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Aus Ausdauer wird Zufall
Aus Ausdauer wird Zufall
14.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Frank Ketterer

Die Empörung unter den Gehern dieser Welt war groß. Der Ire Brendan Boyce steht somit nur stellvertretend für viele andere. "Die IAAF hat beschlossen, das Gehen zu zerstören", ließ der Olympiateilnehmer von 2016 wissen. Mehr noch: "Sie haben aus einer Ausdauer-Disziplin eine Zufalls-Disziplin gemacht." Die Neuseeländerin Alana Barber, ebenfalls Teilnehmerin an den Spielen in Rio, stieß ins gleiche Horn: "Das Wesen unserer Sportart ist Ausdauer", stellte sie auf Instagram fest.

Genau dieses Wesen will der Internationale Leichtathletikverband IAAF verändern. Genauer gesagt: Er hat es gerade getan. Auf einer Council-Sitzung Anfang der Woche in Doha beschloss die IAAF, die traditionellen Distanzen zu kürzen: Aus den 50 Kilometern sollen 30 werden, die 20 Kilometer sogar halbiert auf zehn. Endgültig festgezurrt sind diese Distanzen wohl noch nicht abschließend. Auch Wettbewerbe über 20 und 35 Kilometer scheinen denkbar.

"Wir müssen relevant für Übertragungen und digitale Medien bleiben. Nur so sichern wir die Zukunft der Sportart bei großen Wettbewerben", beschrieb bereits vor der Council-Sitzung der Pole Robert Korzeniowski, 1996, 2000 und 2004 Olympiasieger über 50 Kilometer und mittlerweile Mitglied des IAAF-Geher-Komitees, den Grund für den einschneidenden Eingriff. Wiederum nach der Sitzung stellte auch IAAF-Präsident Sebastian Coe fest: "Die Entscheidung ist wichtig, um die Sportart zu sichern und attraktiver zu machen."

In erster Linie dürften beide IAAF-Männer an den Verbleib des Gehens im olympischen Programm denken - und dieses wird vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) mehr denn je nach den Begehrlichkeiten des Fernsehens gestaltet. Grundregel eins dabei: Ein Wettbewerb muss deutlich unter vier Stunden Dauer liegen. Grundregel zwei: je kürzer, desto besser. Ein Beispiel: Triathlon wurde 2000 nur deshalb ins olympische Programm aufgenommen, weil der Verband ITU bereit war, die klassische Ironmandistanz von 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen auf 1,5 km (Schwimmen), 40 km (Rad) und 10 km (Laufen) zusammenzustutzen. Aus über acht Stunden Wettkampfdauer wurden so fernsehgerechte knapp zwei Stunden, aber auch eine ziemlich neue Sportart.

Von der aktuellen IAAF-Entscheidung betroffen sind auch zwei mittelbadische Sportler. Auch Carl Dohmann (SCL Heel Baden-Baden) und Nathaniel Seiler (TV Bühlertal) haben dagegen protestiert. Beide sind auf der 50-Kilometer-Distanz zu Hause, vor allem Dohmann (Foto: dpa), Olympia-Starter in Rio sowie im Vorjahr EM-Fünfter in Berlin, kommt erst auf der "langen Kante" so richtig in Schwung. "Über 50 Kilometer ist Extremausdauer gefragt, das sollte auch so bleiben", hat er erst neulich gesagt.

Nun ist es doch anders gekommen. 30 Kilometer sind für den Blondschopf ziemlich kurz. Er wird sich also umstellen müssen. Zumindest kleiner Trost am Rande: Die Verkürzungen werden erst ab der WM 2023 in Budapest vorgenommen. Die WM im Herbst in Doha (Katar) sowie 2021 in Eugene (USA) sind davon ebenso wenig betroffen wie die Olympischen Spiele nächstes Jahr in Tokio.

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