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Nur drei statt acht
25.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Frank Ketterer

Oliver Kreuzer begab sich schon bald danach auf die Flucht - und zwar in die Zukunft. Der kommende Sonntag war das Ziel des KSC-Sportdirektors, die nächste Partie des Karlsruher SC, also jene beim SV Wehen Wiesbaden. "Das gibt ein schönes Spiel", sagte Kreuzer, aber seine Stimme klang nicht wirklich nach Vorfreude, sondern eher nach, nun ja, einer Mischung aus bitterer Enttäuschung und spitzem Sarkasmus.

Das könnte damit zu tun haben, dass kurz zuvor Kreuzers Pläne für den kommenden Sonntag ziemlich über den Haufen geworfen worden waren. "Eigentlich wollte ich mit acht Punkten Vorsprung dorthin fahren", gestand der ehemalige Verteidiger. Dafür hätte Wehen am Samstag gegen Halle verlieren und der KSC zeitgleich gegen Hansa Rostock gewinnen müssen. Gekommen ist es ziemlich anders. Wehen hat 4:1 gewonnen, der KSC nur 1:1 remisiert. Statt acht sind es nun lediglich drei Punkte vor - bei exakt gleicher Tordifferenz. Verliert der Tabellenzweite aus Baden am Sonntag bei den drittplatzierten Hessen, ist er erstmals seit Anfang Dezember Rang zwei los.



Der KSC hat am Samstag die Gunst der Stunde also nicht genutzt, wiedereinmal muss man sagen. Und wieder einmal hat er die Punkte in einem Heimspiel liegen lassen. Dass es diesmal wenigstens keine Niederlage war, machte die Enttäuschung im Lager der Blau-Weißen nicht wirklich kleiner. Dafür war die Entstehungsgeschichte dieses 1:1 zu wenig nachvollziehbar, auf fast schon absurde Art war es schließlich zustande gekommen. Denn so sehr der KSC die erste Halbzeit beinahe nach Belieben dominiert hatte, so fahrlässig gab er sie im zweiten Durchgang auch aus der Hand - und beides deutete sich früh schon an.



In Durchgang eins dauerte es keine Viertelstunde, ehe die anfänglichen Mitspielbemühungen der ersatzgeschwächten Rostocker nachließen und der KSC, bei dem Sercan Sararer für den gelbgesperrten Marc Lorenz auf die linke Flanke gerückt war, zu ersten Chancen durch Marvin Pourié (17. u. 20.) und Anton Fink (19.) kam. David Pisot sorgte dann schon kurz darauf nach einem Eckball von Marvin Wanitzek für die in der Luft liegende Führung (22.). Auch nach dieser gelang es den Gästen nicht, ihre konsequent agierenden Gastgeber in ihrer Spielfreude zu bremsen. Vorne reihten die Rostock Fehler an Fehler, hinten ließen sie den Karlsruhern zu oft viel zu viel Raum, ein Angebot, das diese immer wieder gerne annahmen, beinahe lehrbuchmäßig in der 28. Minute: Marco Thiede fing den Ball im Mittelfeld ab, über Fink landete er per Zuckerpässchen bei Pourié, dessen Direktabnahme der gute Hansa-Keeper Ioannis Gelios gerade noch so zur Ecke lenken konnte. Viel schneller und direkter kann man nicht spielen, zumindest nicht in Liga drei.



Dass KSC-Trainer Alois Schwartz diese erste Halbzeit der Seinen später als "sehr, sehr gut" lobte, war somit nicht unangemessen. Mit der Feststellung, dass sie lediglich versäumt habe, ein zweites Tor nachzulegen und dafür schließlich bestraft wurde, machte er es sich indes etwas zu einfach, ebenso wie mit dem mittlerweile fast schon standardisierten Hinweis auf mangelndes Match- bzw. "Schiedsrichterglück" in Durchgang zwei. Damit sprach Schwartz eine Szene aus der 57. Minute an, in der Hansa-Keeper Gelios bei einem Klärungsversuch Pourié kurz vor der Strafraumgrenze zu Fall gebracht hatte, was Schiedsrichter Lasse Koslowski lediglich mit Gelb und Freistoß ahndete.



Die Dominanz war den Karlsruhern freilich schon zuvor flöten gegangen - und mit ihr bald auch die Führung ins Wackeln geraten. Bereits in Minute 56 konnte KSC-Keeper Benjamin Uphoff gerade noch so vor dem immer stärker werdenden Merveille Biankadi klären und damit den Ausgleich verhindern, vier Minuten später tat Daniel Gordon gleiches. Eine weitere Minute danach war es dann doch so weit: Tanju Öztürk verlängerte einen Eckball auf Lukas Scherff, der zum 1:1 einköpfte (61.).



Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte das Spiel eine Wendung genommen, für die später im Karlsruher Lager zuvorderst zwei Gründe genannt wurden: "Wir haben uns zu tief fallen lassen", stellte Innenverteidiger Pisot fest. "Vielleicht haben wir uns in der zweiten Halbzeit etwas zu passiv verhalten", vermutete derweil Alois Schwartz, verbunden mit dem Hinweis, dass beides nicht auf seine Anweisung hin erfolgt sei.



Sportdirektor Kreuzer war so oder so bedient. "Unerklärlich" fand er, dass der KSC quasi ab der 46. Minute in einen "leichten Rückzugsmodus" verfallen war, statt mit breiter Brust weiter auf Sieg zu spielen; "Defensiv-" oder "Verwaltungsmodus" nannte er dies wahlweise auch. "Das darf uns nicht passieren", stellte Kreuzer fest. "Ich habe immer gesagt: Eine Mannschaft, die aufsteigen will, muss mutig sein." Just dieser Mut gehört freilich nicht zu den Stärken dieser KSC-Mannschaft.

KSC: Uphoff - Thiede, Gordon, Pisot, Roßbach - Stiefler, Kobald, Wanitzek, Sararer (70. Camoglu) - A. Fink, Pourié.

Hansa Rostock: Gelios - Ahlschwede, Hüsing, Rieble, Cros (46. Bischoff) - T. Öztürk, Wannenwetsch - Biankadi (90. Hildebrandt), M. Pepic, Scherff - Hilßner (64. Williams).

Schiedsrichter: Lasse Koslowski (Berlin) - Zuschauer: 13 498 - Tore: 1:0 Pisot (22.), 1:1 Scherff (61.) - Gelbe Karten: Camoglu (2) / Hilßner (3), Rieble (6), Cros (7), Gelios (2).

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