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Alle für Heiner,
Alle für Heiner,
07.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Frank Ketterer

Am Ende haben sie sich schwarze Bärte angeklebt, von einer Art, wie Heiner Brand ihn schon immer trägt, buschig also und über der Oberlippe. Und natürlich war das nicht nur ein ausgelassener Jux von ein paar feiernden Handballern, die ein paar Minuten zuvor Weltmeister geworden waren, sondern eine große Geste einer großen Mannschaft für einen großen Trainer. "Alle für Heiner, Heiner für alle", das war die Botschaft, die hinter all den Bärten steckte. Inniger können Spieler ihrem Trainer nicht Danke sagen.

"Das war sehr emotional", erinnert sich Brand an diesen 4. Februar 2007 in der aus dem Häuschen geratenen Kölner Lanxess-Arena - und somit an jenen Moment, in dem Polen im Finale mit 29:24 niedergerungen war und er sein einmaliges Kunststück zu Ende gebracht hatte: Weltmeister als Spieler und Weltmeister als Trainer - das hatte noch kein Handballer vor ihm geschafft.

Dass das "Wintermärchen", als das der Titelgewinn 2007 längst in die Handball-Historie eingegangen ist, in erster Linie Brands Handschrift trägt, steht außer Frage. Über Jahre hatte sich der Gummersbacher eine Mannschaft zusammengebaut, die immer mehr auch höchsten Anforderungen genügte. Dabei stand der deutsche Handball als Brand den Bundestrainerjob 1997 übernommen hatte, zumindest am Rande der Zweitklassigkeit, fortan freilich ging es nach oben - und zwar stetig: Schon ein Jahr später gewann das DHB-Team EM-Bronze, nach weiteren vier Jahren war es bereits Silber, zwei Jahre danach, 2004, Gold, flankiert von Olympia-Silber. Der WM-Titel von 2007 war quasi die Vollendung von Brands Werk. Seine Krönung.

Dabei waren Hennig Fritz, Markus Baur, Oliver Roggisch und wie sie alle heißen eher holprig ins Heim-Turnier gestartet. In der Vorrundengruppe C belegte man nach einer 25:27-Niederlage ausgerechnet gegen Polen lediglich den zweiten Platz. Noch vor der Partie war Brand zu einem Personalwechsel gezwungen: Für den an der Wade verletzten Kreisläufer Andrej Klimovets nominierte der Bundestrainer in einer Nacht-und-Nebel-Aktion den zweieinhalb Jahre zuvor aus der Nationalmannschaft zurückgetretenen Christian Schwarzer nach, der die ersten WM-Partien noch als ZDF-Experte mitkommentiert hatte. Was sich wie eine Schnapsidee anhört, wurde zum Schlüssel zum Erfolg. Der 37-Jährige pushte das Team als Motivator und Antreiber neben und auf dem Feld, vor allem aber von Sieg zu Sieg. In der Zwischenrunde wurden der Reihe nach Slowenien (35:29), Tunesien (35:28), Frankreich (29:26) und Island (33:28) besiegt, im Viertelfinale zudem Mitfavorit Spanien mit 27:25 niedergerungen. Es folgte das Halbfinal-Epos gegen Frankreich. Gleich zwei Verlängerungen waren notwendig, ehe Deutschland 32:31 gewonnen und tatsächlich das Finale erreicht hatte. "Es war das größte Theaterstück, das ich je erlebt habe", sagt Pascal Hens, genannt "Pommes" und damals unter anderem für Tore aus dem Rückraum zuständig, im Rückblick.

Der Rest? Ein gewonnenes Finale gegen Polen, unendlicher Jubel samt bundesweiter Handballeuphorie - und natürlich jede Menge Schnurrbärte.

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