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Noch ein letztes Hurra?
Noch ein letztes Hurra?
31.01.2019 - 00:00 Uhr
Felix Neureuther wiegelte alle Nachfragen zu einem Rücktritt ab, zwar mit seinem typisch charmanten Grinsen, aber doch deutlich. "Ich werde bald eine Entscheidung bekannt geben", sagte der beste deutsche Skirennfahrer nach dem Nachtslalom von Schladming. Sein achter Platz bei eisigen Bedingungen war da schon zur Nebensache geworden, selbst der Ausblick auf die anstehende WM in Schweden rückte in den Hintergrund. Die drängendste Frage war: Steht Neureuther vor dem Ende seiner Karriere?

"Jetzt werde ich noch die WM fahren und dann wird es sich zeigen", meinte er. Dabei sah in Österreich schon vieles nach Abschied aus: Neureuther ließ sich nach Durchgang zwei im Ziel von den 45 000 Fans feiern, verbeugte sich und klopfte auf sein Herz. Von Kollegen und Trainern bekam er unzählige Schulterklopfer, seinem Kumpel Julien Lizeroux lag er lange in den Armen.

"Das geht einem schon sehr nahe, sehr tief ins Herz", erzählte der 34-Jährige. "Die letzten eineinhalb Jahre waren nicht einfach. Das so erleben zu dürfen, macht einfach sprachlos." In Österreich ist der Oberbayer ein Publikumsliebling, viele Fans fiebern mit ihm mehr mit als mit Überflieger Marcel Hirscher, der wieder überlegen gewann. "Ich hatte schon vor der Ziellinie Gänsehaut", sagte Neureuther.

Dass ihm auf den Skipisten im Weltcup noch lange zugejubelt werden kann, das wurde zuletzt immer unwahrscheinlicher. Schon vor zwei Wochen in Adelboden war er gefragt worden, was denn die WM in Are für ihn sei. Er antwortete damals kryptisch: "Vielleicht ein schöner Abschluss." Den DSV würde ein Rücktritt schwer treffen, hinter dem Vorzeigeathleten klafft eine große Lücke. "Die erste Reihe ist im Moment bloß der Felix", sagte Sportdirektor Wolfgang Maier. "Es ist deutlich zu sehen, dass unsere zweite Reihe den Anschluss verloren hat."

Der Saisonhöhepunkt steht jetzt voll im Fokus von Neureuther. Nach einer langen Verletzungspause und mäßigem Erfolg bei seinen diesjährigen Comeback-Rennen sucht der Familienvater noch nach der Form und dem richtigen Material. Trotz der Plätze 8, 8, 15, 17, 11 und 8 in diesem Winter geben sich die Verantwortlichen im DSV optimistisch. "Ich bin ziemlich überzeugt vom Felix, dass der beim nächsten Rennen ziemlich geil auftreten wird", sagte Bundestrainer Mathias Berthold. Er meinte den WM-Slalom am 17. Februar. Ob Neureuther im Riesenslalom am Sonntag in seinem Heimatort Garmisch-Partenkirchen antritt, will er erst heute entscheiden.

Der Rückstand von 3,23 Sekunden auf Sieger Hirscher sei "natürlich eine Katastrophe", fand Berthold. "Aber es fehlt nicht viel und dann sieht das gleich wieder ganz anders aus." Neureuther ist berühmt dafür, auch bei ganz schlechten Vorzeichen im entscheidenden Moment dann doch oft zu überzeugen, zuletzt gewann er drei WM-Slalom-Medaillen in Serie. In Are gehe es "wieder bei null los. Die Brutalität, die hole ich mir". (dpa)

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