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"Sperrmüll muss aus den Köpfen"
'Sperrmüll muss aus den Köpfen'
09.01.2019 - 00:00 Uhr
Mit der Ankunft im Berliner Teamhotel startete für die deutschen Handballer gestern endgültig die WM-Mission. Morgen beginnt das Turnier mit dem Auftaktspiel gegen Korea. Christoph Stukenbrock und Peer Lasse Korff sprachen im Vorfeld mit DHB-Vizepräsident Bob Hanning.

Interview

BT: Herr Hanning, morgen geht es los. Wie sehr pocht das Herz bei Ihnen so kurz vor der Heim-WM?

Bob Hanning: Wir verspüren eine unglaublich große Vorfreude auf das, was uns jetzt erwartet. Volle Hallen, Riesenstimmung und hoffentlich der sportliche Erfolg, den wir uns alle in Deutschland von der Nationalmannschaft wünschen.

BT: Wie lautet die Zielsetzung an das Team und an Bundestrainer Christian Prokop? Wann wäre die WM eine sportlich erfolgreiche?

Hanning: Sportlich muss die Zielsetzung Hamburg lauten. Das Halbfinale ist unser Anspruch. Diesen Anspruch müssen wir klar definieren. Wir tun nach den Erfahrungen der letzten Turniere aber gut daran, zunächst unser Ziel in Berlin sauber zu erledigen und dann unsere Hausaufgaben in Köln zu machen. Denn Heimspiele, das ist immer der Anspruch einer deutschen Nationalmannschaft, gilt es zu gewinnen. Mein großer Traum ist es dann, zum Abschluss ein Auswärtsspiel im dänischen Herning zu haben. Dort gibt es zwar nur zwei Hotels, aber schaffen wir es bis ins Endspiel, würde ich auch in ein Achterzimmer in der Jugendherberge ziehen.

BT: Es hat nach EM-Platz neun viele Schlagzeilen über das schwierige Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft gegeben. Wie nehmen Sie die Atmosphäre aktuell wahr?

Hanning: Was wir in Kroatien abgeliefert haben, war einer deutschen Nationalmannschaft und ihren Ansprüchen nicht in irgendeiner Form würdig. Aber Umfeld, Trainer und vor allem auch die Spieler haben sehr hart an sich gearbeitet. Ich habe ein sehr gutes Gefühl, dass alle jetzt bereit sind, mehr in den Topf einzuzahlen als rauszunehmen.

BT: Klingt nach perfekten Voraussetzungen.

Hanning: Das kann man so sagen. Jetzt müssen wir das Ganze unter dem Scheinwerferlicht vor einem Millionenpublikum auch beweisen. Ich traue es der Mannschaft zu.

BT: Welche Rolle spielt der öffentliche Druck auf das Team?

Hanning: Wir machen die schönste Nebensache der Welt, eine wunderbare Sportart. Wir sollten jetzt nicht jammern, sondern den Druck als Rückenwind wahrnehmen. Dieser ganze Sperrmüll der EM muss aus den Köpfen raus. Wir haben jetzt Benzin aufgefüllt und die Reifen gewechselt. Deswegen erwarte ich, dass wir die positive Energie, die wir zuletzt aufgeladen haben, nun auch umsetzen. Die Mannschaft und der Trainer müssen ihre PS jetzt auf die Straße bringen, um ein großes Rennen zu fahren.

BT: Die Zukunft von Trainer Prokop hing nach der EM-Enttäuschung lange am seidenen Faden. Wie erleben Sie ihn kurz vor seinem zweiten Turnier als Bundestrainer?

Hanning: Er ist extrem positiv eingestellt. Er ist hoch fokussiert, hat dabei aber die Lockerheit wieder gefunden, die ihn über die vielen Jahre als Trainer auch stark gemacht hat. Er hat nun die Sicherheit, die Mannschaft hinter sich zu wissen.

BT: Die deutschen WM-Spiele werden erstmals seit sechs Jahren wieder in ARD und ZDF zu sehen sein. Welche Bedeutung hat das Turnier für die Sportart Handball?

Hanning: Ich glaube, dass der ausgehandelte Fernsehvertrag bis einschließlich zur EM in Deutschland 2024 für uns vielmehr Chance als Risiko ist. Er ist ein Quantensprung für unsere Sportart. Nun gilt es, gemeinsam neue Gesichter für die Fernsehzuschauer aufzubauen. Die Bühne der öffentlich-rechtlichen Sender ist für den Handball die große Chance, den Abstand zum Fußball verkürzen.

BT: Welche Spieler haben das Potenzial, die große Masse zu mobilisieren?

Hanning: Es sind die Spieler, die ihre Leistung überdurchschnittlich abrufen werden. Stars werden in Turnieren wie der Weltmeisterschaft geboren. Jetzt wollen wir mal sehen, wer in diesen maximalen Drucksituationen dazu in der Lage ist. Ob das ein Andy Wolff im Tor ist, ein Hendrik Pekeler als unser Abwehrchef oder ein Paul Drux als Liebling aller Schwiegermütter - das wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Eines ist aber sicher: Sie werden nur dann zu Stars, wenn sie sich jetzt als solche präsentieren.

BT: Das Eröffnungsspiel, im ehemals geteilten Berlin gegen ein vereintes Team Korea zu spielen, ist etwas Besonderes. Welche Bedeutung hat dieses Spiel?

Hanning: Da gebührt Weltverbandspräsident Hassan Moustafa, einem Visionär unserer Sportart, der aus deutscher Sicht oft falsch wahrgenommen wird, ein großer Dank. Er hat dieses Spiel initiiert. Dieses Spiel ist geschichtsträchtig und bringt viel Aufmerksamkeit für unsere Sportart. Es werden ganz viele Minister da sein, zudem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und IOC-Präsident Thomas Bach, um genau dieses Event mitzuerleben.

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