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Allen Widrigkeiten getrotzt
11.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Michael Ihringer

Er hat gegrätscht, was die Beine nur hergaben. Er hat auf der neuralgischen Sechser-Position zig Zweikämpfe angenommen und gewonnen. Er hat das eigene Spiel immer wieder angekurbelt und bei jeder Schussmöglichkeit aus allen Rohren gefeuert. Und Mike Frantz hat dann auch etwas getan, was er hernach am meisten bedauerte, obwohl ihn nicht die geringste Schuld traf: Er hat die Saison seines immer besser in Form gekommenen Rechtsverteidigers Lukas Kübler beendet.

Die unglückliche Kollision mit seinem Mitspieler, als der Routinier im Luftkampf mit seinem ganzen Körpergewicht auf dem Sprunggelenk des daneben liegenden Teamkollegen landete, endete für Kübler mit dem Bruch seines Sprunggelenks. Das persönliche Drama dämpfte die ansonsten euphorische Stimmung im Freiburger Lager nach dem eminent wichtigen 2:1-Heimsieg gegen Hertha BSC merklich. Jeder im SC-Umfeld dachte an Kübler, Frantz mit betretener Miene besonders: "Das macht mich ja betroffen, das kann man nicht so einfach abschütteln. Bei uns hat man schon ein bisschen gemerkt, dass wir einen schwer verletzten Spieler verloren haben. Dass das dann so ausgeht, ist enorm bitter. Es tut mit total leid für den ,Luki .'"

Nils Petersen, der in der starken Anfangsphase die SC-Führung per Kopfball nach Grifo-Flanke erzielt hatte (27.), spendete Trost: "Wir können ihm den Sieg auf jeden Fall schenken." Trainer Christian Streich beklagte den nächsten Ausfall in seinem schon üppig gefüllten Lazarett: "Eine Katastrophe für uns und für ihn - schon wieder. Wir hatten diese Saison schon so viel Pech mit Langzeitverletzten."

Umso mehr durfte er glücklich sein über die große Willensleistung, da in Philipp Lienhart auch noch ein zweiter Verteidiger nach einem Zusammenprall mit Herthas Sturm-Wumme Salomon Kalou nicht mehr zur zweiten Halbzeit auflief. Streich: "Er hat nichts mehr gesehen. Wir schaffen es trotzdem mit den Jungs, die reinkommen, es stabil zu halten und das Spiel zu gewinnen." Er war sichtlich stolz auf den unermüdlichen Kampf gegen alle Widerstände.

Denn zum Verletzungspech gesellte sich die Drangphase der Hauptstädter im zweiten Abschnitt, die mit starken Kurzpassaktionen den Sport-Club vehement in die Passivhaltung drängten. So war der Ausgleich durch Altmeister Ibisevic nach schöner Vorarbeit des jungen Torunarigha (76.) mehr als verdient. Die Breisgauer schienen keinen Sprit im Tank mehr zu haben.

Wohl auch deshalb machte Berlins Abwehrchef Niklas Stark, der nach dem Rausschmiss der Bayern-Weltmeister Jérôme Boateng und Mats Hummels als künftiger Nationalspieler gilt und wohl auch deshalb von Bundestrainer Joachim Löw im Schwarzwaldstadion beobachtet wurde, einen genervten Eindruck. "Wir haben nach der Pause viel investiert, sind schmerzhafte Wege gegangen. Ich muss das jetzt erst mal verarbeiten." An Löw im Stadion und die Nationalmannschaft habe er keine Sekunde gedacht.

Einer der Freiburger Jungs, die in der Defensive für die zwei Unglücksraben in die Bresche sprangen, war am SC-Siegtor (81.) direkt beteiligt. Nach Grifos Eckball stieg der 19-jährige Nico Schlotterbeck, der selbst im Stadionmagazin noch nicht auftauchte, in seinem ersten Bundesligaspiel im Hertha-Strafraum wie Ikarus in die Luft. Der Ball senkte sich hinter Torwart Jarstein ins Netz, das Stadion bebte vor Jubel. Dass letztlich Berlins Ibisevic ("Ich musste mit meinem Gegenspieler dahin und erwische den Ball so unglücklich, dass er hinten rein fällt") somit für gleich zwei Tore verantwortlich zeichnete, juckte keinen beim SC. Hertha-Coach Pal Dardei schon: "Wir wollten durch einen Standard gewinnen - es kam andersrum."

Christian Günter, der nach abgelaufener Sperre wie gewohnt viel Druck auf der linken Außenbahn ausübte, war sich der Wichtigkeit des Heimdreiers angesichts der folgenden hohen Hürden in Mönchengladbach und zu Hause gegen Bayern München und Dortmund voll bewusst. Wohl auch deshalb verriet er seinen persönlichen Wunsch für den verregneten Sonntag: "Wir haben uns einen freien Tag verdient." Auf der heimischen Couch verletzt sich im Normalfall auch niemand.

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