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Ein bisschen Drama, ein bisschen Show, ein paar Anzüglichkeiten
07.02.2019 - 00:00 Uhr
Irgendwann war Lindsey Vonn (Foto: AFP) nicht mehr lustig, obwohl sie es krampfhaft versuchte. Ihre Witze waren Rohrkrepierer, die im Auditorium eher Fremdschämen auslösten. Ganz zu schweigen von den Anzüglichkeiten, die sie ständig glaubte loswerden zu müssen - denn: Während der Pressekonferenz, die Lindsey Vonn bei der WM in Are selbstverständlich unbedingt halten wollte, hatte sie vor sich auf einem Tisch ihr Handy aufgestellt, ihr Freund, der bekannte Eishockey-Spieler P. K. Subban, sollte ihr live zusehen und hören, dass sie mit ihm dringend Sex haben wollte.

"Das kann ich euch nicht erzählen, das wäre unpassend", sagte Vonn auf die Frage, was sie als erstes tun würde, wenn sie denn wieder daheim bei ihrem "Boyfriend" ist. Sie winkte Subban zu, sie kicherte, grinste - aber es war dann doch eher peinlich. Wie viele andere reichlich eindeutige Bemerkungen, die im bekannt prüden US-Fernsehen mit einem "Piep" übertönt worden wären. Vonn allerdings dürfte dies egal gewesen sein, selbst wenn sie es bemerkt hätte. Wenig zählt im Leben der 34 Jahre alten Amerikanerin mehr als Aufmerksamkeit - dies ist für sie eine Art Grundnahrungsmittel.

Ihren Abschied vom alpinen Ski-Rennsport inszeniert Vonn dieser Tage wie eine Seifenoper, was sie angesichts ihrer zweifelsohne großartigen sportlichen Errungenschaften gar nicht nötig hätte. Für Montag lud sie in Are zu einer Pressekonferenz ein, die aber flugs abgesagt wurde, weil das Anreisechaos ja auch die Mehrheit der Journalisten betroffen hatte. Sie verschob ihren Termin auf den Dienstag im Anschluss an die obligatorische Präsentation der Medaillengewinnerinnen im Super-G. Eine gute Gelegenheit, ihren (besseren) Konkurrentinnen die Show zu stehlen.

Vonn konnte freilich nicht über eine Medaille sprechen. Sie war ja gestürzt. Spektakulär, das schon, aber sie blieb dann doch so lange liegen, dass es nach mehr aussah, als es war. Dies geriet etwa Viktoria Rebensburg zum Nachteil: In den zehn Minuten, die Vonn benötigte, um aus dem Fangnetz zu krabbeln und anschließend regelwidrig und zu allem Überfluss noch winkend den Kurs bis ins Ziel abzufahren, schoben sich Wolken vor die Sonne. Ohne diese Entwicklung, betonte Siegerin Mikaela Shiffrin, wäre vielleicht Rebensburg Weltmeisterin geworden.

Aber für Vonn zählt eben nur Vonn, weshalb sie die gute halbe Stunde, in der sie vom nahenden Ende der Karriere und vom Leben danach sprach, auch weidlich nutzte. Noch einmal erzählte sie von der Baustelle, die ihr Körper mittlerweile ist. Für die Schweden unter den Zuhörern erwähnte Vonn, sie hoffe, dass der große Ingemar Stenmark, dessen Rekord von 86 Siegen im Weltcup sie nun nicht erreichen wird, zu ihrem wirklich letzten Rennen, der Abfahrt am Sonntag, erscheinen werde. Stenmark hat sich für Montag angemeldet.

Sie sei übrigens noch lange nicht am Ende, versicherte Vonn. Falls einen Widrigkeiten stärker machten, "dann bin ich jetzt der Hulk", sagte sie. Das heißt für die Abfahrts-Olympiasiegerin von 2010 und zweifache Weltmeisterin von 2009 für das Rennen am Sonntag (12.30 Uhr/ARD und Eurosport): "Schreibt mich nicht ab, vielleicht habe ich ja noch ein Ass im Ärmel. Ich kann immer noch gewinnen." (sid)

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