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Alter schützt vor Toren nicht
Alter schützt vor Toren nicht
16.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Hucky Krämer

Immer weiter: Fußball-Oldie Murat Sür denkt gar nicht ans Aufhören. Warum auch? Der Mann, 1,78 Meter groß, mal 77, mal 79 Kilogramm schwer, sprüht auch mit seinen nunmehr fast 42 Jahren noch immer vor Tatendrang. Der feurige Blick. Diese Augen. Sie sind, wenn er sie aufreißt, von einer wilden Entschlossenheit.

Und auf dem Platz wird der Türke ("Ich bin einer, der nicht verlieren kann") zu einem Vulkan, da zählen für ihn nur Tore, Tore, Tore. Unzählige Treffer hat er in seiner langen Karriere erzielt. Verdammt schöne. Verdammt wichtige. Gezählt hat er sie nicht.

"Ich bin kein Statistiker", sagt er. Ein Blick darauf lohnt sich aber allemal. Allein in dieser Saison traf der Spielertrainer des B-Kreisligisten Türkiyemspor Selbach 27 Mal ins Schwarze, vor zwei Jahren schoss er mit seinen 34 Treffern den TC Fatihspor Baden-Baden in die Bezirksliga. Tore pflastern den langen Weg des Mittelfeldspielers. Sür ist auch ein Meister des ruhenden Balls. Überhaupt ist der Ball sein Freund. Sür ist imstande ihm alles Widerspenstige zu nehmen und ihm die Schwerelosigkeit eines Gedankens zu geben. "Als Offensivmann muss man zwar egoistisch sein, aber ich bereite auch gerne Tore vor", sagt Sür, den ein Kollege einst zum "Ballack von Au" adelte. Mit Michael Ballack hat Sür jedoch nichts am Hut, wenn überhaupt, dann ist der große Franzose Zinedine Zidane sein Vorbild. Oder Claudio Pizarro, der mit seinen 40 Jahren in der Bundesliga noch immer herrliche Tore erzielt.

Geboren wurde Murat Sür am 24. Juni 1977 in Rastatt. Sein Vater war als türkischer Gastarbeiter nach Deutschland gekommen und arbeitete bei Daimler in Gaggenau. Sür ist ein "Eisweiher-Bolzplatzkind", erst mit 16 Jahren durfte er, weil für seinen Vater "der Fußball keinen Stellenwert" hatte, in der B-Jugend des VfB Gaggenau kicken. 1995 wechselte er zum FC Rastatt 04, wo er als A-Jugendlicher bereits im Verbandsligateam zum Einsatz kam. Damals flatterte ihm eine Einladung des türkischen Clubs Karabükspor, der in die erste Liga aufgestiegen war, ins Haus. Und wie jeder junge Kicker träumte er von einer Profikarriere. Doch sein Vater bestand darauf, dass der Sohnemann eine Ausbildung zum Industriemechaniker macht.

So begannen Murat Sürs Fußball-Wanderjahre in Mittelbaden mit den Stationen: FC Durmersheim, Rückkehr zum VfB Gaggenau, Kurztrip zum ASV Durlach, FC Rastatt 04, SV Au, Spielertrainer beim VFB Gaggenau 2001, Rückkehr zum FC 04, Spielertrainer beim FV Würmersheim und FV Haueneberstein, VFB Gaggenau 2001, Spielertrainer bei Türkiyemspor Selbach und TC Fatihspor, vergangene Saison Spieler beim SV 08 Kuppenheim - und bei Türkiyemspor Selbach, wo mittlerweile sein Bruder die sportliche Leitung übernommen hat, schließt sich nun der Kreis.

Murat Sür hat in seiner Fußballkarriere viel erlebt und viel erreicht. Er stieg mit dem FC Rastatt 04 in die Verbandsliga und dem SV Au in die Landes- sowie Verbandsliga auf, feierte als Spielertrainer Meisterschaften mit dem VFB Gaggenau 2001, den er in der Saison 2006/2007 mit seinen 32 Toren in die Bezirksliga schoss, Türkiyemspor und Fatihspor.

Als Spieler schon wie ein Trainer gedacht

Und von jedem seiner Trainer, ob Valentin Herr, Thomas Deuchler, Martin Jung, Gerd Pfrang, Rifat Kolasinac oder Matthias Frieböse, hat er gelernt. "Jeder hatte seine eigene Art, die mich immer ein Stückchen weiter brachte", sagt Sür, der schon als Spieler wie ein Trainer dachte. Außerdem hat er auf seinen Wanderjahren zahlreiche neue Freunde gewonnen.

Am längsten, fünf Jahre am Stück, hielt es Sür beim SV Au aus. In dieser Zeit durchlebte er auch seine schwerste Zeit als Fußballer. In der Saison 2002/ 2003 erlitt er am siebten Spieltag in der Partie gegen Kuppenheim einen Schienbeinbruch, ballerte aber dann dennoch die Auer in den letzten fünf Partien mit fünf Toren in die Verbandsliga. In der Vorbereitung auf die neue Runde brach die alte Verletzung wieder auf. Eineinhalb Jahre musste der türkische Vollblutfußballer pausieren. Doch damit nicht genug: Genau vor dieser bitteren Zeit war Sür erneut auf dem Sprung ins Profilager gewesen, und diesmal hätte auch sein Vater ihn nicht daran hindern können.

"Das Leben ist eben kein Wunschkonzert, ich vermisse und bereue jedenfalls nichts", sagt Sür im Nachhinein. In dieser schweren Zeit hat er seinen Industriemeister gemacht, mittlerweile ist der dreifache Familienvater (zwei Söhne, eine Tochter) Betriebsrat bei Daimler in Rastatt. "Im Fußball habe ich vieles über das Leben erfahren. Wenn du keinen Aufwand betreibst und nicht alle an einem Strang ziehen, gibt es keinen Erfolg", meint Sür, der mit seiner Familie in Gaggenau lebt. Fußball macht dem "ewigen Sür" noch immer großen Spaß. Deshalb quält er sich und spielt munter weiter, nebenbei auch noch beim FC Unitas für gemeinnützige Zwecke. Und in seinen Fußstapfen wandeln bereits die Söhne Devin (14) und Sinan (15), die beim SV 08 Kuppenheim mit Erfolg am Ball sind.

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