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Von Abschieden, Stehaufmännchen und Skandalen
26.03.2019 - 00:00 Uhr
Rauschende Erfolge, bittere Pleiten und unappetitliche Blutpanschereien: Am Sonntag ist eine turbulente Wintersport-Saison zu Ende gegangen. Wir blicken zurück.

Der Abschied: Felix Neureuther

Am Ende war es der Anblick seiner Tochter Matilda (1), der Felix Neureuther klar machte: So, jetzt ist gut. Lange hatte er mit sich gerungen, genau genommen seit seinem Kreuzbandriss im November 2017. Er wollte es noch einmal wissen, verlängerte den Vertrag mit seiner Skifirma sogar bis 2022. Doch dann war doch Schluss mit dem Ende einer Saison, in der Neureuther noch einmal kämpfte wie ein Löwe, den Anschluss aber nicht mehr ganz schaffte. Der Skandal: Doping in Seefeld

An diesem unsäglichen WM-Mittwoch in Seefeld war nicht mehr klar, ob das nur noch zum Weinen oder schon zum Lachen ist. Alles rund um die Tiroler Dopingrazzien schien irrsinnig: Ein österreichischer Langläufer, der mit Nadel im Arm verhaftet wurde. Täter, die so skrupellos oder dumm waren, ungeniert auf der großen Sportbühne ihrem schändlichen Treiben nachzugehen, wo doch klar war, dass nach dem Fall Dürr der große Knall bevorstand. Noch ist das ganze Ausmaß des Skandals nicht absehbar, ein Erfurter Arzt sitzt als mutmaßlicher Drahtzieher in Haft. Dass nicht nur der Wintersport betroffen sein soll, ist keineswegs tröstlich, sondern erschreckend. Die Achterbahnfahrt: Laura Dahlmeier

Zu Saisonbeginn schwächelte ihr Immunsystem, zwischen den Jahren streckte sie ein Infekt nieder, vor der WM pausierte Laura Dahlmeier dann erneut, allerdings freiwillig. Aber die Biathlon-Königin gab nicht auf, feierte ihren 20. Weltcup-Sieg in Antholz und krönte eine verrückte Saison mit zwei Bronzemedaillen bei den Titelkämpfen in Östersund. Der Überflieger:

Markus Eisenbichler

Kurz vor Toresschluss kam er dann doch noch, dieser so ersehnte erste Weltcupsieg des Markus Eisenbichler. Doch selbst ohne den Erfolg von Planica wäre es der Skisprung-Winter seines Lebens gewesen. Der dreifache Skisprung-Weltmeister von Seefeld war sportlich über jeden Zweifel erhaben und blieb auch in den Momenten des größten Erfolges der authentische Sympathieträger mit den klaren Werten. Einfach Eisei eben.
Der Meistermacher: Werner Schuster

Das Beste kam zum Schluss: Elf Jahre lang war Werner Schuster Bundestrainer der deutschen Skispringer, erfolgreicher als in seiner letzten Saison ist der Österreicher allerdings nie gewesen. Drei WM-Titel gab es in Seefeld, nur der Vierschanzentourneesieg blieb ihm verwehrt. Schuster, der aus einem Trümmerhaufen wieder ein Weltklasse-Team gemacht hat, hinterlässt eine Lücke, auch wenn er dem Schanzenzirkus - in welcher Funktion auch immer - erhalten bleiben wird: "Ich habe nichts anderes gelernt als Skispringen - was soll ich denn sonst machen?"
Das Stehaufmännchen:

Eric Frenzel

Ohne Saisonsieg reiste Frenzel zur WM nach Seefeld, monatelang haderte der Olympiasieger mit seiner Sprungform. Doch dann flog und lief der "König der Kombinierer" in Tirol wie zu besten Zeiten, holte Gold im Einzel und Teamsprint. Und das in seinem "Wohnzimmer", wo er 13 Weltcupsiege feierte. Auf der Tribüne weinte Ehefrau Laura mit Töchterchen Emma auf dem Arm Tränen der Freude. Kein Zweifel: Auch mit 30 Jahren, drei Olympiasiegen und sieben WM-Titeln hat der Sachse noch lange nicht genug.
Der Dominator:

Francesco Friedrich

Es gab Zeiten, da galt Francesco Friedrich nur als Spezialist für den Zweierbob. Sehr athletisch eben, aber an den Lenkseilen fehlte noch das Gespür für den großen Schlitten. Spätestens im Jahr 2019 ist der Sachse aber am Gipfel angekommen. Doppeltes Olympia-Gold hatte er schon in Pyeongchang gewonnen, in diesem Winter holte er auch die WM-Titel und die Kristallkugeln für den Gesamtweltcup in beiden Schlitten. Friedrich ist nicht nur ohne Zweifel der beste Bob-Pilot der Gegenwart - er ist vielleicht der beste, den sein Sport jemals hervorgebracht hat. Und das im Alter von gerade erst 28 Jahren.
Die Punktlandung:

Felix Loch

Der Abgesang war eigentlich schon geschrieben. Im Februar 2018 hatte Felix Loch auf dramatische Weise den Olympiasieg in Pyeongchang verschenkt, von dieser Niederlage schien sich Deutschlands Vorzeige-Rodler einfach nicht mehr zu erholen. Im Weltcup-Winter schlingerte er von einer Enttäuschung in die nächste, zur Heim-WM in Winterberg reiste der einstige Dominator dann ohne einen einzigen Saisonsieg. Mit einer solchen Bilanz war Loch seit zehn Jahren in kein Großereignis mehr gestartet. Doch die Titelkämpfe Ende Januar brachten die Erlösung, Loch wurde zum sechsten Mal Weltmeister, ist nun Rekordchampion - und der Abgesang darf noch eine Weile in der Schublade liegen.
Die Nullrunden:

Deutsche Eisschnellläufer

Edelmetall ist selten geworden für die deutschen Eisschnellläufer. Im Weltcup gänzlich leer auszugehen, ist dennoch besonders: In 78 (!) Rennen gab es 0 (!) Podestplätze.

Die Vermisste:

Aljona Savchenko

Keine Aljona, keine Medaillen: So läuft das im deutschen Eiskunstlauf seit 13 Jahren. Die schöpferische Pause der Paarlauf-Olympiasiegerin und ihres Goldpartners Bruno Massot hat die Deutsche Eislauf-Union aus dem Medaillenspiegel bei Europa- und Weltmeisterschaften verschwinden lassen. Und anders als 2015, als Savchenko mit ihrem neuen Partner international noch nicht startberechtigt war, sieht es jetzt ganz nach einer längeren Durststrecke aus. Denn kaum jemand glaubt, dass die Ex-Weltmeister aus Oberstdorf noch einmal in den Wettkampfsport zurückkehren werden.

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