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Charaktertest bestanden
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04.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Christian Rapp

Anton Fink stand verschwitzt in der Mixed Zone, sein kleines Töchterchen auf dem Arm, und strahlte. Auch wenige Minuten zuvor stand der Drittliga-Rekordtorschütze wieder mal goldrichtig: Nach einer punktgenauen Flanke von Marc Lorenz machte der Angreifer des Karlsruher SC, von der Gästeabwehr mutterseelenallein gelassen, mit seinem Kopfball aus fünf Metern zum 3:1 (80.) gegen Fortuna Köln den Deckel auf den ersten Pflichtspielsieg 2019 - verbunden mit der Festigung von Tabellenplatz zwei, da die direkten Konkurrenten aus Halle und Uerdingen patzten.

Dass Fink schließlich so beseelt und mit einem Lächeln im Gesicht über den gelungenen Start der "Mission Aufstieg" redete, war in der Halbzeit der Partie nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Zu behäbig im Zweikampf, zu fehlerbehaftet der Spielaufbau, zu wenig Laufbereitschaft - es schien, als wären die Badener noch mitten im Winterschlaf. "Wir haben eine Halbzeit gebraucht, um richtig in die Rückrunde zu starten", stellte Fink fest, und schob den Grund dafür gleich hinterher: "Für Fortuna war es bereits das zweite Spiel, für uns das erste." Der 31-Jährige spielte damit auf den schneebedingten Ausfall der Partie gegen den FSV Zwickau am vergangenen Wochenende an. Und tatsächlich, der KSC war in den ersten 40 Minuten noch ziemlich "rostig" unterwegs - und bekam bereits nach drei Minuten dafür die kalte Dusche: Nach einer harmlosen Flanke von Thomas Bröker Richtung KSC-Strafraum schaltete Außenverteidiger Damian Roßbach ab, verließ sich auf seinen zögerlich herauslaufenden Torhüter Benjamin Uphoff. In Roßbachs Rücken spritzte Kölns Dominik Ernst dazwischen und bugsierte den Ball ins Tor. "Das hat uns natürlich nicht in die Karten gespielt. Nach dem Rückstand war der Spielrhythmus noch nicht da. Wir haben eine gute halbe Stunde gebraucht, um reinzukommen", sagte KSC-Coach Alois Schwartz. Allein Uphoff verhinderte in der Folge einen höheren Rückstand.

Während die Wildparkprofis gegen die gut gestaffelte Fortunen-Abwehr kein Mittel fanden und die KSC-Schaltzentrale mit Marvin Wanitzek und Manuel Stiefler neben sich stand, zeigten sich die abstiegsbedrohten Rheinländer giftig in den Zweikämpfen, lauffreudig und schnörkellos im Angriffsspiel. So musste Uphoff bei Möglichkeiten gegen Hamdi Dahmani (18.), Ernst (28.) und Benjamin Pintol (38.) sein ganzes Können aufbieten. Die Schwartz-Elf kam in der ersten halben Stunde dagegen nur einmal gefährlich vor das Tor: Nach einer Hereingabe von Lorenz verpasste Marvin Pourié um einige Zentimeter (19.).

Zur mäßigen Vorstellung des Rangzweiten gesellte sich dann in Minute 39 auch noch Pech hinzu: Nach einem weiten Einwurf von Lorenz kam Kapitän David Pisot im Strafraum an den Ball, sein Schussversuch landete am langen Pfosten bei Fink, der leichtes Spiel hatte: Ausgleich. Denkste! Schiedsrichter Timo Gerlach war der Meinung, dass Pourié beim Zuspiel von Pisot den Ball berührt hatte und entschied auf Abseits. Der Wildpark kochte. "Der Linienrichter lässt die Fahne unten und wird überstimmt. Das verstehe ich nicht. Auf jeden Fall war es kein Abseits. Damit gehen wir dann in die Pause. Was ich aber immer sage, die Mannschaft hat Charakter und Mentalität, das hat sie dann gezeigt", so Schwartz.

In der Tat, der KSC kam wie verwandelt aus der Kabine, schnürte die Fortuna nun tief in deren Hälfte ein, zeigte Herz und Leidenschaft und erspielte sich Eckball um Eckball. Kein Wunder, dass ein solcher zum 1:1 führte: Wanitzek zirkelte die Kugel gekonnt auf den Kopf von Roßbach, der zum ersten Mal seit seiner schweren Kopfverletzung mit dem Schutzhelm traf (55.). "In der zweiten Hälfte hat dann nur noch eine Mannschaft Fußball gespielt. Wir haben eine Reaktion gezeigt und letztlich verdient gewonnen", befand Pisot.

Ein Distanz-Hammer von Wanitzek brachte den KSC zehn Minuten später dann auf die Siegerstraße. Einwurf Lorenz, Annahme Wanitzek, der aus dem Stand aus 25 Metern den Ball in die Maschen drosch - Fortunen-Keeper Nikolai Rehnen war ohne Chance. "Wir wussten, dass Wanitzek so etwas kann und haben es trotzdem nicht verhindern können", sagte Gästecoach Tomasz Kaczmarek . Mit der Führung im Rücken dominierte der KSC nun das Geschehen, Torwart Uphoff war nur noch bei einem Distanzschuss von Moritz Hartmann gefragt (75.). Fünf Minuten später machte dann Fink mit seinem zehnten Saisontor alles klar. Pourié (85.) und der eingewechselte Sercan Sararer (90.) verpassten gar das vierte und fünfte Tor nachzulegen. Der guten Laune tat dies freilich keinen Abbruch, zu sehen an Marvin Pourié, der dem Töchterchen seines Sturmpartners einen Tipp gab. "Sag dem Papa, er soll nicht so viel quatschen", frotzelte Pourié, lachte und verschwand in der Kabine.

Karlsruher SC: Uphoff - Roßbach, Gordon, Pisot, Thiede - Wanitzek, Stiefler - Camoglu (89. Sararer), Lorenz (90. Röser) - Fink (89. Choi), Pourié.

Fortuna Köln: Rehnen - Ernst, Kyere, Uaferro, Fritz, Bröker - Kegel (81. Andersen), Brandenburger - Eberwein, Pintol (79. Exslager), Dahmani (72. Hartmann).

Schiedsrichter: Timo Gerach (Landau) - Zuschauer: 10 067 - Tore: 0:1 Ernst (3.), 1:1 Roßbach (55.), 2:1 Wanitzek (65.), 3:1 Fink (80.) - Gelbe Karten: Lorenz (7)/Fritz (2), Andersen (2), Brandenburger (8) - Beste Spieler: Fink, Uphoff - Eberwein, Kegel.

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