrungen sammeln, ein neues Netzwerk aufbauen und ganz einfach schauen, was im Tennis noch so geht. Vielleicht werde ich mich später mehr aufs Doppel konzentrieren", begründet der 18-Jährige seinen "nächsten Step", natürlich tatkräftig unterstützt von seinen Eltern Stephanie Berres-Zeitvogel und Jan Zeitvogel, die ihn allerdings nie als "Spekulationsobjekt" gesehen haben. "Tim soll immer Spaß am Tennis haben. Alles andere ist zweitrangig. Wichtig war für mich nur, dass er ein zweites Standbein aufbaut. Jetzt hat er sogar schon fünf Semester Mathematik studiert", sagt sein Vater, der selbst leidenschaftlich Tennis spielt und dessen Vater Manfred Zeitvogel einst den TC Sinzheim gegründet hat. Tim Zeitvogel liegt Tennis also im Blut, seine Schnellkraft hat er wohl von seiner Mutter Stephanie, die Sprinterin war.

Und noch eine Leidenschaft haben Vater Jan und Sohn Tim gemeinsam: Padel. Das ist ein Mix aus Squash und Tennis. Es wird mit "Speckbrettern" (Tim) und immer im Doppel gespielt. Es geht darum, den Gegner in dem durch die Wände dreidimensionalen Raum mit technischen und taktischen Finessen zu Fehler zu zwingen. Seine Familie und er haben im Varnhalter Grünbachtal den ersten Padel-Court in Baden-Württemberg gebaut und liegen damit voll im Trend. Mehr noch: Tim Zeitvogel ist Padel-Nationalspieler und unter den ersten 100 in der Weltrangliste angesiedelt. Erst kürzlich weilte er mit dem deutschen Team bei der WM in Paraguay. In Asuncion landete das deutsche Team auf Rang 14.

Zurück im Badischen begann dann die gezielte Vorbereitung auf die Hallen-DM in Essen. Auf den neuerbauten Hallenplätzen der Court4-Anlage in Varnhalt bereitete sich der 1,80 Meter große Linkshänder mit Frank Moser, der im Profitennis, speziell im Doppel, einige Siege gesammelt hat, auf sein letztes großes Juniorenturnier vor. Mit beeindruckendem Erfolg. In Essen spielten sich Tim Zeitvogel und sein Partner Lukas Engelhardt aus Augsburg in einen Rausch und besiegten im Finale auch das an Nummer eins gesetzte Doppel Niklas Guttau/Bastien Presuhn mit 4:6, 7:6 und 10:5. Gerade im Matchtiebreak zeigten die Beiden ihr bestes Tennis des Turniers. Selbst die Verbandstrainer und Scouts der amerikanischen Universitäten rieben sich nach dem sensationellen Triumph von Zeitvogel und Engelhardt verwundert die Augen.

Für Tim Zeitvogel, in der DTB-Rangliste bei der U 18 an Nummer 39 geführt, bei den Männern an 251, war das ein glanzvoller Abschluss vom Juniorentennis. Im Alter von sechs Jahren stand er erstmals auf dem Platz. Die außergewöhnliche Augen-Hand-Koordination erkannte schon früh im Jugendbereich sein erster Trainer Rolf Merkel, der ihn auch förderte. Der Besuch einer Tennis-Akademie war für Tim Zeitvogel nie eine Option. Er hat es auch nie mit dem Tennis übertrieben, ist nicht von Turnier zu Turnier gehetzt. Zehn bis 15 spielt er pro Jahr, seine Altersgenossen bis zu 40. Seine Philosophie: Mehr Training, weniger Turniere.

"Ich kann mein Spiel sehr gut reflektieren, kann mich selber trainieren", sagt der junge, aufgeweckte Kerl - und es klingt kein bisschen überheblich. Täglich investiert er mindestens zwei Stunden für seinen Sport, feilt an seinem kreativen, trickreichen Spiel. Er ist kein Haudrauf, sondern lebt von seiner Fitness und seiner Raffinesse am Netz. Und er spielt die Rückhand einhändig, wen wundert's da, dass sein großes Vorbild Roger Federer ist. In Profiturniere hat er zwar schon reingeschnuppert, aber jetzt ist erst einmal College-Tennis in den USA angesagt. Tim Zeitvo gel geht eben seinen eigenen Weg - Step by Step.

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