http://www.spk-bbg.de
Mit etwas Glück - und Gordon
04.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Frank Ketterer

Selbst der Mann, der es am besten hätte wissen müssen, wusste es nicht, zumindest war sich Daniel Gordon nicht gänzlich sicher. "Vom Gefühl her war es so, dass ich auf der Linie rette", gab der Innenverteidiger des Karlsruher SC später zwar zu Protokoll. Schon im nächsten Satz schränkte er dieses Gefühl aber auch ein. "Auf den Fernsehbildern, die ich danach gesehen habe, sieht es so aus, als sei der Ball hinter der Linie", gab Gordon zu.

Die Szene, über die der 34-Jährige da sprach, hatte sich in der vierten Minute der Nachspielzeit des Drittliga-Gipfels zwischen dem KSC und dem VfL Osnabrück zugetragen. 2:1 führten die Badener. "Der KSC ist wieder da", sang der mit knapp 14 000 Zuschauern gefüllte Wildpark in Vorfreude auf den zu erwartenden Sieg, den ersten nach zuvor vier sieglosen Spielen. Der freilich wäre um ein Haar noch flöten gegangen. Erst gelang es Sven Müller, der das KSC-Tor für den angeschlagenen Stammkeeper Benjamin Uphoff hütete, beim vermeintlich letzten Angriff der Osnabrücker nicht, den Ball festzuhalten oder aus der Gefahrenzone zu boxen, den Abpraller schoss Osnabrücks Marcos Alvarez gefährlichst Richtung Torlinie. Auf der stand freilich, siehe oben, Daniel Gordon und drosch das Spielgerät zurück ins Feld - und zwar bevor es die Linie überquert hatte, wie Schiedsrichter Robert Hartmann abschließend urteilte. Der Unparteiische, der sich zuvor mit der ein oder anderen Entscheidung den Unmut des Karlsruher Publikums zugezogen hatte und in die Pause gar mit "Schieber"-Rufen verabschiedet worden war, ließ das Spiel jedenfalls weiterlaufen. Erst zwei Minuten später pfiff er die Partie ab und die Karlsruher Siegesfeier endgültig an.

So war ganz am Ende wohl auch ein wenig Glück dabei, wie selbst Gordon einräumte. Dass der Sieg der Badener in diesem rassigen Spitzenspiel nicht unverdient zustande gekommen war, stand indes trotz der strittigen Schlussszene außer Frage, selbst Gästetrainer Daniel Thioune stellte das nicht in Abrede. Bestenfalls einen Punkt, so sagte er, hätten die Seinen mit etwas Fortune mitnehmen können. "Als Sieger", fuhr er fort, "hätten wir nicht vom Platz gehen dürfen".

Das war eine ebenso sportsmännische wie korrekte Kurzzusammenfassung einer Partie, in der von Beginn an Musik drin war. Aus Karlsruher Sicht nicht minder erfreulich: Der KSC gab recht bald schon den Ton an. Nichts zu sehen war von der Verzagtheit und Zurückhaltung, gerade in der Anfangsphase, der letzten Wochen. Erstaunlich frisch und mutig drängten die Badener vielmehr nach vorne, wobei sich vor allem der in die Startelf zurückgekehrte Anton Fink und Manuel Stiefler immer wieder hervortaten. Dabei machten sie keineswegs den Fehler, ihre Defensive zu vernachlässigen. Entsprechend schwer tat sich der VfL über weite Strecken, sein eigenes Spiel aufzuziehen.

"Wir haben heute das Gesicht gezeigt, dass uns in der Vergangenheit stark gemacht hat", urteilte hernach Alois Schwartz. "Leidenschaft" sowie "ganz viel Zweikampf- und Laufstärke", attestierte er seinen Spielern. Zu was das bald schon führte, beschrieb Stürmer Fink: "Wir wollten über den Kampf ins Spiel kommen. Das ist uns gelungen", stellte er fest. Auch die ein oder andere Torchance ließ nicht lange auf sich warten. Stiefler (!) hatte - nach Vorarbeit von Fink (!) in der siebten Minute nicht nur die erste, sondern 38 Minuten später, diesmal war Marvin Pourié Vorbereiter, auch die letzte, zumindest in Halbzeit eins. Hinzu kamen Möglichkeiten durch David Pisot (42./per Volleyabnahme) und Fink selbst (43.). "Die ganze Zeit lag da ein Tor in der Luft", gestand Gästetrainer Thioune später ein.

Fallen sollte es dann in Minute zwei der zweiten Halbzeit. Stiefler trat die Hereingabe, den Rest erledigte Marvin Pourié. Indes: Dass der Tabellenführer nicht gewillt war, mit gänzlich leeren Händen nach Hause zu fahren, zeigte er schon gleich im Anschluss. Auch Thioune sprach später vom "Hallo-wach-Effekt", den der Treffer bei den Seinen bewirkt habe. Dass sich der KSC zudem etwas zurückfallen ließ und nunmehr tiefer sowie weniger gut gestaffelt stand, erleichterte es dem Tabellenführer, sich mehr und mehr spielerische Vorteile zu verschaffen. "Das haben wir nicht so gut gemacht", sagte Alois Schwartz später über diese Spielphase. Die Strafe folgte in der 66. Minute: Einen Eckball von rechts verlängerte Adam Susac auf Konstantin Engel, der zum Ausgleich einschob.

Das Spiel stand wieder auf der Kippe, zumal der KSC auch in der Folge des 1:1 ein wenig Zeit benötigte, um sich zu berappeln. Als dies geschehen war, machte sich Daniel Gordon zum Mann des Tages: Erst setzte er sich nach einem Eckball von Marvin Wanitzek im Luftkampf gleich gegen zwei Osnabrücker durch und köpfte zur neuerlichen Führung ein (85.), dann rettete er diese in der Nachspielzeit auch noch ins Ziel. Der Lohn dieser Heldentaten: Der KSC liegt nur noch drei Punkte hinter Tabellenführer Osnabrück und drei beziehungsweise fünf Zähler vor Halle und Wehen Wiesbaden. Am Freitag kann er diese Position in Uerdingen weiter verbessern.

KSC: Sven Müller - Thiede, Pisot , Gordon, Roßbach - Wanitzek, Groiß (75. Kobald) - Stiefler, Marc Lorenz (90.+2 Camoglu) - Pourié (75. Sararer), Fink.

Osnabrück: Körber - Konrad, Susac, Trapp - Renneke, Ulrich Taffertshofer, Blacha (83. Danneberg), Engel - Heider, Girth (67. Alvarez), Amenyido (78. Ouahim).

Schiedsrichter: Robert Hartmann (Wangen) - Tore: 1:0 Pourié (48.), 1:1 Engel (66.), 2:1 Gordon (85.) - Zuschauer: 13 739 - Gelbe Karten: Pourie (2), Wanitzek (7), Thiede (4) / M. Trapp (3), Renneke (3), Blacha (6), K. Engel (5).

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Karlsruhe
Mehr Topspiel geht nicht

01.03.2019
Uphoff-Einsatz noch offen
Karlsruhe (red) - Der Karlsruher SC bangt vor dem Drittliga-Spitzenspiel gegen den VfL Osnabrück um seinen angeschlagenen Stammtorwart Benjamin Uphoff (Foto: GES). Zwar geht es Uphoff laut Trainer Schwartz "von Tag zu Tag besser", dennoch sei sein Einsatz offen. »-Mehr
Gaggenau
TVB-Frauen in Willstätt gefordert

21.02.2019
Spvgg Ottenau II: Serie fortsetzen
Gaggenau (red) - In der Tischtennis-Verbandsliga der Männer möchte die Spvgg Ottenau II nach den Siegen gegen Freiburg und Mühlhausen am Wochenende ihre Erfolgsserie gegen Oberschopfheim ausbauen. In der Frauen-Verbandsliga will der TV Bühl in Willstätt gewinnen (Foto: fuv). »-Mehr
Baden-Baden

19.02.2019
Wechsel an der Spitze
Baden-Baden (red) - Die SG Muggensturm/Kuppenheim II hat sich in der Handball-Bezirksklasse die Tabellenführung zurückgeholt. Der Landesliga-Absteiger setzte sich im Spitzenspiel gegen die Panthers Gaggenau hauchdünn mit 28:27 durch (Foto: av). »-Mehr
Muggensturm
Geht das Wechselspiel weiter?

16.02.2019
Erneutes Wechselspiel?
Muggensturm (red) - Die Spitze in der Handball-Bezirksklasse ist so eng beisammen, dass sich der Tabellenführer aktuell beinahe wöchentlich ändert. Und das Wechselspiel könnte an diesem Wochenende munter weitergehen - auch, weil der Ligaprimus spielfrei ist (Foto: fuv). »-Mehr
Muggensturm
Geht das Wechselspiel weiter?

16.02.2019
Erneutes Wechselspiel?
Muggensturm (red) - Die Spitze in der Handball-Bezirksklasse ist so eng beisammen, dass sich der Tabellenführer aktuell beinahe wöchentlich ändert. Und das Wechselspiel könnte an diesem Wochenende munter weitergehen - auch, weil der Ligaprimus spielfrei ist (Foto: fuv). »-Mehr
Umfrage

Der ADAC hat seine ablehnende Haltung in Sachen Tempolimit aufgeweicht. Befürworten Sie eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen?

Ja.
Nein.
Das ist mir egal.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1