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Vom Märchen zum Horrorfilm?
06.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Christian Rapp

In den vergangenen beiden Spielzeiten spielte sich im Schwarzwald, genauer gesagt im beschaulichen Sasbachwalden, ein Märchen ab, das selbst Walt Disneys Traumfabrik vor Neid erblassen lässt: Wir schreiben das Frühjahr 2017, der heimische Sportverein kickt in den Niederungen der B 5, bevor sich der SVS in den folgenden Monaten und Jahren als wahrer "Relegationsexperte" einen Namen macht. Erst wird durch eine Zitterpartie im Relegationsrückspiel beim SV Bietigheim im Juni 2017 der Aufstieg in die A Süd klar gemacht, zwölf Monate später durch einen Sieg in Gaggenau gar der Durchmarsch in die Bezirksliga eingetütet.

Doch wie es nun mal so ist mit diesen Märchen, jede dieser vor Glückseligkeit triefenden Erzählungen hat mal ein Ende. So schreib en wir mittlerweile das Frühjahr 2019 und die Elf von Trainer Christian Schweiger ist in den Niederungen des Tabellenkellers in der Bezirksliga angekommen - vorletzter Platz, 15 Punkte, 25:52 Tore. Tschüss Aschenputtel, hallo Freddie Krueger! Die bisherige Saison, sie verkommt immer mehr zum persönlichen Horrorfilm für Schweiger und seine Truppe.

Dabei fing die Runde durchaus blendend an: Das schwarz-gelbe Märchen, so hatte es den Anschein, würde auch einen dritten Teil produzieren. So lag der SVS nach sieben Spieltagen mit zehn Punkten auf dem achten Platz - gesichertes Mittelfeld. Aller Ehren wert für einen Dorfverein wie den SV Sasbachwalden, bei dem ein Großteil der Stammbesetzung vor zwei Jahren noch in der untersten Liga kickte. Doch was folgte, war eine ausgewiesene Herbstdepression. Der Ursprung allen Übels: Die 2:3-Heimniederlage gegen das bis dato punktlose Schlusslicht TC Fatihspor Baden-Baden, gefolgt von der 0:4-Klatsche in Ötigheim. "Die Niederlage gegen Fatihspor war der Knackpunkt und war auch bezeichnend für die folgenden Wochen. Eigentlich hätten wir die Partie gewinnen müssen, verlieren sie aber. Danach hatten wir auch ziemlich viel Pech mit Verletzungen. Wir sind dann irgendwie in einen Teufelskreis gekommen", sagt Schweiger rückblickend.

Erst am 14. Spieltag beim Kellerduell gegen Bischweier (2:1) gelang es den Schwarz-Gelben, wieder dreifach zu punkten. Zumindest ein kleines Lebenszeichen, wenngleich es bis zur Winterpause noch drei heftige Niederlagen gegen Ottersdorf (1:5), Unzhurst (0:4) und Kappelrodeck-Waldulm (1:4) hagelte. "Ich war richtig froh, als die Winterpause endlich da war. Meine Jungs waren körperlich erschöpft, aber vor allem mental", erklärt der SVS-Trainer und gibt zu bedenken, dass die Mannschaft, bedingt durch die Relegation, zwei Jahre in Folge im Sommer nur drei, vier Wochen Pause hatte. "Dieses Jahr haben wir erstmals das Hallentraining ausfallen lassen, damit sich die Jungs erholen, die Hinrunde abhaken können und mit neuer Frische wieder Lust aufs Kicken bekommen."

Es scheint gefruchtet zu haben. In der Wintervorbereitung durfte Schweiger bis zu 25 Mann pro Training begrüßen. Zudem kehrten auch die Verletzten wie etwa Stürmer Dominic Trapp (Schweiger: "Ihn haben wir sehr vermisst. Seine Geschwindigkeit tut unserem Spiel gut.") zurück. Ebenso durfte der SVS-Trainer mit Sven Feßler einen Winterzugang begrüßen, der früher bereits seine Kickschuhe für die Schwarz-Gelben schnürte. "Er wird unsere Abwehr stabilisieren", zeigt sich Schweiger zuversichtlich. Ausreichende Ruhepause, Rückkehr der Verletzten, ein wichtiger Neuzugang - alles Gründe, die Schweiger optimistisch stimmen: "Mit unserem Zusammenhalt in der Truppe bin ich sehr zuversichtlich, dass wir die Klasse halten werden."

Trotzdem liegt über der ersten Begegnung im Fußballjahr 2019 beim SV 08 Kuppenheim II am Sonntag gleich ein Hauch von Endspiel. Mit einem Sieg würde die Schweiger-Elf am direkten Kontrahenten (16 Zähler) vorbeiziehen und neuen Mut im nervenaufreibenden Klassenkampf schöpfen. Bei einer Niederlage könnte dagegen die zarte Euphorie der Wintervorbereitung bereits wieder verflogen sein und sich die Abstiegsangst in den Köpfen und Beinen der SVS-Kicker festsetzen.

Es ist also auch in der dritten Saison in Folge etwas geboten beim SVS. Nach zwei Runden wie im Bilderbuch-Märchen, wird jetzt eben ein nervenaufreibender Gruselschocker aufgeführt. Doch ab und zu kommt manchmal auch in diesen Filmen das Opfer mit einem blauen Auge davon. Ein Happy End sozusagen - und damit kennt sich der SV Sasbachwalden, die vergangenen beiden Runden haben das eindrucksvoll gezeigt, freilich bestens aus.

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