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"Wir müssen das einfach cleverer angehen"
'Wir müssen das einfach cleverer angehen'
02.03.2019 - 00:00 Uhr
Richard Drewniak hat vor Saisonbeginn das Traineramt beim Eishockey-Regionalligisten ESC Hügelsheim angetreten. Mit der Playoff-Halbfi nalteilnahme ist das erste Ziel erreicht. Nach der Pflicht soll im Duell mit dem Vorrundenprimus SC Bietigheim-Bissingen II die Kür folgen. Das erste Duell endete mit einer 5:7-Niederlage in Württemberg. Wenn die Saison für die Spargeldörfer heute nicht enden soll, muss das Heimspiel in der heimischen Airpark-Arena (19.30 Uhr) unbedingt gewonnen werden, um ein drittes Spiel, dann wieder in Bietigheim, zu erzwingen.

BT-Redakteur Michael Ihringer unterhielt sich mit Drewniak, der in dieser Woche 46 Jahre alt wurde, über das zweite Duell, seine Eindrücke in der Premierensaison in Mittelbaden und über seine Zukunft.

Interview

BT: Herr Drewniak, wäre ein Heimsieg heute für Sie ein schönes nachträgliches Geburtstagsgeschenk?

Richard Drewniak: Auf jeden Fall, das wäre super. Ich hätte natürlich am Sonntag in Bietigheim schon gerne reingefeiert in den Geburtstag, aber man kann nicht alles haben.

BT: Ist nicht eher zu befürchten, dass ab morgen für Sie und die Spieler die vorgezogenen Sommerferien beginnen?

Drewniak: Auf keinen Fall. Wir haben ein Spiel verloren, aber noch nicht die Serie. Wir haben zuvor auch gegen Zweibrücken gezeigt, dass wir unter Druck abliefern können. Von daher bin ich absolut guter Dinge, dass wir ins entscheidende dritte Spiel kommen.

BT: Der ESC hat zu Hause schon jahrelang gegen Bietigheim nicht mehr gewonnen. Wie könnt Ihr dann zweimal in Folge gegen sie gewinnen?

Drewniak: Auswärts wurde dort auch schon länger nicht mehr gewonnen, diese Saison haben wir es beim 5:2 erstmals geschafft. Irgendwann ist immer das erste Mal. Bietigheim hat derzeit eine Serie von elf Siegen in Folge, die haben auch noch keine zwei Spiele in Folge verloren. Von daher ist das für uns noch ein Extra-Ansporn, diese Serie zu beenden. Das ist unsere Mission.

BT: Die Erkenntnis aus dem ersten Duell beim 5:7 lautet sicher: Bei sieben Gegentoren, allein drei davon in Überzahl, ist es schier unmöglich, so eine Spitzenmannschaft zu schlagen...

Drewniak: Generell muss man das alles etwas relativieren. Bietigheim hat eine unheimlich junge Mannschaft, die haben viermal in der Woche Training. Die Jungs sind absolut topfit, die spielen mit einem brutalen Forechecking, das schaffen wir eben nicht, weil unser Kader dafür viel zu klein ist. Dazu haben sie noch einige ältere, erfahrene Spieler. Wir müssen das einfach cleverer angehen als beim 5:7. Das Spiel an sich war mit das Beste, was wir bisher in dieser Saison gemacht haben, was die Chancenausgeglichenheit betrifft. Die haben in den drei Saisonduellen gegen uns immer fast doppelt so viele Schüsse auf unser Tor gefeuert, trotzdem haben wir die Partie ausgeglichen gestaltet. Wir haben es leider nicht geschafft, nach dem 3:3-Ausgleich im zweiten Drittel das Momentum für uns zu nutzen, weil das Spiel in dieser Phase hätte kippen können. Dann kamen bei uns die Strafzeiten, es entstand Unruhe und wir bauten zu viele grobe Fehler. Da waren Totalaussetzer von manchen Spielern dabei, die man von ihnen nicht so gewohnt ist. Von so einer Topmannschaft werden die dann eben bestraft. Das müssen wir besser machen, wir müssen die Fehler minimieren.

BT: Ist Ihr dünner Kader ein Nachteil, verglichen mit dem des Gegners?

Drewniak: Die 1b von Bietigheim soll ja das Sprungbrett vom Nachwuchs hin zur ersten Mannschaft sein, also dem DEL2-Spitzenteam. Da sind natürlich Spieler dabei, die auch schon im Kader der ersten Mannschaft sind, sie sollen aber ihre Spielpraxis auch in der 1b bekommen. Das ist absolut legitim. Deshalb haben die am Sonntag auch alles aufgeboten, was Rang und Namen hat. Verglichen mit deren großem Kader ist das für uns schon ein Nachteil. Jeder Ausfall tut uns weh - wie zum Beispiel der von Dennis Walther. Er ist eine absolute Stütze und hat 2019 noch kein Spiel gemacht. Seinen Ausfall können wir nicht kompensieren. Auch Raphael Diebold war ja verletzt, dann hat man plötzlich nur noch fünf Verteidiger. Das merkt man dann schon, vor allem gegen einen so konditionsstarken Gegner.

BT: Können die beiden Kontingentspieler Graham Brulotte und Martin Vachal die langjährigen kanadischen Führungsspieler Cedrick Duhamel und Math Fleury vollwertig ersetzen?

Drewniak: Beide bringen definitiv ihre Leistungen, obwohl es schwierig ist, Duhamel und Fleury zu ersetzen. Brulotte ist eben nicht der typische kanadische Torjäger, das ist genau das, was uns fehlt. Ein Cedrick Duhamel in Topform würde uns schon guttun. Graham Brulotte ist unheimlich schnell, ich glaube sogar der schnellste Spieler in der Liga, aber eben nicht so der "Knipser". Für einen Ausländer ist ein Tor in zwei Spielen einfach zu wenig, da erwartet man mehr. Andererseits ist er mit 21 Jahren eben noch ein junger Spieler, er hat bislang auch noch nie so einen Druck verspürt, als Importspieler liefern zu müssen. Er kommt ja aus dem kanadischen Nachwuchsbereich, da muss man ihn schon auch in Schutz nehmen. Martin Vachal ist mit 25 schon etwas älter. Bei ihm sieht man, dass er absolute Klasse hat, der kämpft und ist immer präsent.

"Fanunterstützung ist gigantisch"

BT: Was hat Ihnen in Ihrer ersten Saison in Hügelsheim gefallen und was weniger?

Drewniak: Das Vereinsumfeld, das Management ist hervorragend. Es gibt natürlich immer etwas zu verbessern, aber da arbeite ich aktiv mit. Die Fanunterstützung ist natürlich gigantisch, vor solchen euphorischen Anhängern zu spielen, die auch auswärts wie nach Bietigheim mitfahren. Fast jedes Heimspiel ist ja ausverkauft. Deswegen fühlt man sich als Trainer auch verantwortlich für die Zuschauer, für den Vorstand, dass die Leistung stimmt. Klar: Hügelsheim ist finanziell immer unter Druck, dadurch, dass die Eishalle selber betrieben wird und folglich unheimlich hohe Betriebskosten bestehen. Es ist eigentlich immer so: Die Mannschaft muss irgendwie in die Playoffs kommen, um diese zusätzlichen Einnahmen zu haben. Was sportlich von vornherein nicht so einfach war, da die Regionalliga unheimlich stark und ausgeglichen geworden ist. Wir hatten insgesamt sieben Abgänge zu verkraften, dann sind während der Saison ja auch noch Torwart Wagner und Brenner gegangen, was zusätzlich ein Nackenschlag für uns war. Am Ende haben wir uns aber durchgesetzt und die Playoffs erreicht.

BT: Von daher dürfte es auch klar sein, dass Sie auch in der nächsten Saison hinter der Rhinos-Bande stehen?

Drewniak: Zufrieden sein kann man nie, weil in dieser Vorrunde einfach noch mehr drin gewesen wäre. Die Saison ist aber noch nicht zu Ende, wir haben es noch selbst in der Hand. Ich sage immer: Wenn man in den Playoffs das letzte Spiel gewinnt, hat man alles richtig gemacht. Ich habe tatsächlich mit dem Vorstand noch nicht über die nächste Saison gesprochen. Wir haben vereinbart, dass wir uns nach der Saison zusammensetzen, die ganze Saison Revue passieren lassen, dann alles analysieren werden und schauen, ob wir im Endeffekt noch die gleichen gemeinsamen Ziele und Visionen haben. Wenn das so ist, werden wir sicher zusammenfinden. Wenn nicht, dann eben nicht. Ich bin immer ein Freund des offenen, ehrlichen Gesprächs, dass alles von beiden Seiten auf den Tisch kommt. Es ist ja dann auch die Frage, wie die Mannschaft nächste Saison aussehen muss. Können wir mit ihr unsere Ziele langfristig noch verfolgen. Was muss also auch im Hintergrund dafür getan werden, dass wir auch nächste Saison noch konkurrenzfähig sind. Die Voraussetzungen hierfür müssen eben geschaffen werden. Ist das tatsächlich so, dann bin ich auch absolut positiver Dinge.

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