Hinten hui - und vorne auch
13.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Frank Ketterer

Die Reaktionen waren positiv, überwiegend zumindest: Dass der Karlsruher SC, wie er Montagnachmittag bekannt gab, den Vertrag mit Innenverteidiger Daniel Gordon vorzeitig bis Juni 2020 verlängert hat, stieß bei den meisten Fans auf Zustimmung - und das trotz Gordons jetzt schon biblischen Alters. 35 wird der Deutsch-Jamaikaner schließlich nächsten Januar. Was für seinen Verbleib im Wildpark für eine weitere Spielzeit deutlich mehr gesprochen hat, ist derweil eine andere Kennziffer, die 29 nämlich. Genau so viele Tore hat der Karlsruher SC in der letzten Saison kassiert - und damit die beste Abwehr der Liga gestellt, nicht zuletzt Innenverteidiger Gordon sei Dank.

Das ist wirklich schön für den 34-Jährigen. Andererseits ist er damit nicht ganz schuldlos - und zwar daran, dass die Badener auch in dieser Saison als Mannschaft gelten, deren Stärke vornehmlich in der Defensive liegt, frei nach dem Motto: Hinten hui, vorne, naja, doch eher pfui.

Dabei war die Offensive, das gibt KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer offen zu, in der zurückliegenden Spielzeit in der Tat die "Achillesferse" der Badener. Mit ihren 49 erzielten Treffern stellten sie gerade Mal den zehntbesten Sturm der Liga, selbst der Tabellen-14. Großaspach brachte es am Saisonende auf sechs Tore mehr, für die beiden Aufsteiger standen letztendlich sogar 70 (Magdeburg) und 90 (Paderborn) Treffer zu Buche. Zu viel für den KSC, um im Kampf um Liga zwei mithalten zu können, Gordon hin oder her.

Indes: So war's einmal. "Genau da haben wir den Hebel vor der Saison angesetzt", sagt Sportdirektor Kreuzer passend dazu: "Wir haben gesagt: Wir wollen und müssen mehr Tore schießen" - und das möglichst nicht auf Kosten der defensiven Kompaktheit.

Es scheint, Stand heute, der richtige Hebel gewesen zu sein. Mit seinen bislang 26 Gegentreffern verfügt der KSC vor diesem 28. Spieltag zwar immer noch über eine der besten Defensiven dieser 3. Liga, der drittstabilsten nämlich nach Tabellenführer Osnabrück (20) und Halle (21), aber mit 44 erzielten Toren eben auch über ihren drittbesten Sturm hinter Wehen (48) und Unterhaching (45). "Wir haben die richtige Balance gefunden", schließt Kreuzer aus Zahlen wie diesen. Als Zeichen, dass sich die Mannschaft weiterentwickelt hat, will er das gewertet wissen.

Die Entwicklung des Kollektivs hat nicht unmaßgeblich mit der Entwicklung einzelner seiner Teile zu tun. Was die deutlich erhöhte Trefferquote anbelangt, landet man schnell bei Anton Fink und Marvin Pourié. Acht Tore hat der eine in der letzten Saison erzielt, "nur" muss man wohl hinzufügen, schließlich ist Fink bester Drittliga-Torjäger aller Zeiten. Drei Treffer hat Pourié, erst im Januar 2018, also in der Winterpause, zum KSC gekommen, beigesteuert. In der laufenden Saison haben die beiden den Ball bereits 25 Mal im gegnerischen Tor untergebracht, 13 Mal der eine, Pourié, zwölf Mal der andere, also Fink. In der aktuellen Torjägerliste macht das Platz eins und drei. Dass die beiden das beste Sturmpaar der Liga stellen, versteht sich da von selbst. "Wir passen gut zusammen. Und wer von uns trifft, ist am Ende egal", hat Anton Fink über die Zusammenarbeit unlängst gesagt. Und Marvin Pourié ergänzt: "Wenn man so einen kongenialen Partner vorne drin hat wie den Toni, macht das Riesenspaß."

Es ist der Spaß am Toreschießen und am Siegen - und wie nahe beides beim KSC mit dem tortollen Duo zusammenhängt, war erst neulich zu sehen: In den Partien gegen Jena, Zwickau, Kaiserslautern und Lotte hat Fink nur ein Mal, Pourié gar keinmal ins Tor getroffen, prompt blieb der KSC vier Mal in Folge sieglos. In den beiden folgenden Spielen gegen Osnabrück und in Uerdingen traf Fink ein, Pourié sogar zwei Mal, was mit zwei Siegen belohnt wurde, die sogleich als Rückkehr in die Erfolgsspur gefeiert wurden.

In dieser will der KSC auch in der heutigen Partie gegen den VfR Aalen (19 Uhr) bleiben. Aalen ist Tabellenletzter, der KSC Rangzweiter. Zumindest laut Papierform sollte ein Sieg also möglich sein. Schon wegen Pourié und Fink - von Daniel Gordon ganz zu schweigen.

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